News aus aller Welt
Start
?Einer von uns“ im Radio: Wie man auf den Hund kommt
Kultur · 19.09.2026 21:50

?Einer von uns“ im Radio: Wie man auf den Hund kommt

Kurz: Der neue Radio-Tatort „Einer von uns“ aus Hamm stellt die Ermittler vor ein ungewöhnliches Rätsel: Ein erschossener Spürhund führt in ein gefährliches Netz.

Was geschehen ist: Ein ungewöhnlicher Tatort in Hamm

Im Zentrum des neuen Radio-Tatorts mit dem Titel „Einer von uns“ steht ein Ereignis, das die Ermittler der Kriminalpolizei Hamm zunächst vor eine moralische und juristische Zwickmühle stellt. Am Tatort finden die Beamten einen erschossenen Hund vor. Was auf den ersten Blick wie eine bloße Sachbeschädigung wirken könnte, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein Fall von weitaus größerer Tragweite. Der getötete Vierbeiner ist kein gewöhnliches Tier, sondern Benno, der als der beste Spürhund in der weiten Umgebung bekannt war. Die Ermittler stehen vor der Frage, warum jemand einen solch wertvollen und spezialisierten Hund gezielt eliminieren sollte. Die Kommissare, die sich an der Fundstelle einfinden, wirken dabei in ihrem Auftreten zunächst wenig wie klassische Ermittler. Ihre Art der Kommunikation untereinander erinnert eher an die angespannte Atmosphäre vor einer Kneipenschlägerei als an eine professionelle Spurensicherung. Dennoch zeigt sich schnell, dass der Vorfall keineswegs als Bagatelle abgetan werden kann, sondern eine tiefgreifende Untersuchung erfordert, die weit über das übliche Maß hinausgeht. Die Ermittler müssen entscheiden, ob sie es mit einem Mordfall oder einer Sachbeschädigung zu tun haben, wobei die Umstände des Todes von Benno die gesamte Dienststelle in Atem halten.

Die Einzelheiten des Falls und die Akteure

Die Ermittlungsgruppe aus Hamm besteht aus einem Quartett, das durch seine unterschiedlichen Charaktere und Methoden besticht: Ditters, verkörpert von Christine Prayon, Latotzke, gespielt von Sönke Möhring, Lenz, dargestellt von Matthias Leja, und Scholz, der von Uwe Ochsenknecht interpretiert wird. Während Scholz als der ausgleichende Chef fungiert, der das Team trotz mancher großsprecherischer Allüren zusammenhält, übernimmt Latotzke die Aufgabe, das soziale Umfeld des verschwundenen Hundeführers Daltrup in Hamm zu durchleuchten. Ditters zeichnet sich durch ihre analytische Kombinationsgabe aus, während der clevere Lenz ein tiefes Misstrauen gegenüber der Kollegin Gülce hegt, die von Pinar Erincin gespielt wird. Gülce verhält sich während der Befragungen auffällig andeutungsreich und verschlossen, was Lenz in seiner Skepsis bestärkt. Der verschwundene Hundeführer Daltrup steht derweil im Zentrum der Gerüchteküche: Es kursieren hartnäckige Vermutungen, er sei in den Drogenhandel verwickelt und konsumiere selbst Kokain. Diese Anschuldigungen bilden einen zentralen Ankerpunkt der Ermittlungen, doch die Wahrheit hinter dem Tod von Benno erweist sich als deutlich komplexer und führt weg vom Drogenmilieu hin zu einer brisanten datentechnischen Dimension, in die Benno und sein Halter Daltrup verwickelt waren.

Hintergrund und bisheriger Verlauf der Ermittlungen

Die Vorgeschichte des Falls ist eng mit der speziellen Ausbildung von Benno verknüpft. Der Hund war nicht nur ein gewöhnlicher Spürhund, sondern wurde gezielt darauf trainiert, Datenträger aufzuspüren. Diese Fähigkeit machte ihn und seinen Halter Daltrup zu Akteuren in einer Angelegenheit, die weit über die Grenzen von Hamm hinausreicht. Dass Daltrup nach dem Tod seines Hundes plötzlich untergetaucht ist, befeuert die Spekulationen innerhalb der Polizei. Die Gerüchte über seine Verwicklung in kriminelle Drogenstrukturen dienten zunächst als Arbeitshypothese, doch die Ermittlungen zeigen bald, dass diese Vermutungen nur die Oberfläche eines viel größeren Komplotts bilden. Der Autor Dirk Schmidt hat für das Hörspiel eine Handlung entworfen, die den vermeintlich kleinen Fall um einen toten Hund in eine Geschichte über Datenkriminalität und Verschleierung verwandelt. Die routinierte Inszenierung von Martin Zylka sorgt dafür, dass sich der Fall in einer Mischung aus amüsanten Dialogen und einer zunehmend ernster werdenden Bedrohungslage entwickelt. Die Dynamik innerhalb des Ermittlerteams, das sich durch Schlagfertigkeit und eine gewisse raue Herzlichkeit auszeichnet, bildet dabei den roten Faden, der die Zuhörer durch die verschiedenen Wendungen des Geschehens führt.

