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Migrationspolitik - Kritik an Stadt Köln wegen nicht erfolgter Abschiebungen
Schlagzeilen · 10.08.2026 15:55

Migrationspolitik - Kritik an Stadt Köln wegen nicht erfolgter Abschiebungen

Kurz: Die Stadt Köln steht massiv in der Kritik, da sie bei der Abschiebung vollziehbar ausreisepflichtiger Personen offenbar Unterstützung abgelehnt haben soll.

Wachsender politischer Druck auf die Kölner Stadtverwaltung

Die Stadt Köln sieht sich mit erheblichen Vorwürfen konfrontiert, die ihre Migrationspolitik und die Verwaltungspraxis bei Abschiebungen in den Fokus rücken. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob die lokale Ausländerbehörde systematisch die Rückführung von Personen verhindert hat, die eigentlich vollziehbar ausreisepflichtig sind. Diese Vorwürfe haben eine bundesweite politische Diskussion ausgelöst.

Der Obmann der Unions-Fraktion im Innenausschuss, Alexander Seif, äußerte sich gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ kritisch zu den Vorgängen. Er stellte die fundamentale Frage, ob eine kommunale Behörde befugt sei, die Rückführung von Menschen, die rechtlich zur Ausreise verpflichtet sind, aktiv zu unterbinden. Diese Haltung wird von weiteren politischen Akteuren geteilt. FDP-Chef Wolfgang Kubicki bezeichnete die Situation als Teil eines bundesweiten Phänomens, bei dem Länder und Kommunen sich anmaßten, eine eigene, von der Bundeslinie abweichende Migrationspolitik zu betreiben.

Hintergrund: Abgelehnte Unterstützung bei der Dokumentenbeschaffung

Die Kritik stützt sich auf Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeigers“. Demnach hatte eine Zentrale Ausländerbehörde im Auftrag des nordrhein-westfälischen Fluchtministeriums den Kölner Behörden im Jahr 2024 ein konkretes Unterstützungsangebot unterbreitet. Es ging dabei um etwa 500 ausreisepflichtige Personen aus Staaten des Westbalkans. Das Angebot umfasste die Beschaffung der notwendigen EU-Reisedokumente, die für eine Abschiebung zwingend erforderlich sind. Die Kölner Stadtverwaltung lehnte dieses Angebot jedoch ab.

Diese Entscheidung stößt auf scharfe Kritik. Kubicki sprach in diesem Zusammenhang von einer „völlig inakzeptablen, verfassungswidrigen Verwaltungspraxis“, die sich seiner Ansicht nach in einigen Kommunen ausgebreitet habe. Er wirft der Stadt Köln vor, diese Entwicklung auf die Spitze zu treiben.

Brisanz durch aktuelle Sicherheitslage

Die Debatte erhält zusätzliche politische Brisanz durch ein gewaltsames Ereignis im Kölner Stadtteil Mülheim. Am vergangenen Montag kam es dort zu einem Konflikt zwischen zwei Großfamilien, bei dem vier Personen durch Schüsse und Stiche verletzt wurden. Laut Berichten sollen Angehörige einer der beteiligten Familien zu dem Personenkreis gehören, der als ausreisepflichtig eingestuft ist. Dieser Vorfall hat die Diskussion über die Effektivität und Konsequenz der behördlichen Maßnahmen in Köln weiter verschärft.

Einordnung und mögliche Folgen

Die Diskussion wirft grundlegende Fragen zur Kompetenzverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen auf. Wenn lokale Behörden die Umsetzung geltender Gesetze durch die Ablehnung von Unterstützung bei der Dokumentenbeschaffung erschweren, stellt sich die Frage nach der rechtlichen Bindungswirkung von Rückführungsentscheidungen.

Für die Stadtverwaltung Köln bedeutet dies, dass sie sich verstärkt für ihre Entscheidung rechtfertigen muss. Politische Beobachter erwarten, dass der Druck auf die Stadt durch den Innenausschuss und weitere staatliche Stellen zunehmen wird. Sollte sich bestätigen, dass die Stadtverwaltung systematisch die Rückführung behindert hat, könnten dies weitreichende Konsequenzen für die Zusammenarbeit zwischen dem NRW-Fluchtministerium und der Kommune haben. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Stadtverwaltung ihre bisherige Praxis begründen kann oder ob der politische Druck zu einer Kurskorrektur führen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kolner-nachte-18713008/ · Foto: Ertabbt
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/kritik-an-stadt-koeln-wegen-nicht-erfolgter-abschiebungen-100.html