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Bitkom: Immer weniger offene IT-Stellen in Deutschland
Technik · 03.09.2026 12:45

Bitkom: Immer weniger offene IT-Stellen in Deutschland

Kurz: Der IT-Fachkräftemangel in Deutschland entspannt sich deutlich: Der Bitkom verzeichnet einen massiven Rückgang offener Stellen durch den Einsatz von KI.

Ein deutlicher Rückgang bei den unbesetzten IT-Stellen

Die deutsche IT-Landschaft erlebt derzeit eine bemerkenswerte Veränderung, die sich in den jüngsten Zahlen des Branchenverbandes Bitkom widerspiegelt. Zum Stichtag des 3. September 2026 hat der Verband eine deutliche Entspannung auf dem Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte vermeldet. Während in den vergangenen Jahren regelmäßig von einem massiven Fachkräftemangel die Rede war, zeigen die aktuellen Daten eine signifikante Trendwende. Aktuell fehlen in Deutschland noch 79.000 IT-Fachkräfte. Dieser Wert markiert einen historischen Tiefstand im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren. Besonders eindrucksvoll ist der Vergleich zum Vorjahr 2025, in dem noch 109.000 Stellen nicht besetzt werden konnten. Blickt man noch ein Jahr weiter zurück, auf das Jahr 2023, wird das Ausmaß der Veränderung noch deutlicher: Damals lag die Zahl der offenen Stellen bei 149.000. Innerhalb von nur drei Jahren hat sich die Lücke auf dem IT-Arbeitsmarkt somit nahezu halbiert. Diese Entwicklung wirft ein neues Licht auf die Dynamik der Branche, die lange Zeit durch einen extremen Mangel an qualifiziertem Personal geprägt war und nun durch technologische Fortschritte und strukturelle Anpassungen in eine neue Phase eintritt.

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz bei der Stellenbesetzung

Ein entscheidender Faktor für diesen Rückgang ist der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Unternehmen. Laut den Erhebungen des Bitkom geben mehr als ein Drittel der Unternehmen – konkret 35 Prozent – an, dass KI bereits freie IT-Stellen ersetzt oder dass sie fest damit rechnen, dies in naher Zukunft zu tun. Die Technologie übernimmt dabei zunehmend Aufgaben, die bisher fest in der Hand von menschlichen Entwicklerinnen und Entwicklern lagen. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst unterstrich diese Entwicklung mit der klaren Aussage, dass KI in der Lage sei, Tätigkeiten zu übernehmen, die bislang etwa von Programmierern erledigt wurden. Dieser Prozess betrifft nicht nur einfache Aufgaben, sondern reicht tief in die Struktur der IT-Abteilungen hinein. Besonders bei der Automatisierung von Routineaufgaben in der Datenanalyse und Auswertung setzen bereits 9 Prozent der Unternehmen auf KI-Lösungen, während weitere 27 Prozent den Einsatz derzeit intensiv prüfen. Auch bei komplexeren Prozessen wie Softwaretests und Fehleranalysen nutzen 9 Prozent der Betriebe KI-Tools, und 16 Prozent der Unternehmen befinden sich in der Planungsphase für einen solchen Einsatz.

Betroffene Berufsgruppen und strukturelle Veränderungen

Der durch KI induzierte Stellenabbau oder die Nichtbesetzung von Vakanzen ist breit gefächert und betrifft verschiedene Hierarchieebenen innerhalb der IT-Abteilungen. Die Daten zeigen, dass 47 Prozent der Unternehmen, die derzeit Stellen abbauen, gezielt Positionen für erfahrene IT-Fachkräfte streichen. Dies deutet darauf hin, dass die Automatisierung auch hochqualifizierte Tätigkeitsfelder erreicht hat. Doch auch das Management ist nicht ausgenommen: In 30 Prozent der Unternehmen sind Führungskräfte im IT-Bereich von diesem Trend betroffen. Zudem spüren auch Berufseinsteiger die Auswirkungen, da in 25 Prozent der Unternehmen Stellen für diese Gruppe gestrichen werden. Die Erwartungshaltung in der Wirtschaft ist zudem hoch: 38 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass KI in Zukunft einzelne IT-Berufe und spezifische Berufsbilder weitestgehend ersetzen wird. Diese Verschiebung deutet auf einen fundamentalen Wandel in der Art und Weise hin, wie IT-Projekte in Deutschland zukünftig geplant und umgesetzt werden, wobei die menschliche Komponente zunehmend durch algorithmische Unterstützung ergänzt oder teilweise substituiert wird.

