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Broadcom plant neues vSphere Standard
Technik · 03.09.2026 15:22

Broadcom plant neues vSphere Standard

Kurz: Broadcom plant die Rückkehr von vSphere Standard. Nach Jahren der Vernachlässigung soll das Einstiegsprodukt für VMware-Kunden wiederbelebt werden.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Broadcom plant eine strategische Kehrtwende bei seinem Virtualisierungs-Portfolio: Das Unternehmen beabsichtigt, wieder eine neue Version von vSphere Standard auf den Markt zu bringen. Diese Nachricht wurde durch zwei hochrangige Manager der Infrastructure Software Group von Broadcom, Paul Turner und Ram Velaga, im Rahmen der VMware Explore bekannt gegeben. Die Ankündigung erfolgte jedoch abseits offizieller Kanäle, ohne begleitende Pressemitteilung, Keynote oder Blogbeitrag, was in der Branche für Aufsehen sorgte. Seit dem Jahr 2022 gab es keine substanzielle Aktualisierung für das Standard-Produkt mehr, da sich der Fokus des Konzerns nach der Übernahme von VMware fast ausschließlich auf die VMware Cloud Foundation (VCF) verlagerte. Diese Entscheidung führte dazu, dass viele Bestandskunden, darunter Mittelständler, Stadtwerke und Hochschulrechenzentren, begannen, ihre IT-Infrastrukturen zu evaluieren und Migrationsprojekte zu anderen Anbietern zu starten. Die nun angekündigte Rückkehr von vSphere Standard soll diesen Trend stoppen und eine Alternative für kleinere bis mittlere Umgebungen bieten, die den vollen Umfang der VCF-Lösungen nicht benötigen. Weitere Details zu dieser Neuausrichtung wurden für die VMware Explore on Tour in Frankfurt am 13. und 14. Oktober in Aussicht gestellt.

Die Einzelheiten der Ankündigung

Die Informationen stammen aus einem Gespräch der Manager Paul Turner, Chief Product Officer der VMware Cloud Foundation Division, und Ram Velaga, President der Infrastructure Software Group, mit dem britischen IT-Portal The Register. Während Turner für die VMware Explore in Frankfurt weitere technische Details ankündigte, nannten die Manager bereits erste Eckpunkte. So soll das neue vSphere Standard insbesondere für Umgebungen mit etwa 128 Kernen konzipiert sein. Als mögliches neues Feature wurde zudem Memory Tiering genannt. Bisher waren vSphere Standard und Enterprise Plus zwar theoretisch als Standalone-Produkte gelistet, jedoch in der Praxis auf den Stand von Version 8 Update 3 und älter eingefroren. Die neueren Funktionen von vSphere 9.0 und 9.1 blieben exklusiv den teureren Bundles wie VMware Cloud Foundation oder VMware vSphere Foundation vorbehalten. Dies soll sich nun ändern, wenngleich die genaue Ausgestaltung des Funktionsumfangs im Vergleich zu den VCF-Versionen noch nicht final definiert ist. Die Art der Kommunikation über ein Einzelinterview unterstreicht, dass es sich um eine Reaktion auf den massiven Marktdruck handelt, der durch die Vernachlässigung der Einstiegsprodukte in den vergangenen Jahren entstanden ist.

