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KI und Rechenzentren: Bundesregierung weiß nicht, wieviel Wasser ihre Ausbaupläne schlucken werden
Technik · 10.08.2026 11:59

KI und Rechenzentren: Bundesregierung weiß nicht, wieviel Wasser ihre Ausbaupläne schlucken werden

Kurz: Die Bundesregierung plant den massiven Ausbau von Rechenzentren für KI, doch belastbare Daten zum Wasserverbrauch fehlen. Selbst der Bund hält sich bedeckt.

Ambitionierte Pläne ohne Datenbasis

Im globalen Wettbewerb um Künstliche Intelligenz (KI) hat sich die Bundesregierung ein klares Ziel gesetzt: Die Kapazitäten deutscher Rechenzentren sollen bis 2030 mindestens verdoppelt, im Bereich KI sogar vervierfacht werden. Digitalminister Karsten Wildberger betont die Notwendigkeit dieser Infrastruktur für die nationale Wettbewerbsfähigkeit. Doch während die politische Strategie den Ausbau vorantreibt, bleibt eine kritische Ressource weitgehend unberücksichtigt: Wasser.

Rechenzentren sind auf enorme Mengen Wasser angewiesen, insbesondere für die Kühlung der Hardware. Hinzu kommt der indirekte Verbrauch, der bei der Erzeugung des benötigten Stroms sowie bei der energieintensiven Herstellung von Chips und Grafikprozessoren anfällt. Angesichts zunehmender Hitze- und Dürreperioden, die bereits heute in Europa den Betrieb von Kraftwerken einschränken, gewinnt die Frage nach der Verfügbarkeit der Ressource Wasser massiv an Bedeutung.

Lückenhafte Überwachung und fehlende Transparenz

Die Datenlage zum tatsächlichen Verbrauch ist derzeit unzureichend. Zwar müssen Betreiber großer Rechenzentren ab einer IT-Anschlussleistung von 300 Kilowatt (kW) seit 2025 Kennzahlen an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) melden, doch die Praxis zeigt erhebliche Mängel:

* **Meldelücke:** Schätzungen zufolge gibt es rund 1.000 meldepflichtige Rechenzentren in Deutschland. Bis Juli 2026 gingen jedoch lediglich 482 Meldungen ein. Weniger als die Hälfte der Betreiber kommt ihrer Pflicht nach.

* **Unvollständige Erfassung:** Kleinere Anlagen unter 300 kW fallen nicht unter die Meldepflicht. Zudem fokussiert sich die Erfassung lediglich auf den direkten Verbrauch vor Ort, während der gesamte Lebenszyklus – inklusive Hardware-Produktion und Stromerzeugung – außen vor bleibt.

* **Wassereffizienz:** Deutschland liegt bei der Wassernutzungseffizienz (WUE-Wert) mit einem Durchschnitt von 0,49 über dem EU-weiten Schnitt von 0,4, was auf ein unterdurchschnittliches Abschneiden hindeutet.

Sicherheitsbedenken als Auskunftssperre

Besonders kritisch ist, dass selbst die Bundesregierung keine Übersicht über den Wasserverbrauch ihrer eigenen oder genutzten Rechenzentren besitzt. Auf Anfrage von netzpolitik.org verwiesen verschiedene Ministerien auf das Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund). Der zentrale IT-Dienstleister der Bundesverwaltung verweigerte jedoch die Auskunft unter Berufung auf „Sicherheitsrisiken“.

Laut ITZBund könnten Informationen über den Wasserverbrauch in Kombination mit anderen öffentlich verfügbaren Daten Rückschlüsse auf Systemarchitekturen zulassen. Dies könne das Risiko für Sabotageakte oder Angriffe durch Social Engineering erhöhen. Eine detaillierte Begründung, wie genau aggregierte Verbrauchsdaten eine konkrete Sicherheitsbedrohung darstellen, blieb die Behörde schuldig. Kritiker, darunter Informationsfreiheitsbeauftragte, warnen, dass Sicherheitsargumente zunehmend als Vorwand genutzt werden, um die Transparenz staatlichen Handelns einzuschränken.

Der Weg nach vorne: Zwischen Strategie und Realität

Die Bundesregierung setzt in ihrer Rechenzentrumsstrategie auf technologische Innovationen wie effizientere Kühlsysteme und eine stärkere Abwärmenutzung, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Zudem ist eine Novelle des Energieeffizienzgesetzes in Verhandlung, die durch Stichprobenkontrollen die Einhaltung der Meldepflichten verbessern soll. Verstöße können bereits jetzt mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den steigenden Wasserbedarf in Zeiten zunehmender Dürre zu decken, bleibt offen. Bisher spielt das Thema „Wasserstress“ – also die regionale Knappheit und Qualität von Grundwasser – in der nationalen Strategie kaum eine Rolle. Ohne eine belastbare Datengrundlage und eine transparente Kommunikation über den Ressourcenverbrauch bleibt die ökologische Verträglichkeit des massiven KI-Ausbaus in Deutschland eine offene Frage.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/retro-ms-dos-terminal-mit-tastaturbeleuchtung-37657434/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://netzpolitik.org/2026/ki-und-rechenzentren-bundesregierung-weiss-nicht-wieviel-wasser-ihre-ausbauplaene-schlucken-werden/