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Kulturbegleitung für Alte: Sie wollen noch am Leben teilhaben
Kultur · 29.08.2026 15:04

Kulturbegleitung für Alte: Sie wollen noch am Leben teilhaben

Kurz: Der Kölner 'KulTour Begleitungsdienst' der Malteser ermöglicht Senioren den Besuch kultureller Veranstaltungen und wirkt so der Vereinsamung im Alter entgegen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In Köln sorgt der „KulTour Begleitungsdienst“ der Malteser für eine wichtige soziale Unterstützung: Er ermöglicht älteren Menschen, die ihren Alltag nicht mehr eigenständig bewältigen können, den Besuch von kulturellen Veranstaltungen. Dabei geht es um weit mehr als bloße Freizeitgestaltung. Die Initiative, die seit fast zehn Jahren von Irmtraut Reyss geleitet wird, organisiert regelmäßige Ausflüge in Museen, Opernhäuser, Konzerte oder auch in den Zoo. Das Kernproblem, das die Initiative adressiert, ist die zunehmende soziale Isolation von Senioren, die aufgrund körperlicher Einschränkungen oder mangelnder Mobilität den Anschluss an das kulturelle Leben verlieren. Viele dieser Menschen haben über Jahrzehnte hinweg aktiv am kulturellen Leben ihrer Stadt teilgenommen, fühlen sich nun jedoch ausgeschlossen. Der Dienst fungiert dabei als notwendige Brücke, da die Hürden für Senioren – von der Ticketbuchung bis zum physischen Transport – ohne externe Unterstützung oft unüberwindbar sind. Die Initiative zeigt, dass die Teilhabe an ästhetischen und sozialen Erlebnissen ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität und Gesundheit im Alter ist, auch wenn der Dienst selbst nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Bedarfs decken kann.

Die Einzelheiten der Organisation

Die Logistik hinter dem „KulTour Begleitungsdienst“ ist beachtlich. In Köln stehen fünf Minibusse zur Verfügung, die jeweils Platz für sechs Teilnehmer bieten. Die Einladungen zu den Ausflügen erfolgen klassisch per Brief, wobei ein Farbbild auf dem Schreiben direkt vermittelt, welches Ziel angesteuert wird. Drei Tage vor dem jeweiligen Termin erfolgt ein telefonischer Anruf, bei dem die Teilnehmer über den genauen Ablauf und den Zeitpunkt der Abholung informiert werden. Ein wesentlicher Aspekt ist die behutsame Unterstützung beim Einsteigen: Die Busse verfügen über eine zusätzliche Stufe, und ehrenamtliche Fahrer sowie Begleiter kümmern sich um den Transport von Rollatoren, die im Kofferraum sicher verstaut werden müssen. Die Koordination der Abholungen ist komplex, da die Teilnehmer nacheinander eingesammelt werden, was oft eine zweistündige Rundfahrt durch das Stadtgebiet bedeutet. Irmtraut Reyss betont, dass die Teilnehmer als Gäste behandelt werden, auch wenn sie ihren Unkostenbeitrag in einem namentlich gekennzeichneten Umschlag beim Einstieg übergeben. Die soziale Komponente, etwa ein gemeinsamer Kaffee vor oder nach dem Event, ist dabei ein fester Bestandteil des Programms, um den Austausch unter den Senioren zu fördern.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Initiative in Köln blickt auf eine fast 20-jährige Geschichte zurück, wobei die aktuelle Leitung durch Irmtraut Reyss seit knapp einem Jahrzehnt besteht. Was als lokales Projekt begann, hat sich zu einem festen Bestandteil des Malteser-Angebots entwickelt. Die Entwicklung zeigt jedoch auch die Fragilität dieser Teilhabe: Viele Senioren, die jahrelang treue Teilnehmer waren, ziehen sich plötzlich zurück. Dies geschieht oft nicht aus mangelndem Interesse, sondern aufgrund von Schicksalsschlägen wie Stürzen, Verletzungen oder einer plötzlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands. Ein zentrales Problem ist, dass viele Betroffene sich nicht verabschieden, sondern schlicht nicht mehr anrufen, wenn die Einladung eintrifft. Diese „stille Abkehr“ verdeutlicht, wie sehr die Fähigkeit zur Teilnahme an der Gesellschaft von körperlicher Unversehrtheit abhängt. Während die Malteser in Köln mit einem Team von 20 Ehrenamtlichen – elf Begleiter und neun Fahrer – operieren, zeigt sich der Erfolg des Modells auch in der bundesweiten Verbreitung: In mehr als 30 Orten bieten die Malteser ähnliche Dienste an, bei denen über 360 Ehrenamtliche rund 1400 Senioren betreuen. Im vergangenen Jahr konnten so insgesamt 267 Veranstaltungen besucht werden.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Im Zentrum steht Irmtraut Reyss, die den Kölner Dienst leitet und die Herausforderungen der Arbeit mit älteren Menschen genau kennt. Sie beschreibt die Notwendigkeit, auf die besondere Empfindlichkeit der Gäste einzugehen: Viele Senioren möchten ihre körperlichen Einschränkungen – wie nachlassende Sehkraft, eingeschränkte Mobilität oder Ausdauer – für die Dauer des Ausflugs vergessen oder überspielen. Die Ehrenamtlichen müssen daher eine Mischung aus Behutsamkeit und Tatkraft an den Tag legen. Neben den Organisatoren und Fahrern sind die Teilnehmer selbst die Hauptakteure. Es handelt sich überwiegend um Frauen, da Männer in der Gruppe in letzter Zeit kaum noch vertreten sind. Die Malteser als Organisation stellen die institutionelle Basis dar, die den Rahmen für die ehrenamtliche Arbeit bietet. Sie müssen zudem mit externen Veranstaltern kommunizieren, um Barrieren abzubauen, etwa bei der Erreichbarkeit von Veranstaltungsorten oder der Gestaltung von Sitzplätzen. Die Wertschätzung der Teilnehmer zeigt sich in Rückmeldungen, wie etwa einem Weihnachtsgruß, in dem eine Kölnerin schreibt, sie fühle sich durch den Dienst „lebendiger und an der Welt interessierter“.

Einordnung der kulturellen Teilhabe

Einzuordnen ist das Angebot der Malteser als eine Antwort auf eine zunehmende Exklusion älterer Menschen. Den Berichten zufolge ist die digitale Hürde, wie die bevorzugte Ticketbuchung über das Internet, für viele Senioren eine unüberwindbare Barriere. Wer kein Smartphone besitzt oder keine E-Mail-Adresse nutzt, ist oft vom Zugang zu kulturellen Highlights ausgeschlossen. Die Malteser versuchen hier, die Geste der Einladung zu etablieren, um das Gefühl der Abhängigkeit zu mildern, das mit der Notwendigkeit einer Begleitung einhergeht. Die kulturelle Teilhabe ist dabei keineswegs als reine Unterhaltung zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine Form der Lebensqualität, die dem messbaren Gesundheitsrisiko der Vereinsamung entgegenwirkt. Das Erleben von Kunst, Musik oder Natur ist ein ästhetisches und soziales Ereignis, das den Senioren das Gefühl vermittelt, weiterhin ein Teil der Gesellschaft zu sein. Die Zahlen von 267 Veranstaltungen im Jahr wirken vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung jedoch wie ein Tropfen auf den heißen Stein, da der Bedarf an solcher Unterstützung die Kapazitäten der Ehrenamtlichen bei weitem übersteigt.

Offene Fragen und strukturelle Barrieren

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die über die Arbeit der Malteser hinausgehen. Zwar wird deutlich, dass viele kulturelle Institutionen bereits Schritte zur Barrierefreiheit unternommen haben – etwa durch frühere Vorstellungszeiten oder Kombitickets für Enkel –, doch bleibt unklar, wie eine flächendeckende Lösung für die Transportproblematik aussehen könnte. Der Text benennt konkret die Lücke zwischen dem Wunsch nach Teilhabe und den realen Hindernissen: Wie können Häuser, die baulich nicht barrierefrei sind, kurzfristig für ältere Menschen zugänglich gemacht werden, wenn etwa Geländer fehlen oder die Beleuchtung im Publikumsraum zu dunkel ist? Zudem bleibt offen, wie die „digitale Kluft“ bei der Ticketvergabe systemisch überbrückt werden kann, ohne dass dies immer auf die ehrenamtliche Unterstützung angewiesen ist. Auch die Frage nach der langfristigen Finanzierung und dem Nachwuchs an Ehrenamtlichen wird nicht explizit beantwortet, obwohl der Bedarf durch die alternde Gesellschaft stetig wächst. Die Diskrepanz zwischen der hohen Nachfrage und dem begrenzten Angebot der fünf Minibusse in Köln verdeutlicht zudem eine quantitative Lücke, die durch das ehrenamtliche Engagement allein kaum geschlossen werden kann.

Wie es weitergeht

Konkrete Termine für zukünftige Veranstaltungen werden im Text nicht genannt, da der Dienst kontinuierlich operiert. Der Prozess der Einladung und Durchführung bleibt ein fortlaufender Zyklus: Die Malteser versenden weiterhin ihre Briefe, organisieren die Fahrten und koordinieren die ehrenamtliche Unterstützung. Die Herausforderung für die Zukunft liegt in der Aufrechterhaltung dieses Angebots unter den Bedingungen einer älter werdenden Bevölkerung. Da die Teilnehmerzahlen und die Kapazitäten der Fahrzeuge begrenzt sind, bleibt die Initiative auf die Beständigkeit ihres Teams angewiesen. Es stehen keine strukturellen Änderungen oder Erweiterungen des Dienstes zur Debatte, vielmehr liegt der Fokus auf der täglichen Bewältigung der logistischen Hürden. Die Entscheidung, ob ein Teilnehmer weiterhin an den Ausflügen teilnehmen kann, hängt oft von der eigenen gesundheitlichen Entwicklung ab. Somit bleibt der „KulTour Begleitungsdienst“ ein notwendiges, aber in seinem Umfang begrenztes Projekt, das von der persönlichen Zuwendung der Ehrenamtlichen getragen wird und bei dem jeder Ausflug aufs Neue eine organisatorische Meisterleistung darstellt, um die Teilhabe der Senioren am kulturellen Leben in Köln zu sichern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kunststatte-deichtorhallen-in-hamburg-deutschland-28970306/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-kultour-begleitungsdienst-fuer-senioren-in-koeln-accg-201153883.html