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Kultur · 24.09.2026 11:24

Auch aus dem Metropolitan Museum: USA geben antike Raubkunst an Syrien zurück

Kurz: Die USA geben 36 antike Raubkunstwerke an Syrien zurück. Darunter befinden sich Artefakte aus dem Metropolitan Museum of Art und von privaten Sammlern.

Was geschehen ist: Die Rückführung syrischer Kulturgüter

In einer bedeutenden diplomatischen und juristischen Aktion haben die Vereinigten Staaten die Rückgabe von insgesamt 36 antiken Kunstwerken an Syrien angekündigt. Bei den Objekten handelt es sich um Artefakte, die nachweislich aus illegalen Quellen stammen und in der Vergangenheit durch Raub oder Plünderung außer Landes geschafft wurden. Die Entscheidung zur Repatriierung dieser Kulturgüter wurde von der Staatsanwaltschaft in Manhattan offiziell bekannt gegeben. Der Prozess der Rückgabe umfasst dabei nicht nur Stücke, die sich im Besitz renommierter Institutionen befanden, sondern auch Objekte, die von privaten Sammlern antiker Kunst sichergestellt wurden. Die Gesamtsumme des Marktwertes dieser Altertümer wird von den US-Behörden auf mehr als fünf Millionen Dollar geschätzt. Diese Maßnahme unterstreicht das anhaltende Bestreben der amerikanischen Justizbehörden, den internationalen Handel mit gestohlenen Kulturgütern systematisch zu unterbinden und die rechtmäßigen Eigentümer, in diesem Fall den syrischen Staat, bei der Wiedererlangung ihres kulturellen Erbes zu unterstützen. Die Übergabe markiert einen wichtigen Schritt in der internationalen Zusammenarbeit zum Schutz archäologischer Schätze, die in Krisengebieten durch bewaffnete Konflikte und organisierte Kriminalität massiv gefährdet wurden.

Die Einzelheiten: Herkunft und Wert der Artefakte

Die Details zu den sichergestellten Objekten sind umfangreich und werfen ein Schlaglicht auf die Wege, die gestohlene Kunst weltweit nimmt. Besonders hervorzuheben ist ein massiver Kalksteinblock mit einem Gewicht von mehr als 450 Kilogramm. Dieses bedeutende Stück zeigt einen liegenden Mann, der von einer Frau und drei Kindern umgeben ist. Es wurde während der systematischen Zerstörung der antiken Welterbestätte Palmyra durch die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) gewaltsam entwendet und illegal aus Syrien geschmuggelt. Die Staatsanwaltschaft von Manhattan gab bekannt, dass allein 13 der nun an Syrien übergebenen Objekte direkt aus dem Bestand des Metropolitan Museum of Art in New York beschlagnahmt wurden. Diese 13 Stücke sind Teil eines wesentlich größeren Komplexes: Seit 2017 wurden im Metropolitan Museum insgesamt 402 Artefakte sichergestellt, deren Gesamtwert auf 98,7 Millionen Dollar taxiert wird. Weitere vier der jetzt betroffenen Stücke befanden sich im Besitz des bekannten amerikanischen Sammlers Michael Steinhardt. Dieser war bereits im Jahr 2021 in den Fokus der Ermittler geraten, als er 180 gestohlene antike Artefakte mit einem Wert von rund 70 Millionen Euro zurückgab, um einer drohenden Gefängnisstrafe zu entgehen.

Hintergrund: Die Plünderung durch den IS und der Handel

Die Geschichte der nun zurückgegebenen Objekte ist eng mit den dunklen Kapiteln der syrischen Geschichte der letzten Jahre verknüpft. Insbesondere die archäologische Stätte Palmyra, die zum Weltkulturerbe zählt, wurde während der Besetzung durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zum Ziel beispielloser Plünderungen. Die Dschihadisten nutzten den Verkauf antiker Artefakte systematisch als Finanzierungsquelle für ihre Aktivitäten. Der Fall der Büste der Bat’a, Tochter des Moqim und Enkelin von Malku, die auf das späte 2. oder frühe 3. Jahrhundert datiert wird und sich im Metropolitan Museum befand, steht beispielhaft für die Verschleierung der Herkunft solcher Stücke. Die US-Behörden arbeiten bereits seit Längerem daran, den großflächigen Handel mit geraubter Kunst zu zerschlagen. Dabei werden nicht nur Museen, sondern auch private Sammlungen durchleuchtet, die oft als Endstationen für illegal gehandelte Antiquitäten fungierten. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Manhattan haben in den vergangenen Jahren ein Netzwerk aus Hehlern und Zwischenhändlern aufgedeckt, das den globalen Kunstmarkt durchdrungen hat. Die Rückgabe an Syrien ist somit das Ergebnis einer jahrelangen, akribischen Aufarbeitung von Provenienzen, die durch die Zusammenarbeit mit internationalen Experten und syrischen Behörden ermöglicht wurde.