Hintergrund der Entwicklung

Die Vorgeschichte dieser Entscheidung ist eng mit der Broadcom-Übernahme von VMware verknüpft. Seit 2022 blieb vSphere Standard ohne signifikante Updates, da Broadcom eine klare Strategie verfolgte: Kunden sollten primär auf die VMware Cloud Foundation migriert werden. Ram Velaga erläuterte, dass man bewusst die Erzählung ändern wollte, wonach Workloads in die Public Cloud gehörten. Stattdessen sollte die Private Cloud als die günstigere und einfacher zu betreibende Variante positioniert werden. Ein neues Einstiegsprodukt hätte diese Botschaft aus Sicht des Managements verwässert. Paul Turner ergänzte, dass man sich zudem auf die Absicherung der VCF-Plattform konzentriert habe. Diese Strategie hatte jedoch zur Folge, dass viele Kunden sich vernachlässigt fühlten. Der Druck, den Broadcom auf seine Kunden ausübte, um sie in Richtung der komplexeren und teureren VCF-Lizenzen zu drängen, wurde von vielen Anwendern als erzwungen wahrgenommen. Die nun erfolgte Ankündigung eines neuen Standard-Produkts markiert das Ende dieser einseitigen Ausrichtung und ist ein Eingeständnis, dass die bisherige Produkt- und Portfoliostrategie den Bedarf vieler Bestandskunden am Markt schlichtweg ignoriert hat.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Die treibenden Kräfte hinter dieser Kehrtwende sind Paul Turner und Ram Velaga von Broadcom. Turner räumte dabei offen ein, dass die Vertriebsanreize für die Mitarbeiter in der Vergangenheit falsch gesetzt waren. Er gab zu, dass Sales-Mitarbeiter finanziell so incentiviert wurden, dass sie Kunden aktiv in Richtung VCF drängten, selbst wenn dies technisch nicht notwendig war. Turner kommentierte dies mit dem Satz: „We corrected this.“ Damit bestätigte er Berichte von Anwendern und Partnern, die seit 2024 von einem massiven Verkaufsdruck berichteten. Auf der Gegenseite stehen die Kunden – vom Mittelstand bis hin zu öffentlichen Einrichtungen –, die durch die bisherige Politik zur Suche nach Alternativen gezwungen wurden. Zudem agieren Konkurrenten wie Nutanix, XCP-ng und Proxmox als aktive Akteure am Markt. Besonders Proxmox hat durch die Gründung einer nordamerikanischen Tochter in Kingston und die Ausweitung des 24/7-Supports seine Position gestärkt. Turner versuchte zwar, Proxmox als weniger ausgereift darzustellen, doch die Professionalisierung des Open-Source-Projekts wird als ernsthafte Bedrohung für das VMware-Ökosystem wahrgenommen.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist die Ankündigung Broadcoms als eine notwendige Korrektur einer gescheiterten Vertriebsstrategie, die nun als Produktinnovation verkauft wird. Den Berichten zufolge haben viele Unternehmen in den letzten zwei Jahren erhebliche Ressourcen in die Evaluierung und Umstellung auf Konkurrenzprodukte investiert. Diese Investitionen in Personal, Schulungen und neue Betriebsprozesse sind bereits getätigt und lassen sich durch ein bloßes Update von vSphere Standard nicht ungeschehen machen. Der Kollateralschaden für Broadcom ist immens, da das Vertrauen vieler Bestandskunden nachhaltig erschüttert wurde. Es ist zudem bemerkenswert, dass Broadcom die Konkurrenz mittlerweile öffentlich kommentiert, was als Zeichen der Nervosität gedeutet werden kann. Während Turner die Reife von Proxmox in Frage stellt, zeigt die Marktdynamik, dass Kunden zunehmend bereit sind, auf alternative, oft kostengünstigere Lösungen umzusteigen. Die Neuausrichtung ist somit weniger ein Ausdruck von technologischer Innovation als vielmehr ein verzweifelter Versuch, die Abwanderung der Kundenbasis in einem hart umkämpften Markt zu stoppen.

Offene Fragen zur Zukunft

Obwohl die Rückkehr von vSphere Standard angekündigt wurde, bleiben für Anwender im deutschsprachigen Raum zentrale Fragen unbeantwortet. Zunächst ist unklar, wie die Preisgestaltung und die Lizenzmetrik aussehen werden. Es bleibt offen, ob die Mindestabnahme pro Host bestehen bleibt und wie sich der Preis im Vergleich zum alten Standard-Abo sowie zu VCF positionieren wird. Ein weiterer kritischer Punkt ist der Vertriebsweg: Da Broadcom einen Großteil seiner bisherigen Channel-Partner aussortiert hat, ist völlig unklar, über welche Kanäle kleine Kunden das neue Produkt überhaupt beziehen sollen. Auch der genaue Funktionsumfang bleibt vage; es ist nicht geklärt, welche Features aus vSphere 9 tatsächlich in das Standard-Bundle integriert werden und welche exklusiv bei VCF verbleiben. Schließlich fehlt eine verbindliche Roadmap. Die Kunden müssen wissen, ob es sich um ein langfristiges Commitment handelt oder ob das Produkt beim nächsten Strategiewechsel erneut jahrelang vernachlässigt wird. Ohne diese Klarheit bleibt die Ankündigung für viele Unternehmen eine Blackbox.

Wie es weitergeht

Die nächsten Schritte für Broadcom sind eng mit der VMware Explore on Tour in Frankfurt am 13. und 14. Oktober verknüpft. Dort sollen weitere Details bekannt gegeben werden, die hoffentlich Licht in die oben genannten offenen Fragen bringen. Für die Kunden bedeutet dies, dass sie bis zu diesem Termin in einer Warteschleife verharren müssen. Gleichzeitig schreitet die Professionalisierung der Konkurrenz voran; Proxmox beispielsweise weitet ab dem 19. Oktober seinen Enterprise-Support auf 24/7 aus. Broadcom steht unter dem Druck, in Frankfurt nicht nur technische Details zu liefern, sondern auch ein glaubwürdiges Versprechen für die Zukunft abzugeben. Ob das Unternehmen den verlorenen Boden gutmachen kann, hängt davon ab, ob sie die Vertriebsstrategie tatsächlich dauerhaft zugunsten einer kundenorientierten Produktstrategie ändern. Für die Kunden, die bisher bei VMware geblieben sind, ist ein Upgrade zwar oft einfacher als eine komplette Migration, doch die Skepsis gegenüber dem Anbieter, der drei Jahre lang das Gegenteil von Stabilität praktiziert hat, bleibt bestehen. Die Veranstaltung in Frankfurt wird zeigen, ob Broadcom die notwendige Verbindlichkeit liefern kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/futuristische-benutzeroberflache-auf-einem-laptop-mit-neon-tastatur-38117127/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://www.heise.de/news/Broadcom-plant-neues-vSphere-Standard-11440137.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag