News aus aller Welt
Start
Sport · 24.09.2026 11:15

München oder Köln-Rhein-Ruhr? So läuft die Olympiawahl in Baden-Baden

Kurz: Der DOSB entscheidet in Baden-Baden über den deutschen Olympia-Kandidaten. München und Köln-Rhein-Ruhr hoffen auf den Zuschlag für die Sommerspiele.

Die Entscheidung über die deutsche Olympia-Bewerbung

Am Samstag, den 26. September 2026, steht für den deutschen Sport ein historischer Tag bevor. In Baden-Baden versammelt sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), um in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung den offiziellen Kandidaten für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele zu bestimmen. Nach dem Rückzug der Berliner Ambitionen stehen nur noch zwei Konzepte zur Auswahl: München und die Region Köln-Rhein-Ruhr. Die Veranstaltung im Kurhaus von Baden-Baden markiert den vorläufigen Höhepunkt eines langen Auswahlprozesses. Die Entscheidung wird mit großer Spannung erwartet, da sie die Weichen für die sportliche Zukunft Deutschlands auf internationaler Bühne stellen soll. Während die Beratungen hinter verschlossenen Türen stattfinden, wird die Öffentlichkeit erst nach einer Mittagspause über das Ergebnis informiert. Die offizielle Verkündung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und DOSB-Präsident Thomas Weikert wird live im Fernsehen übertragen, um den Stellenwert dieses nationalen Projekts zu unterstreichen.

Die Details des Wahlprozesses und die Stimmberechtigten

Der Abstimmungsmodus ist präzise geregelt und folgt erstmals dem Paragrafen 16 der DOSB-Satzung. Von den insgesamt 103 Mitgliedsorganisationen sind lediglich 42 stimmberechtigt. Diese Einschränkung bedeutet, dass zahlreiche Landessportbünde sowie nichtolympische Spitzenverbände und Verbände mit besonderen Aufgaben bei dieser spezifischen Wahl kein Mitspracherecht haben. Das Gewicht der Stimmen liegt primär bei den olympischen Spitzenverbänden, die jeweils drei Stimmen in die Waagschale werfen können. Diese Verbände verfügen über den größten Einfluss auf den Ausgang der Wahl. Ergänzt wird das Gremium durch die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums sowie acht der zwölf persönlichen DOSB-Mitglieder, zu denen unter anderem der bekannte Fußballprofi Leon Goretzka zählt. Insgesamt ergibt dies ein komplexes Stimmgefüge, bei dem jeder olympische Spitzenverband seine drei Stimmen geschlossen für einen Kandidaten abgeben muss; eine Aufsplittung der Stimmen ist ausdrücklich untersagt. Die gesamte Wahl wird notariell begleitet, um höchste Transparenz und Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Der Weg zur Auswahl und die Rolle der Evaluierungskommission

Die Entscheidungsgrundlage bildet ein umfassendes Bewertungssystem, das die Konzepte beider Städte auf Herz und Nieren geprüft hat. Eine eigens eingesetzte Evaluierungskommission, der hochrangige Vertreter aus Sport und Politik angehören, hat die Unterlagen analysiert. Zu den stimmberechtigten Mitgliedern zählen neben DOSB-Präsident Thomas Weikert auch der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke sowie Vertreter aus dem Kanzleramt und dem Bundestag. Auch die Präsidenten des Deutschen Segler-Verbandes und des Deutschen Basketball Bundes sind stimmberechtigt. Das Ergebnis der Bewertung zeigt ein extrem enges Rennen: München erreichte 87,03 Punkte, während die Region Köln-Rhein-Ruhr mit 85,02 Punkten nur knapp dahinter liegt. Beide Bewerbungen werden als exzellent eingestuft und gelten laut dem Bericht der Kommission als im internationalen Wettbewerb gleichrangig. Ein zentrales Kriterium in der Bewertungsmatrix war dabei die nationale Akzeptanz, bei der beide Standorte durch erfolgreiche Bürgerentscheide mit jeweils 66 Prozent Zustimmung überzeugen konnten. Berlin, das ebenfalls bewertet wurde, landete mit 74,64 Punkten deutlich abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Die Hintergründe der deutschen Olympia-Strategie

Die aktuelle Bewerbungsphase ist Teil einer langfristigen Strategie des DOSB. Deutschland möchte sich nicht auf ein einzelnes Jahr festlegen, sondern strebt eine Bewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 an. Diese Mehrfachauswahl soll die Erfolgsaussichten signifikant erhöhen. Das übergeordnete Motto lautet, dass Deutschland bereit sein müsse, wenn Europa als Gastgeber gefragt sei. Die Überlegung dahinter ist strategischer Natur: Sollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) für das Jahr 2036 aus geopolitischen oder strategischen Gründen – etwa für Standorte in Asien wie Indien oder Katar – entscheiden, wäre Deutschland für diesen Anlauf zwar unterlegen, hätte aber für die darauffolgenden Spiele 2040 oder 2044 weiterhin eine offizielle Bewerbung im Köcher. Dieser Ansatz soll Flexibilität garantieren und sicherstellen, dass die investierte Arbeit in die Konzepte nicht bei einer ersten Absage verloren geht. Es ist ein bewusstes Spiel mit den Zeitplänen des IOC, um die Chancen auf einen Zuschlag über das nächste Jahrzehnt hinweg zu maximieren.