Die Beteiligten: Institutionen und Akteure

An diesem komplexen Prozess sind diverse Akteure beteiligt, die auf unterschiedlichen Ebenen agieren. Die Staatsanwaltschaft von Manhattan spielt dabei die zentrale Rolle als treibende Kraft hinter den Beschlagnahmungen und der juristischen Aufarbeitung. Staatsanwalt Alvin Bragg betonte im Rahmen der Bekanntgabe die Bedeutung der Rückführung als Akt der internationalen Solidarität und des Schutzes kultureller Identität. Auf diplomatischer Ebene äußerte sich der syrische Geschäftsträger in Washington, Mohammad Kanatri, zur Bedeutung der Rückgabe. Er wertete den Vorgang als Zeichen für ein gemeinsames Engagement zum Schutz des kulturellen Erbes, das Brücken zwischen den beiden Nationen schlagen könne. Auf der anderen Seite stehen Institutionen wie das Metropolitan Museum of Art, das in den letzten Jahren wiederholt mit der Sicherstellung von Objekten aus seinen Beständen konfrontiert war. Auch der Sammler Michael Steinhardt wird als eine der zentralen Figuren genannt, deren Bestände nach intensiven Ermittlungen der US-Behörden durchleuchtet und teilweise eingezogen wurden. Diese Akteure repräsentieren die Spannungsfelder zwischen privatem Sammelinteresse, musealer Verantwortung und staatlichem Schutzauftrag für archäologische Kulturgüter.

Einordnung: Die Bedeutung der Rückführung

Einzuordnen ist das Vorgehen der USA als Teil einer umfassenderen Strategie zur Bekämpfung des illegalen Antiquitätenhandels. Den Berichten zufolge haben die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren eine Vielzahl von Antiquitäten an Länder wie Ägypten, China, Italien und Griechenland zurückgegeben, die aus geplünderten archäologischen Stätten stammten. Diese Zeremonien zur Rückführung von Kulturgütern sind laut Alvin Bragg mehr als nur eine formale Übergabe; sie dienen als eindringliche Erinnerung daran, dass der Schutz des kulturellen Erbes eine universelle Aufgabe ist, die über nationale Grenzen und politische Differenzen hinweg verbindet. Die Tatsache, dass selbst hochkarätige Häuser wie das Metropolitan Museum von diesen Maßnahmen betroffen sind, zeigt, wie tiefgreifend die Problematik der Raubkunst in den internationalen Kunstmarkt eingedrungen ist. Die Rückgabe an Syrien, ein Land, das durch den Krieg schwer gezeichnet ist, unterstreicht die moralische Verpflichtung, die Besitztümer eines Volkes vor der dauerhaften Entfremdung durch kriegerische Akte oder kriminelle Machenschaften zu bewahren. Es ist ein Signal an den Markt, dass die Herkunftsnachweise von Objekten aus Krisenregionen heute strenger denn je geprüft werden müssen.

Offene Fragen: Was bleibt ungeklärt?

Obwohl die Staatsanwaltschaft von Manhattan zahlreiche Details zu den 36 Objekten und deren Herkunft geliefert hat, bleiben wesentliche Fragen offen. Der Quelltext macht keine expliziten Angaben dazu, wie genau die Objekte nach der Beschlagnahmung in den USA nun physisch nach Syrien transportiert werden sollen. Angesichts der komplexen politischen Lage und der anhaltenden Sicherheitsbedenken in Syrien stellt sich die Frage, wie die langfristige Sicherheit und der Schutz der Artefakte nach ihrer Ankunft gewährleistet werden können. Zudem bleibt unklar, ob gegen das Metropolitan Museum of Art oder andere involvierte Institutionen über die bloße Herausgabe der Stücke hinaus weitere juristische Schritte eingeleitet werden oder ob es zu internen Konsequenzen in den betroffenen Museen kommt. Auch die genaue Identität der weiteren privaten Sammler, deren Stücke neben Michael Steinhardt beschlagnahmt wurden, wird im vorliegenden Bericht nicht detailliert aufgeschlüsselt. Ebenso fehlen Informationen darüber, ob weitere Objekte aus den Beständen des Metropolitan Museums derzeit noch unter dem Verdacht stehen, Raubkunst zu sein, oder ob die Aufarbeitung der 402 sichergestellten Artefakte mit der aktuellen Rückgabe an Syrien nun vollständig abgeschlossen ist.

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/usa-will-raubkunst-an-syrien-zurueckgeben-accg-201258245.html