Was geschehen ist: Die Rückkehr der Nixie-Technik
In der aktuellen Ausgabe des Make-Magazins (5/2026) präsentiert Andreas Reist ein ambitioniertes Hardware-Projekt, das die Ästhetik vergangener Jahrzehnte mit moderner Elektronik vereint. Ziel ist der Bau eines voll funktionsfähigen Retro-Taschenrechners, der sich optisch an den Vorbildern orientiert, die vor etwa 60 Jahren den Markt prägten. Der Rechner soll die mathematischen Grundoperationen beherrschen und setzt dabei auf eine visuelle Darstellung mittels Nixie-Röhren. Diese gasgefüllten Anzeigeröhren, die für ihre charakteristische orangefarbene Leuchtkraft bekannt sind, verleihen dem Gerät einen authentischen Vintage-Look. Die Entwicklung des Rechners erforderte nicht nur fundierte Kenntnisse in der Schaltungsentwicklung, sondern auch eine präzise Planung des Gehäuses, das mittels 3D-Druck realisiert wurde. Der gesamte Prozess, von der ersten Idee über das Design der Platinen bis hin zur Programmierung der Firmware, erstreckte sich über einen Zeitraum von rund einem Monat. Das Projekt dient dabei als Hommage an die frühe Ära der elektronischen Rechenmaschinen und demonstriert, wie sich klassische Komponenten in zeitgemäße DIY-Projekte integrieren lassen.
Die technischen Details und Komponenten
Für das Herzstück des Rechners, die Anzeige, wählte der Entwickler 14 sowjetische Nixie-Röhren des Typs IN-17 (ИН-17). Die Entscheidung für diesen spezifischen Röhrentyp fiel maßgeblich durch die räumlichen Begrenzungen des verwendeten 3D-Druckers. Die Breite des Druckbetts definierte, wie viele Röhren ohne ein Stückeln des Gehäuses untergebracht werden konnten. Neben der Hardware-Basis umfasst das Projekt ein Netzteil zur Bereitstellung der für Nixies notwendigen Spannungen sowie eine Ansteuerungseinheit. Der Rechner unterstützt sowohl die algebraische Eingabe als auch die RPN-Logik (Umgekehrte Polnische Notation). Ein besonderes Merkmal ist das Scroll-Verhalten der Ziffern, die von rechts nach links durch das Display wandern, wie es bei historischen Taschenrechnern üblich war. Die interne Architektur ist modular aufgebaut und besteht aus drei getrennten Platinen: einer für die eigentliche Recheneinheit, einer für die Tastaturmatrix und einer für das Display-Interface. Diese Trennung sollte ursprünglich eine hohe Flexibilität bei Designanpassungen gewährleisten.
Hintergrund und Motivation des Projekts
Die Inspiration für diesen Retro-Rechner entsprang der langjährigen Erfahrung des Autors im Umgang mit Nixie-Röhren, die er zuvor bereits erfolgreich in verschiedenen Uhrenprojekten eingesetzt hatte. Nachdem diese ersten Schritte mit der Technologie erfolgreich verlaufen waren, wuchs der Wunsch, ein komplexeres Gerät zu schaffen. Die Vorgabe war klar definiert: Es sollte ein Taschenrechner entstehen, der sich auf die mathematischen Grundfunktionen beschränkt, dabei aber die Bedienphilosophie und das Design der ersten elektronischen Tischrechner der 1960er-Jahre zitiert. Der Entwicklungsprozess war jedoch von einer steilen Lernkurve geprägt. Während die mechanische Konstruktion durch den 3D-Druck weitgehend planbar war, stellten sich bei der Umsetzung der Elektronik und der Software unerwartete Hürden in den Weg. Das Projekt entwickelte sich von einer geplanten schnellen Umsetzung zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Tücken der Hardware-Revisionen und der Firmware-Programmierung, was den Zeitrahmen deutlich ausdehnte.
