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Gulbenkian-Museum: Eine grüne Kunstoase mitten in Lissabon
Kultur · 16.08.2026 19:25

Gulbenkian-Museum: Eine grüne Kunstoase mitten in Lissabon

Kurz: Nach eineinhalb Jahren Schließzeit erstrahlt das Gulbenkian-Museum in Lissabon in neuem Glanz. Eine behutsame Restaurierung führt zurück zum architektonischen K

Ein Ort der Ruhe und der Kunst

Das Museu Calouste Gulbenkian in Lissabon hat nach einer eineinhalbjährigen Schließzeit seine Pforten wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Das Museum, das inmitten einer weitläufigen, 18 Hektar großen Parkanlage liegt, gilt als eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen weltweit. Der Stifter, der armenische Ölmagnat Calouste Sarkis Gulbenkian, hinterließ ein Erbe, das heute als Gesamtkunstwerk verstanden wird. Der Park, der einen kleinen See umschließt, fungiert als grüne Oase in der portugiesischen Hauptstadt. Für die Bewohner Lissabons ist das Gelände, das nur zehn Minuten mit der Metro von der touristisch stark frequentierten Altstadt entfernt liegt, ein wichtiger Rückzugsort. Hier treffen Studenten, Familien und Berufstätige unter dem dichten Blätterdach aufeinander, wobei die Idylle lediglich durch den Fluglärm des nahegelegenen Flughafens unterbrochen wird. Die Wiedereröffnung markiert den Abschluss einer umfassenden Restaurierung, die das Ziel verfolgte, die ursprüngliche Essenz des 1969 eröffneten Gebäudekomplexes wieder freizulegen und den Dialog zwischen Architektur, Kunst und Natur zu intensivieren.

Die architektonische Rückbesinnung

Die Renovierung des Museums war ein hochspezialisiertes Unterfangen, das von der portugiesischen Architektin Teresa Nunes da Ponte und dem französischen Museumsexperten Frédéric Ladonne geleitet wurde. Ihr Ansatz war es, das Museum nicht radikal neu zu erfinden, sondern es in den Zustand seiner Eröffnung im Jahr 1969 zurückzuführen. In den vergangenen Jahrzehnten vorgenommene Modernisierungen wurden rückgängig gemacht, um die ursprüngliche architektonische Klarheit wiederherzustellen. Ein wesentlicher Teil der Arbeiten betraf die Lichtführung: Durch die Entfernung von Vorhängen und Blenden sowie die Ausstattung der bodentiefen Fenster mit speziellen Filterfolien gelangt nun wieder mehr natürliches Licht in die Säle. Auch das Dach wurde energetisch saniert, indem Solarpaneele installiert wurden. Die Architekten legten großen Wert darauf, dass die Innenräume mit dem umgebenden Park korrespondieren. So wurden im Außenbereich gezielt Bäume gepflanzt, die Schatten spenden und in ihrer Anordnung auf die Exponate im Inneren Bezug nehmen, etwa indem sie die Pflanzenwelt persischer Teppiche vor den entsprechenden Fenstern widerspiegeln.

Ein Sammler und sein Lebenswerk

Calouste Sarkis Gulbenkian, der 1869 in Istanbul geboren wurde, war ein Kosmopolit, der sein Vermögen als Ingenieur und Ölhändler machte. Sein Beiname „Mister Five Percent“ verwies auf seine Beteiligungen im Ölgeschäft. Als er 1955 verstarb, galt er als der reichste Mann der Welt. Seine Kunstsammlung, die er strategisch aufbaute, betrachtete er als seine „Kinder“ und pflegte eine emotionalere Bindung zu ihr als zu seiner eigenen Familie. Beraten wurde er von Koryphäen wie dem Archäologen Howard Carter und dem damaligen Direktor der National Gallery in London, Kenneth Clark. Gulbenkian lebte in London, Paris und Lissabon, wobei er in Lissabon während des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht vor dem deutschen Vormarsch strandete. Sein Wunsch war es, seine weltweit verstreute Sammlung unter einem einzigen Dach zu vereinen. Obwohl renommierte Institutionen in London und Washington eigene Flügel für seine Werke planten, erhielt schließlich Portugal den Zuschlag, was angesichts der damaligen Diktatur als bemerkenswert gilt.

Die Gestaltung des Museumsraums

Die Architektur des Museums, entworfen von Ruy Jervis d’Athouguia, Pedro Cid und Alberto Pessoa, zeichnet sich durch einen strengen und pragmatischen Stil aus, der in der Zeit der Salazar-Diktatur als mutig wahrgenommen wurde. Der neue Museumsdirektor Xavier Francesco Salomon betont, dass das Gebäude um die Sammlung herum konzipiert wurde, anstatt die Kunst in ein vorgefertigtes architektonisches Korsett zu zwingen. Die Materialwahl – Holz, Beton, Bronze, Stein, Leder und Seide – ist bewusst reduziert, um den Fokus vollständig auf die Exponate zu lenken. Ein Beispiel für die sanfte Renovierung ist der Austausch eines im Jahr 2000 installierten Holzbodens durch einen Schurwollteppich, der nun wieder den ursprünglichen Zustand widerspiegelt und die Akustik sowie die wohnliche Atmosphäre verbessert. Transparente Trennwände und der gezielte Einsatz von Sichtachsen zwischen den verschiedenen Abteilungen, etwa zwischen der asiatischen und der europäischen Kunst, sollen die Neugier der Besucher wachhalten und den Übergang zwischen den verschiedenen Welten fließend gestalten.

