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Kohei Saitos neues Buch: Dunkler Sozialismus statt grüne Utopie
Technik · 06.08.2026 14:53

Kohei Saitos neues Buch: Dunkler Sozialismus statt grüne Utopie

Kurz: Der Philosoph Kohei Saito bricht mit grünen Utopien. Sein neues Buch fordert einen Kommunismus des Verzichts, um in einer kollabierenden Welt zu überleben.

Ein radikaler Abschied von der Hoffnung

Lange Zeit galten grüne Themen als Hoffnungsträger einer politischen Bewegung, die Millionen Menschen mobilisierte. Doch angesichts von Kriegen, technologischem Wandel durch Künstliche Intelligenz und einer sich stetig verschärfenden Klimakrise hat sich der Diskurs gewandelt. Kohei Saito, ein bekannter Vordenker des Ökomarxismus, vollzieht in seinem neuesten Werk eine deutliche Abkehr von seinen früheren Forderungen nach einem bloßen Systemsturz. Er konstatiert, dass der Klimawandel bereits zu weit fortgeschritten ist, um noch von einer grünen Utopie zu sprechen.

Saitos Prognose ist düster: Die Kipppunkte des Klimas seien nahezu erreicht, eine Umkehr nicht mehr möglich. Statt auf Selbstverwirklichung und Fortschrittsglauben zu setzen, müsse sich die Menschheit auf das nackte Überleben konzentrieren. Sein Credo lautet Selbsterhaltung in einer zunehmend unwirtlichen Umwelt.

Kritik am Technokapitalismus

Saito lehnt den technologischen Optimismus, wie ihn etwa Elon Musk vertritt, entschieden ab. Er sieht darin eine Täuschung, da die Ressourcen des Planeten schwinden und das globale Bruttoinlandsprodukt zwangsläufig sinken werde. In seiner Analyse fungiert die Technik lediglich als Instrument eines „Technokapitalismus“. Diesen beschreibt er als ein Stadium, in dem der Kapitalismus seine produktive Kraft verloren habe und sich nun selbst zersetze.

Laut Saito droht eine Form des „Tech-Faschismus“, in der eine kleine Elite versucht, ihren Lebensstil durch autoritäre Maßnahmen auf Kosten der Mehrheit zu sichern. Er nutzt eine endzeitliche Sprache, um vor Hunger, Krieg und Seuchen zu warnen, die er als apokalyptische Reiter einer kommenden Hölle bezeichnet.

Kommunismus als notwendiges Übel

Im Zentrum von Saitos Überlegungen steht ein „Hypermaterialismus“. Er sieht in der modernen Trias aus Wachstum, Fortschritt und Individualismus ein auslaufendes Modell. In dieser neuen Ära soll der Kommunismus eine völlig neue Rolle einnehmen: Er ist für Saito kein Garant für ein Schlaraffenland oder überbordende Freiheiten mehr, sondern ein notwendiges Instrument zur Verwaltung des Mangels.

Die Grundpfeiler des dunklen Sozialismus

* **Verzicht als Prinzip:** Der Kommunismus soll den notwendigen Verzicht organisieren, um eine gerechte Verteilung der schwindenden Ressourcen zu gewährleisten.

* **Zentrale Planung:** Um soziale Unruhen zu vermeiden, plädiert Saito für eine zentrale Steuerung, die den Konsum einschränkt.

* **Kombination der Ebenen:** Sein Modell sieht einen „Sozialismus von oben“ vor, der durch zivilgesellschaftliche Initiativen („Kommunismus von unten“) gestützt wird.

Saito zieht hierbei Parallelen zu historischen Modellen wie dem kybernetischen Sozialismus von Allende oder dem Roten Wien. Sein Konzept erinnert zudem an den DDR-Ökomarxisten Wolfgang Harich, der bereits vor Jahrzehnten eine globale Ressourcenverteilung forderte.

Die Diktatur der Ökologie

Saitos Entwurf lässt wenig Raum für die optimistischen Öko-Visionen, die in den vergangenen Jahren populär waren. Wo andere Denker auf ein „einträchtiges Gewimmel der Arten“ oder einen „gut gelaunten Posthumanismus“ setzten, entwirft Saito das Bild einer „Diktatur der Ökologie“. Die Natur fungiert dabei als der eigentliche, unerbittliche Souverän, der den Menschen zur Anpassung zwingt.

Obwohl Saito den Anspruch erhebt, Wahrsprech zu leisten, bleibt die Frage offen, ob sein „dunkler Sozialismus“ die nötige Kraft besitzt, um Menschen zu mobilisieren. Kritiker merken an, dass ihm die religiöse oder mythische Komponente fehlt, die Hoffnung stiften könnte. Sein Werk bleibt eine Herausforderung für den Leser: Es ist eine Aufforderung, sich mit der Härte der materiellen Realität auseinanderzusetzen, ohne dabei auf den Trost einer glänzenden Zukunft hoffen zu dürfen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-die-macbook-pro-verwendet-1181373/ · Foto: Christina Morillo
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/sachbuch/kohei-saitos-neues-buch-klimakrise-macht-kommunismus-zur-ueberlebensfrage-201084212.html