Die Beteiligten und der Entwicklungsprozess
Andreas Reist zeichnet als Autor und Entwickler für das Projekt verantwortlich. Unterstützt wird das Projekt durch die Infrastruktur des Make-Magazins, das als Plattform für die Dokumentation dient. Die Entscheidungsprozesse wurden maßgeblich durch die technischen Limitationen des 3D-Druckers beeinflusst, der die Gehäusegröße vorgab. Bei der Entwicklung der Platinen stieß der Autor auf zwei signifikante Probleme, die eine Überarbeitung notwendig machten. Zunächst waren die Nixie-Röhren in der ersten Version direkt auf die Displayplatine gelötet, was jegliche Wartung oder einen Austausch bei Defekten unmöglich machte. Ein weiteres Versäumnis betraf die Tastaturplatine: Hier fehlte ein Pin-Header zum Flashen des Bootloaders, da der Entwickler fälschlicherweise davon ausging, den Bootloader vor dem Einbau auf alle Mikrocontroller zu brennen. Diese Fehler führten zur Entwicklung der Revision 1a, die diese Schwachstellen adressierte und die Wartungsfreundlichkeit sowie die Programmierbarkeit der Hardware sicherstellte.
Einordnung der technischen Herausforderungen
Einzuordnen ist das Projekt als anspruchsvolle Bastelarbeit, die weit über das bloße Zusammenstecken von Komponenten hinausgeht. Den Berichten zufolge unterschätzte der Autor insbesondere den Aufwand für die Firmware-Entwicklung. Was ursprünglich als eine Aufgabe von wenigen Stunden geschätzt wurde, weitete sich zu einer intensiven Arbeitswoche aus. Dies unterstreicht die Komplexität, die bei der Ansteuerung von Nixie-Röhren in Kombination mit einer modernen Mikrocontroller-Logik auftreten kann. Die Notwendigkeit der Revision 1a zeigt zudem, dass auch bei erfahrenen Bastlern iterative Designprozesse unverzichtbar sind. Die Entscheidung für eine modulare Platinenarchitektur war zwar konzeptionell sinnvoll, brachte jedoch durch die direkte Verlötung der Röhren in der ersten Fassung praktische Nachteile mit sich. Dass der Autor diese Fehler offen kommuniziert, macht das Projekt zu einem lehrreichen Beispiel für den DIY-Bereich, in dem Fehlversuche als integraler Bestandteil des Lernprozesses verstanden werden.
Offene Fragen zur Implementierung
Obwohl der Artikel einen detaillierten Einblick in den Entstehungsprozess gibt, bleiben einige technische Details unbeantwortet. So geht der Quelltext nicht näher auf die spezifische Wahl des Mikrocontrollers ein, der die Berechnungen und die Ansteuerung der Röhren übernimmt. Ebenso bleibt offen, welche Programmiersprache oder Entwicklungsumgebung für die Firmware genutzt wurde. Auch die genaue Schaltung des Netzteils, das die für Nixie-Röhren typischen hohen Spannungen aus einer niedrigeren Eingangsspannung generiert, wird im vorliegenden Text nicht im Detail erläutert. Zudem wird nicht explizit geklärt, wie die Tastaturmatrix genau aufgebaut ist und welche mechanischen Schalter zum Einsatz kommen, um das haptische Erlebnis der alten Rechner zu imitieren. Diese Details sind für den Nachbau essenziell, werden jedoch im Rahmen der Leseprobe nicht weiter vertieft, da sie den Umfang des Artikels sprengen würden.
Wie es weitergeht: Ausblick auf die Dokumentation
Der Artikel im Make-Magazin 5/2026 dient als umfassende Anleitung für Interessierte, die sich an den Nachbau wagen möchten. Der Autor bietet hierbei eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die von den Grundlagen der Nixie-Röhren über das Netzteil-Design bis hin zur Konfiguration der Firmware reicht. Für Leser, die das Projekt selbst umsetzen wollen, bietet der vollständige Beitrag im Magazin die notwendigen Schaltpläne und Hinweise zur Fehlervermeidung, die aus den Erfahrungen der Revision 1a gewonnen wurden. Da das Projekt als abgeschlossene Einheit betrachtet wird, sind keine weiteren Hardware-Revisionen angekündigt. Vielmehr liegt der Fokus darauf, das Wissen über die Ansteuerung dieser historischen Bauteile für eine neue Generation von Makern zugänglich zu machen. Die Dokumentation ist somit als finales Handbuch für den Bau eines funktionsfähigen, ästhetisch ansprechenden Retro-Taschenrechners zu verstehen, der die Brücke zwischen der Technikgeschichte und moderner DIY-Kultur schlägt.