Die Beteiligten und ihre Rollen im Gefüge

Die Ermittlungen werden von einem Quartett geführt, das in der deutschen Hörspiellandschaft eine besondere Stellung einnimmt. Christine Prayon als Ditters, Sönke Möhring als Latotzke, Matthias Leja als Lenz und Uwe Ochsenknecht als Scholz bilden eine Einheit, die in ihrer Art der Zusammenarbeit an die bekannten TV-Kollegen aus Münster erinnert. Sie agieren als eine Art „Loser-Provinz-Cops“, die jedoch in entscheidenden Momenten ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Pinar Erincin nimmt als Gülce eine Schlüsselrolle ein; ihre undurchsichtige Art und die Andeutungen, die sie bei der Befragung macht, lassen sie als eine Figur erscheinen, die mehr weiß, als sie preiszugeben bereit ist. Der verschwundene Daltrup bleibt als abwesende, aber präsente Figur das Zentrum der Ermittlungen. Die Interaktion zwischen diesen Charakteren ist geprägt von einer Mischung aus professionellem Misstrauen und einer gemeinsamen Front gegenüber äußeren Einflüssen. Besonders Scholz muss als Vorgesetzter immer wieder moderierend eingreifen, wenn die Spannungen im Team oder die Frustration über die undurchsichtige Beweislage überhandnehmen. Die Charaktere sind so angelegt, dass sie trotz ihrer Ecken und Kanten eine hohe Identifikationsfläche bieten und den Hörer durch die humorvolle, aber spannende Erzählweise binden.

Einordnung der Geschehnisse

Den Berichten zufolge ist das Hörspiel „Einer von uns“ als ein gelungenes Radio-Pendant zu erfolgreichen TV-Krimiformaten einzuordnen. Die Qualität des Stücks liegt vor allem in der Kombination aus einer überschaubar vertrackten Kriminalhandlung und einer sehr lebendigen Charakterzeichnung. Einzuordnen ist das Werk auch im Kontext der modernen Hörspielkultur, die verstärkt auf schlagfertige Dialoge und eine realistische, fast schon raue Sprache setzt. Die Bewertung des Stücks fällt positiv aus, da es gelingt, die Spannung über die gesamte Dauer zu halten, ohne in klischeehafte Krimimuster zu verfallen. Dass am Ende nicht der Drogenhandel, sondern eine datenbasierte Verschwörung steht, wertet den Fall auf und verleiht ihm eine aktuelle Relevanz. Die Einschätzung, dass die Ermittler „einen an der Tasse haben“, wie es Scholz im Stück formuliert, unterstreicht den humorvollen Unterton, der das Stück trotz der ernsten Thematik des Mordes an einem Tier und der kriminellen Verwicklungen leichtfüßig erscheinen lässt. Es ist ein Krimi, der durch seine Figuren lebt und das Genre des Radio-Tatorts um eine originelle Facette bereichert.

Offene Fragen und Lücken im Sachverhalt

Trotz der detaillierten Schilderungen bleiben einige Aspekte des Falls im Unklaren, die auch der Quelltext nicht explizit auflöst. Es bleibt beispielsweise offen, wo genau sich Daltrup nach seinem Verschwinden aufhält und ob er als Opfer oder als Mitwisser in die kriminellen Machenschaften verstrickt ist. Auch die genaue Natur der Daten, die Benno erschnüffeln konnte, wird nicht bis ins letzte Detail spezifiziert, was Raum für weitere Spekulationen lässt. Ebenso unklar bleibt die volle Tragweite der Rolle von Gülce; ob sie aktiv an der Verschwörung beteiligt war oder lediglich durch ihre Nähe zu Daltrup in den Fokus der Ermittlungen geriet, wird nicht abschließend geklärt. Auch die Frage, wer genau hinter dem „Finale Furioso“ steckt, bei dem es zu reichlich Geballer kommt, wird nur angedeutet. Die Identität der Gegenspieler, die die Ermittler aus Hamm so höflich wie bestimmt beiseiteschieben wollen, bleibt vage. Diese Leerstellen fordern den Hörer dazu auf, sich ein eigenes Bild über die Hintergründe der kriminellen Organisation zu machen, die hinter dem Tod des Spürhundes steht.

Wie es weitergeht und Sendehinweise

Das Hörspiel „Einer von uns“ wird im Rahmen des regulären Programms der ARD-Sender ausgestrahlt. Interessierte Hörer haben an mehreren Terminen die Gelegenheit, den Fall zu verfolgen. Die Ausstrahlung beginnt am Samstag bei WDR 5 um 17.04 Uhr, gefolgt von SWR Kultur um 19.04 Uhr und Bayern 2 um 20.03 Uhr. Am Sonntag wird das Stück zudem bei Radio 3 um 16.03 Uhr sowie bei NDR Kultur um 19.03 Uhr gesendet. Zusätzlich ist das Hörspiel über ARD Sounds verfügbar. Weitere Schritte der Ermittler im fiktiven Hamm sind nach dem Ende des Hörspiels nicht explizit angekündigt, doch das Format des Radio-Tatorts lässt offen, ob das Team um Scholz in zukünftigen Folgen erneut vor solch ungewöhnliche Herausforderungen gestellt wird. Die Hörer sind nun dazu aufgerufen, sich selbst ein Urteil über den Ausgang des Falls und die Auflösung der datentechnischen Hintergründe zu bilden, während die Ermittler nach dem „Finale Furioso“ versuchen, die Scherben ihrer Arbeit in Hamm wieder zusammenzufügen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-wahrzeichen-gebaude-architektur-25053933/ · Foto: detait
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/fernsehfilm/toter-hund-radio-tatort-einer-von-uns-in-der-ard-201240424.html