Ein Wandel der Stiftung

Die Fundação Calouste Gulbenkian hat sich in den letzten Jahren grundlegend neu ausgerichtet. Die Stiftung, die einst maßgeblich vom Ölgeschäft profitierte, hat sich von fossilen Brennstoffen distanziert und ökologische sowie soziale Nachhaltigkeit zu ihren zentralen Leitlinien erhoben. Ein Ausdruck dieses Wandels ist der „Gulbenkian-Preis für Menschlichkeit“, der mit einer Million Euro dotiert ist. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Persönlichkeiten und Organisationen wie Greta Thunberg und der Weltklimarat IPCC. Die Jury dieses Preises wird von der ehemaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel geleitet. Diese Verpflichtung stellt eine der wenigen internationalen Tätigkeiten dar, denen Merkel nach ihrer Pensionierung nachgegangen ist. Die Stiftung fungiert zudem als wichtiger Kulturträger, der ein eigenes Orchester und einen Chor unterhält. Damit setzt sie die Tradition fort, die sie bereits während der Zeit der Diktatur innehatte, als sie als Schutzraum für Künstler und Intellektuelle diente, die in einem restriktiven politischen Umfeld kaum Freiräume fanden.

Die Rolle des Centro de Arte Moderna

Neben dem historischen Museum spielt das 1983 eröffnete „Centro de Arte Moderna“ (CAM) eine zentrale Rolle auf dem Campus. Während das Gulbenkian-Museum die klassische Sammlung beherbergt, widmet sich das CAM der zeitgenössischen Kunst. Der japanische Architekt Kengo Kuma hat das Zentrum kürzlich neu interpretiert und dabei das japanische Engawa-Konzept angewandt, das eine Öffnung der Innenräume zum Park hin vorsieht. Die Architektur des CAM, die durch zwei große, mit Eschenholzplanken verkleidete Wellen besticht, stellt einen architektonischen Kontrast zum ursprünglichen Museumsgebäude dar. Direktor Salomon plant einen intensiven Dialog zwischen den beiden Institutionen, um die Synergien zwischen der historischen Sammlung und der zeitgenössischen Kunstproduktion zu nutzen. Diese Verbindung zwischen Tradition und Moderne soll Lissabon als bedeutenden Standort für Weltkultur weiter stärken und das Potenzial des Campus als Ort des Austauschs und der künstlerischen Reflexion voll ausschöpfen.

Einordnung der Bedeutung

Den Berichten zufolge ist das Gulbenkian-Museum weit mehr als eine bloße Aufbewahrungsstätte für Kunst. Es ist ein Beispiel für eine gelungene Symbiose aus privatem Sammlertum, mutiger Architektur und gesellschaftlichem Engagement. Die Entscheidung, die Sammlung in Lissabon zu belassen, hat die kulturelle Landschaft der Stadt nachhaltig geprägt. Einzuordnen ist die aktuelle Renovierung als ein Akt der Bewahrung, der die ursprüngliche Intention der Architekten und des Stifters respektiert, ohne den Anschluss an moderne ökologische Standards zu verlieren. Die internationale Wahrnehmung Lissabons als Kunstmetropole profitiert maßgeblich von der Präsenz dieser Institution. Dass die Stiftung heute eine Vorreiterrolle im Bereich der Nachhaltigkeit einnimmt, unterstreicht den Wandel von einer rein bewahrenden Institution hin zu einem aktiven Akteur im globalen Diskurs über Menschlichkeit und Klimaschutz. Die Verbindung von hochkarätiger Kunst und dem Engagement für globale Herausforderungen macht das Museum zu einem einzigartigen Ort in der europäischen Museumslandschaft.

Offene Fragen und Ausblick

Obwohl die Renovierung des Museums abgeschlossen ist, bleiben einige Aspekte der zukünftigen Entwicklung offen. Der Quelltext macht keine detaillierten Angaben dazu, wie genau der angekündigte „Museums-Dialog“ zwischen dem Gulbenkian-Museum und dem CAM in der Praxis aussehen wird. Auch bleibt unklar, welche weiteren konkreten Projekte die Stiftung im Bereich der Nachhaltigkeit plant, über die Vergabe des Gulbenkian-Preises hinaus. Die genauen Termine für die kommende Preisverleihung, bei der Angela Merkel anwesend sein wird, sind lediglich als „in wenigen Wochen“ definiert. Ebenso wenig ist spezifiziert, ob nach der erfolgreichen Renovierung des Hauptgebäudes weitere bauliche Maßnahmen auf dem Campus geplant sind. Die zukünftige Rolle der Stiftung als Akteurin in der globalen Klimapolitik wird sich in den kommenden Jahren weiter konkretisieren müssen. Dennoch ist der Weg geebnet, dass das Museum seine Position als kulturelles Zentrum Lissabons festigt und weiterhin als Anziehungspunkt für ein internationales Publikum fungiert, das sowohl an der Kunstgeschichte als auch an der modernen Ausrichtung der Stiftung interessiert ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fenster-museum-estland-touristenziel-4285173/ · Foto: Una Laurencic
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/ausstellung/besuch-im-wieder-eroeffneten-gulbenkian-museum-von-lissabon-201115585.html