Ein dunkles Kapitel der Balearen-Geschichte
Der Spanische Bürgerkrieg wird oft mit den großen Schlachtfeldern auf dem Festland assoziiert. Doch auch auf Mallorca tobten im Sommer 1936 heftige Auseinandersetzungen, die das gesellschaftliche Gefüge der Insel nachhaltig erschütterten. Am 18. Juli 1936 rief General Manuel Goded, der Militärkommandant der Balearen, den Kriegszustand aus. Während die direkten militärischen Kämpfe auf Mallorca nur etwa drei Wochen andauerten, markierte dieser Zeitraum den Beginn einer Phase extremer Repression durch faschistische Rebellen.
Der genderspezifische Blick auf den Widerstand
Der Historiker Hartmut Botsmann, der seit Jahrzehnten auf Mallorca lebt, hat sich in seinem neuen Werk „Frauen – Bürgerkrieg – Repression – Mallorca 1936“ einem bisher wenig beachteten Aspekt gewidmet: der Rolle der Frauen. Sein Ansatz ist in der Geschichtsschreibung bemerkenswert, da er gezielt den Fokus auf die kämpfenden Frauen legt. Diese Frauen begannen sich im republikanischen Spanien zu organisieren, drangen in den öffentlichen Raum vor und leisteten aktiven Widerstand gegen die faschistischen Bestrebungen.
Aufarbeitung in einem spannungsgeladenen Umfeld
Die Auseinandersetzung mit dieser Epoche ist auf Mallorca bis heute ein hochemotionales Thema. In einer Gesellschaft, in der Täter und Opfer oft in unmittelbarer Nachbarschaft lebten, prägen die Erinnerungen an die Zeit des Bürgerkriegs und die darauffolgenden Rachefeldzüge des Franco-Regimes noch immer das soziale Gedächtnis. Viele Bewohner ziehen es vor, diese dunkle Vergangenheit zu meiden. Botsmann stellt sich diesen Bestrebungen entgegen und nutzt für seine Forschung:
* Recherchen lokaler Historiker, die bisher kaum beachtet wurden.
* Feministische Beiträge zur Debatte über den Bürgerkrieg.
* Eigene Erfahrungen aus der Arbeit bei Exhumierungen von Repressionsopfern.
* Zugang zu regionalen Studien, die lange Zeit verborgen blieben.
Sprachliche Barrieren überwinden
Dank seiner fundierten Kenntnisse des Katalanischen sowie des spezifischen mallorquinischen Dialekts gelang es dem Autor, auf Quellen zuzugreifen, die Außenstehenden oft verschlossen bleiben. Dies ermöglichte ihm, familiäre Tragödien und das Schicksal einzelner Frauen in den verschiedenen Inselorten detailliert nachzuzeichnen. Das Buch würdigt den Heldenmut dieser Frauen, die unter der Last des national-katholischen Gesellschaftsmodells und der brutalen Verfolgung durch das Franco-Regime litten.
Bedeutung für die historische Forschung
Das Werk leistet einen wesentlichen Beitrag zur Würdigung der Opfer der Diktatur. Es fügt verstreute mündliche Überlieferungen und lokale Aufzeichnungen zu einer umfassenden Darstellung zusammen, die in dieser Form bisher fehlte. Angesichts der anhaltenden Relevanz des Themas in Spanien wird eine Übersetzung des Werkes ins Spanische oder Katalanische als wichtiger Schritt für den gesellschaftlichen Diskurs vor Ort erachtet. Botsmanns Arbeit fungiert somit als Mahnmal gegen das Vergessen und als wissenschaftliche Aufarbeitung einer Geschichte, die in den Familien auf Mallorca noch immer tief verwurzelt ist.