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Hessen und die USA: Mehr als nur Elvis Presley
Regional · 06.08.2026 16:57

Hessen und die USA: Mehr als nur Elvis Presley

Kurz: Eine neue Wanderausstellung beleuchtet die tiefgreifenden, oft unbekannten Verbindungen zwischen Hessen und den USA jenseits von Elvis Presley.

Ein Blick hinter die Kulissen der transatlantischen Geschichte

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind weit mehr als nur die bekannten Klischees von Rockstars und Söldnern. Eine neue Wanderausstellung unter dem Titel „Mehr als Hessian Mercenaries und Elvis Presley: 250 Jahre transatlantische Beziehungen Hessen - USA“ widmet sich nun den komplexen, über Jahrhunderte gewachsenen Verbindungen zwischen dem Bundesland und den Vereinigten Staaten. Anlass für das Projekt ist das 250. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

Pioniere und soziale Wegbereiter

Im Zentrum der Ausstellung stehen nicht die großen politischen Akteure, sondern Menschen, deren Lebenswege die transatlantische Geschichte prägten. Ein herausragendes Beispiel ist der Frankfurter Jurist Franz Daniel Pastorius. Im Jahr 1683 beauftragte die Frankfurter Landkompanie ihn damit, Land in Pennsylvania zu erwerben. Pastorius gründete daraufhin Germantown, die erste deutsche Stadt auf amerikanischem Boden. Doch sein Erbe geht über die reine Stadtgründung hinaus: Historiker Professor Dr. Holger Gräf hebt hervor, dass Pastorius und seine Mitstreiter bereits 1688 eine der ersten schriftlichen Petitionen gegen die Sklaverei in den Kolonien verfassten.

Ein weiteres Beispiel für den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch ist Christopher Ludwick. Der aus Gießen stammende Bäckersohn diente zunächst als Söldner, bevor er in Philadelphia eine erfolgreiche Lebkuchenbäckerei eröffnete. Ludwick erlangte nicht nur Wohlstand, sondern wurde auch ein enger Vertrauter von George Washington. Besonders bemerkenswert ist sein soziales Engagement: Er rief eine Stiftung ins Leben, die Sprachunterricht für Kinder mittelloser Migranten finanzierte – unabhängig von deren Herkunft oder Konfession.

Die Vision eines demokratischen Staates

Die Ausstellung beleuchtet zudem die Ambitionen der sogenannten Gießener Auswanderungsgesellschaft. Diese Gruppe verfolgte das Ziel, in den USA einen demokratischen, deutschen Staat zu errichten. Die Historikerin Andrea Pühringer, die maßgeblich an der Aufarbeitung dieses Kapitels beteiligt war, zieht dabei eine kritische Parallele zur Gegenwart. Sie merkt an, dass viele dieser Auswanderer angesichts der heutigen politischen Lage in den USA vermutlich enttäuscht wären.

Zwischen Tradition und aktueller Krise

Die Ausstellung besteht aus zwölf großformatigen, beleuchteten Tafeln, die insgesamt 24 Biografien und Unternehmensgeschichten präsentieren. Trotz des Anspruchs, den Fokus auf weniger bekannte Persönlichkeiten zu legen, kommen die Ikonen der deutsch-amerikanischen Geschichte nicht zu kurz. Der „King of Rock'n'Roll“, Elvis Presley, der während seiner Militärzeit in Bad Nauheim lebte, ist ebenso präsent wie die hessischen Söldner, die im Unabhängigkeitskrieg kämpften. Kurator Holger Gräf erklärt mit einem Augenzwinkern, dass diese beiden Motive als grafisches Element auf jeder Tafel im Hintergrund zu finden sind.

Die Ausstellung findet in einer Zeit statt, in der das transatlantische Verhältnis als angespannt gilt. Die aktuelle politische Lage unter Präsident Donald Trump wird von den Machern der Ausstellung als „beängstigend“ wahrgenommen. Dennoch bleibt Kurator Gräf zuversichtlich. Er verweist auf die seit 80 Jahren gewachsenen engen Beziehungen, die seiner Einschätzung nach auch die gegenwärtigen politischen Herausforderungen überdauern werden.

Stationen der Wanderausstellung

Interessierte haben die Möglichkeit, die Ausstellung noch bis zum 23. September im Institut für Stadtgeschichte im Frankfurter Karmeliterkloster zu besuchen. Im Anschluss geht die Schau auf eine Reise durch Hessen. Geplante Stationen sind unter anderem Offenbach, Hanau, Marburg, Bad Homburg, Grünberg und Darmstadt. Die Ausstellung bietet damit eine Gelegenheit, die vielschichtigen historischen Wurzeln zu erkunden, die Hessen und die USA bis heute verbinden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/ruhiger-nachmittagsspaziergang-im-frankfurter-park-28550279/ · Foto: nana
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-hessen-und-die-usa-mehr-als-nur-elvis-presley-100.html