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Mercedes verdient mehr, verkauft weniger und spart in Deutschland
Technik · 28.07.2026 11:36

Mercedes verdient mehr, verkauft weniger und spart in Deutschland

Kurz: Mercedes-Benz steigert den Gewinn trotz sinkender Verkaufszahlen. Während die Elektromobilität wächst, belasten China-Schwäche und ein harter Sparkurs die Bilan

Gewinnanstieg trotz Absatzrückgang

Mercedes-Benz hat für das zweite Quartal 2026 ein ambivalentes Ergebnis vorgelegt. Während der Umsatz des Konzerns um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro zurückging, konnte das operative Ergebnis (EBIT) um 21,5 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden. Dieser Anstieg steht jedoch im Kontrast zu einem sinkenden Pkw-Absatz, der im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,9 Prozent auf rund 417.800 Fahrzeuge fiel. Aufgrund dieser Entwicklung hat der Stuttgarter Automobilhersteller seine Prognosen für den Absatz und Umsatz im Gesamtjahr nach unten korrigiert; beide Kennzahlen werden nun voraussichtlich leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen.

Die China-Problematik als Belastungsfaktor

Ein wesentlicher Grund für den Absatzrückgang ist die schwache Performance auf dem chinesischen Markt. Dort verzeichnete Mercedes-Benz einen Einbruch von 30 Prozent. Das Unternehmen begründet dies mit einem intensiven Wettbewerbsdruck, einer verhaltenen Nachfrage sowie laufenden Modellwechseln. Die Auswirkungen auf die Bilanz waren deutlich spürbar: Wertminderungen auf chinesische Beteiligungen in Höhe von 704 Millionen Euro drückten das Ergebnis im Pkw-Segment massiv. Ohne diesen Sondereffekt hätte das EBIT in diesem Bereich bei 909 Millionen Euro gelegen, was einer bereinigten Umsatzrendite von vier Prozent entspricht.

Im Gegensatz dazu verlief die Entwicklung in anderen Regionen positiver. In Europa stieg der Absatz um vier Prozent, in den USA sogar um zehn Prozent. Ohne Berücksichtigung des chinesischen Marktes wäre der weltweite Pkw-Absatz des Konzerns um zwei Prozent gewachsen.

Aufwind durch Elektromobilität

Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung bei den batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV). Der Absatz in diesem Segment stieg um 51 Prozent auf rund 52.900 Einheiten. Besonders in Europa und Deutschland war die Nachfrage hoch, wobei sich der Auftragseingang für Elektroautos in Europa mehr als verdoppelte. Mercedes-Benz hat infolgedessen die Jahresprognose für den Anteil elektrifizierter Fahrzeuge (xEV) von 21 bis 23 Prozent auf 23 bis 25 Prozent angehoben.

Das Unternehmen setzt dabei auf eine umfassende Modelloffensive, die zwischen 2025 und 2027 mehr als 40 neue Modelle umfasst. Aktuell tragen Fahrzeuge wie der CLA und der GLB zum Absatz bei, während für die zweite Jahreshälfte hohe Auftragsvolumina für den vollelektrischen GLC erwartet werden.

Produktivitätsoffensive und Sparkurs

Parallel zur Modelloffensive treibt Mercedes-Benz einen intensiven Sparkurs voran. Unter dem Titel „Produktivitätsoffensive“ liegt ein besonderer Fokus auf den deutschen Standorten. Nachdem die Fixkosten seit 2019 bereits um 25 Prozent gesenkt wurden, wurden im zweiten Quartal 2026 weitere Einsparungen erzielt: Die Verwaltungskosten sanken um 14 Prozent, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um zwölf Prozent.

Im Rahmen des Programms „Next Level Performance“ flossen bereits rund 1,1 Milliarden Euro in Abfindungen. Während in Deutschland über eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten und den Druck auf die Belegschaft berichtet wird, investiert der Konzern gleichzeitig in kostengünstigere Standorte wie das ungarische Werk in Kecskemét. Dort liegen die Produktionskosten laut Berichten deutlich unter denen der deutschen Werke. In Deutschland haben diese Maßnahmen bereits zu Protesten in der Belegschaft geführt.

Ausblick und strategische Neuausrichtung

Für die Zukunft plant Mercedes-Benz den Ausbau assistierter Fahrfunktionen. Nach China und den USA sollen bis Ende 2026 erste deutsche Städte mit Systemen für das Fahren „von Punkt zu Punkt“ ausgestattet werden. Zudem erschließt sich der Konzern neue Geschäftsfelder: Eine Absichtserklärung mit dem Unternehmen TYTAN sieht die Entwicklung von Drohnenabwehrsystemen auf Basis der G-Klasse sowie mobiler Kommandoeinheiten auf Sprinter-Basis vor.

Trotz der Herausforderungen bleibt die finanzielle Basis stabil. Die Nettoliquidität des Industriegeschäfts belief sich zur Mitte des Jahres auf 30,4 Milliarden Euro, nachdem bereits 5 Milliarden Euro für Dividenden und Aktienrückkäufe aufgewendet wurden. Ob die Modelloffensive ausreicht, um den Abwärtstrend in China zu stoppen und die ambitionierten Renditeziele zu erreichen, bleibt angesichts von Risiken wie steigenden Zollkosten und einem verschärften Wettbewerb abzuwarten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarz-und-weiss-schwarzweiss-auto-vintage-13811264/ · Foto: Efrem Efre
Quelle: https://www.heise.de/news/Mercedes-Benz-Gewinn-steigt-Absatz-sinkt-China-Schwaeche-drueckt-Prognose-11379807.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag