Lage an der Atlantikküste stabilisiert sich teilweise
In den betroffenen Regionen Frankreichs, insbesondere nahe Bordeaux, zeichnet sich eine vorsichtige Entspannung ab. Während ein kleinerer Brand südwestlich der Stadt unter Kontrolle gebracht werden konnte, was rund 15.000 Menschen die Rückkehr in ihre Häuser ermöglichte, bleibt die Situation im größeren Brandgebiet dynamisch. Punktuelle Wiederaufflammungen zwangen die Behörden am Badeort Lacanau zu weiteren vorsorglichen Evakuierungen von etwa 4.000 Personen auf Campingplätzen und in Feriensiedlungen.
Die Zerstörungen sind erheblich: Allein in der Region Le Porge wurden schätzungsweise 150 Häuser vernichtet. Insgesamt sind seit Beginn der Krise etwa 42.000 Hektar Wald- und Buschland verbrannt – eine Fläche, die die Größe von Köln übersteigt. Mehr als 220.000 Menschen mussten in der beliebten Urlaubsregion ihre Unterkünfte verlassen.
Massive internationale Unterstützung
Um die Ausbreitung der Flammen zu stoppen, haben die französischen Behörden ein gewaltiges Aufgebot mobilisiert. Neben 2.750 Feuerwehrleuten aus dem gesamten Land sind 1.500 Soldaten und 1.440 Polizeikräfte im Einsatz. Unterstützt werden sie von 18 Löschflugzeugen. Auch internationale Hilfe ist eingetroffen: Deutschland entsandte zwei Transporthubschrauber sowie ein A400M-Transportflugzeug. Zudem ist die Unterstützung durch weitere Löschflugzeuge aus Sachsen-Anhalt geplant.
Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die aktuelle Krise als die schwerste Waldbrandsituation des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg und betonte den festen Willen der Regierung, die Kontrolle über die Feuer zurückzugewinnen.
Spanien: Größte Brandkatastrophe seit 1968
Auch auf der iberischen Halbinsel kämpfen die Behörden gegen acht größere Waldbrände. Besonders betroffen sind die Provinz Ávila sowie die Regionen um Madrid und Toledo. In Ávila wurde eine Fläche von knapp 500 Quadratkilometern zerstört – das entspricht nahezu der Größe des Bodensees und markiert das größte Feuer seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen im Jahr 1968.
Dennoch gibt es Anzeichen für eine Entspannung. Das spanische Innenministerium konnte die Schutzmaßnahmen für 13 Ortschaften lockern und Ausgangsbeschränkungen in vier weiteren Gebieten aufheben. Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte sich vorsichtig optimistisch, mahnte jedoch gleichzeitig zur Wachsamkeit und forderte einen parteiübergreifenden Klimapakt. Er betonte, dass die Leugnung des menschengemachten Klimawandels die Situation weiter verschärfe.
Wettlauf gegen die nächste Hitzewelle
Die kommenden Tage entscheiden über den weiteren Verlauf der Löscharbeiten. Sowohl in Frankreich als auch in Spanien warnen Meteorologen vor einer neuen Hitzewelle. Für Spanien prognostiziert der Wetterdienst AEMET ab Mittwoch Temperaturen von bis zu 42 Grad und eine sinkende Luftfeuchtigkeit. Diese Bedingungen könnten die Arbeit der Einsatzkräfte massiv erschweren und das Risiko für erneute Brandausbreitungen erhöhen.
Auch in Portugal ist die Lage angespannt, wenngleich die dortigen Brände derzeit ein geringeres Ausmaß als in den Nachbarländern aufweisen. Rund 1.000 Einsatzkräfte sind dort aktuell mit der Brandbekämpfung befasst. Die Behörden in der gesamten Region bleiben aufgrund der instabilen Wetterlage in höchster Alarmbereitschaft.