Herausforderungen bei der Besetzung verbleibender Stellen

Obwohl die Gesamtzahl der offenen Stellen gesunken ist, bleibt die Besetzung der verbleibenden Vakanzen für die Unternehmen eine enorme Herausforderung. 97 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie Schwierigkeiten haben, ihre IT-Stellen erfolgreich zu besetzen. Dies zeigt, dass der Rückgang der offenen Stellen nicht zwangsläufig mit einer verbesserten Verfügbarkeit von Fachkräften korreliert, sondern vielmehr mit einer Reduzierung des Bedarfs durch technologische Substitution zusammenhängt. Die Gründe für die Besetzungsprobleme sind vielfältig. 33 Prozent der Unternehmen berichten, dass Bewerber nicht die notwendigen Anforderungen an Kenntnisse neuester Technologien erfüllen. Ein besorgniserregender Befund ist zudem, dass 31 Prozent der Unternehmen praktisch keine Bewerbungen auf ihre offenen IT-Stellen erhalten. Neben der fachlichen Qualifikation, die bei 43 Prozent der Unternehmen als Hürde genannt wird, spielen auch Softskills eine entscheidende Rolle: 32 Prozent der Firmen beklagen hier Defizite. Zudem fehlen bei 47 Prozent der potenziellen Kandidaten ausreichende Deutschkenntnisse, was die Integration in die bestehenden Teams erschwert.

Einordnung der Bitkom-Erhebung und methodischer Hintergrund

Die von Bitkom Research im Auftrag des Branchenverbandes durchgeführte Umfrage liefert die statistische Grundlage für diese Analyse. Die Erhebung ist nach Angaben des Verbandes repräsentativ und basiert auf einer telefonischen Befragung von 853 beziehungsweise 602 Unternehmen in Deutschland, die mindestens drei Beschäftigte aufweisen. Der Zeitraum der Datenerhebung erstreckte sich von der Kalenderwoche 18 bis zur Kalenderwoche 25 des Jahres 2026. Einzuordnen ist das so: Die Daten spiegeln eine Momentaufnahme wider, die den Wandel der Arbeitswelt durch den KI-Einsatz deutlich macht. Den Berichten zufolge ist die Reduzierung der offenen Stellen nicht nur ein Zeichen für eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt, sondern ein Indikator für eine technologische Transformation. Die Unternehmen reagieren auf den Fachkräftemangel nicht mehr nur durch intensivere Suche, sondern zunehmend durch den Einsatz von KI, um die Abhängigkeit von menschlichem Personal in bestimmten Bereichen zu verringern. Dies stellt eine strategische Neuausrichtung dar, bei der Effizienzsteigerung durch Automatisierung den Vorrang vor der klassischen Personalakquise gewinnt.

Offene Fragen und zukünftige Entwicklungen

Trotz der detaillierten Zahlen des Bitkom bleiben einige Fragen unbeantwortet. Der Quelltext macht keine expliziten Angaben dazu, in welchen spezifischen Branchen der Stellenabbau am stärksten voranschreitet. Auch bleibt unklar, ob die durch KI ersetzten IT-Fachkräfte in andere Tätigkeitsfelder innerhalb der Unternehmen wechseln oder ob sie den Arbeitsmarkt verlassen. Es wird nicht erläutert, welche konkreten Maßnahmen die Unternehmen ergreifen, um die fehlenden Softskills bei Bewerbern auszugleichen oder ob interne Umschulungsprogramme eine Rolle spielen. Ebenso wenig wird thematisiert, wie sich die Qualität der IT-Ergebnisse durch den verstärkten KI-Einsatz langfristig verändert. Die Frage, ob der Trend zur Automatisierung von IT-Stellen zu einer dauerhaften Entspannung des Fachkräftemangels führt oder ob neue, noch komplexere IT-Berufsbilder entstehen werden, die wiederum neues Personal erfordern, bleibt offen. Es ist anzunehmen, dass die Unternehmen in den kommenden Monaten ihre Strategien weiter anpassen werden, um auf die veränderten Anforderungen der digitalen Transformation zu reagieren, wobei die technologische Entwicklung die Taktung vorgibt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/vintage-computer-eine-betrachtung-des-modernen-laptops-37621279/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://www.golem.de/news/bitkom-immer-weniger-offene-it-stellen-in-deutschland-2609-212601.html