Die Akteure und ihre Verantwortlichkeiten

Die Entscheidung liegt in den Händen der 42 stimmberechtigten Delegierten, die den Kern des DOSB-Wahlgremiums bilden. Neben den olympischen Spitzenverbänden spielen die Präsidiumsmitglieder eine zentrale Rolle. Die Evaluierungskommission, die die Konzepte fachlich bewertet hat, umfasst zudem Persönlichkeiten wie die Athletenvertreterin im IOC, Kim Bui, sowie Vertreter des Behindertensportverbands und des Landessportverbandes Baden-Württemberg, die zwar ohne Stimmrecht beisitzen, aber beratende Funktionen ausüben. Diese Zusammensetzung spiegelt die Breite der deutschen Sportlandschaft wider. Die offizielle Verkündung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht dem Prozess eine staatspolitische Dimension. Auch die mediale Begleitung ist hochkarätig: Die ARD überträgt das Ereignis live aus Baden-Baden, moderiert von Esther Sedladzek. Sondersendungen im WDR und im Bayerischen Rundfunk unterstreichen das öffentliche Interesse an der Wahl des deutschen Olympia-Kandidaten.

Einordnung der aktuellen Situation

Einzuordnen ist das knappe Ergebnis zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr als Ausdruck einer hohen Qualität beider Bewerbungskonzepte. Den Berichten zufolge sind beide Standorte in der Lage, den internationalen Anforderungen des IOC gerecht zu werden. Die Tatsache, dass das Bewertungssystem nur eine minimale Differenz von rund zwei Punkten ausweist, macht die Wahl am Samstag zu einer echten Entscheidung auf Augenhöhe. Politisch gesehen ist die Wahl des Standorts ein Signal für die Sportbegeisterung in Deutschland. Die hohe Zustimmung in den Bürgerentscheiden unterstreicht, dass die Bevölkerung hinter den Plänen steht, was für das IOC ein wichtiges Kriterium bei der Vergabe ist. Die strategische Offenheit hinsichtlich der Jahreszahlen 2036 bis 2044 zeigt zudem, dass der DOSB aus der Vergangenheit gelernt hat und nun auf einen Prozess setzt, der weniger von kurzfristigem Druck, sondern von langfristiger Planung geprägt ist. Die Konkurrenz durch internationale Mitbewerber bleibt jedoch eine enorme Herausforderung, die eine geschlossene nationale Unterstützung erfordert.

Offene Fragen zum weiteren Verlauf

Trotz der detaillierten Vorbereitungen bleiben einige Aspekte des Prozesses ungeklärt. So ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar, wie das IOC auf die deutsche Mehrfachstrategie reagieren wird, da die Vergabezyklen für die Spiele 2040 und 2044 noch nicht im Detail definiert sind. Ebenso bleibt offen, wie sich die politische Landschaft in den kommenden Jahren verändern könnte, was Auswirkungen auf die Finanzierung und die Unterstützung der Bewerbung haben könnte. Während das Bewertungssystem für die aktuelle Phase klare Zahlen liefert, bleibt die Frage, wie das IOC die Gewichtung der Kriterien bei einer möglichen Kampfabstimmung im Jahr 2029 vornehmen wird. Auch die genaue Ausgestaltung der zweiten Stufe des Auswahlverfahrens, der sogenannte strategische Dialog ab März 2027, enthält noch Unwägbarkeiten. Es ist unklar, welche spezifischen Anforderungen das IOC in dieser Phase an die deutschen Planer stellen wird, um die Konzepte noch weiter zu verfeinern und an die globalen Standards anzupassen.

Der Zeitplan bis zur möglichen Vergabe

Der Weg zu den Olympischen Spielen ist lang und in mehrere Phasen unterteilt. Deutschland befindet sich aktuell in der Stufe des kontinuierlichen Dialogs, in der das Interesse offiziell hinterlegt ist. Ab März 2027 beginnt für die Spiele 2036 die Phase des strategischen Dialogs, in der das IOC gezielt prüft, welche Bewerbungen am besten zu den eigenen langfristigen Plänen passen. Ende 2028 soll die dritte Phase folgen, der sogenannte gezielte Dialog mit ausgewählten Bewerbern. Die endgültige Entscheidung über den Ausrichter der Sommerspiele 2036 ist für das Jahr 2029 vorgesehen. Ob es zu einer klassischen Kampfabstimmung kommt oder das IOC ein anderes Vergabemodell wählt, bleibt abzuwarten. Die deutsche Bewerbung muss sich also über Jahre hinweg beweisen, wobei die Entscheidung in Baden-Baden lediglich der erste Schritt in einem langwierigen Prozess ist. Die Verantwortlichen im DOSB haben sich darauf eingestellt, dass dieser Weg Ausdauer, diplomatische Geschicklichkeit und eine kontinuierliche Anpassung an die Anforderungen des Internationalen Olympischen Komitees erfordert.

Quelle: https://www.sportschau.de/olympia/so-laeuft-die-olympiawahl-in-baden-baden,olympia-bewerbung-faq-100.html