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Filmfestival Locarno: Als in Hollywood die Zeit der Schurken begann
Kultur · 04.08.2026 17:33

Filmfestival Locarno: Als in Hollywood die Zeit der Schurken begann

Kurz: Das Filmfestival in Locarno beleuchtet mit einer Retrospektive die dunkle Ära der schwarzen Listen in Hollywood während der McCarthy-Ära.

Eine Ära der Angst: Die schwarze Liste in Hollywood

Das Filmfestival von Locarno widmet sich in einer umfassenden Retrospektive einem der dunkelsten und turbulentesten Kapitel der amerikanischen Filmgeschichte. Unter dem Titel „Red & Black – Hollywood Left and the Blacklist“ beleuchtet das Festival die Zeit, in der das „Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Betätigung“ (HUAC) Filmschaffende ins Visier nahm. Die Ära, die von der Schriftstellerin Lillian Hellman treffend als „Zeit der Schurken“ bezeichnet wurde, begann im Oktober 1947 und war geprägt von Schauprozessen, Denunziation und einer Atmosphäre des Misstrauens.

Die Hexenjagd und ihre Folgen

Im Mittelpunkt der Verfolgung stand die Frage: „Sind Sie oder waren Sie Mitglied der Kommunistischen Partei?“ Diese inquisitorische Vorgehensweise zielte darauf ab, vermeintliche Feinde der amerikanischen Demokratie zu identifizieren. Senator Joseph Raymond McCarthy sowie die Ausschussvorsitzenden John E. Rankin und J. Parnell Thomas setzten dabei auf eine aggressive Rhetorik. Wer sich weigerte, Auskunft über seine politische Gesinnung zu geben, riskierte Haftstrafen und Geldstrafen wegen Beleidigung des Ausschusses.

Die „Hollywood Ten“ – eine Gruppe von zehn Autoren und Regisseuren, darunter Dalton Trumbo, Herbert Biberman und Edward Dmytryk – wurden zu den prominentesten Opfern dieser Kampagne. Die erhoffte Solidarität der Branche blieb jedoch aus. Aus Angst vor finanziellen Einbußen und Repressalien distanzierten sich Produzenten von den Betroffenen. In der Folge wurden zahlreiche Filmschaffende entlassen, mussten unter Pseudonymen arbeiten oder ins Ausland emigrieren, wie etwa Jules Dassin und Joseph Losey.

Ein kreativer Aderlass für die Traumfabrik

Der Verlust an Talenten war für Hollywood immens und nachhaltig. Die Vorstellung einer unbeschwerten Traumfabrik erlitt einen schweren Schlag, als die politische Hysterie die Branche erfasste. Besonders bitter war dabei das Verhalten von Filmschaffenden wie Elia Kazan und Edward Dmytryk, die sich zu ihrer linken Vergangenheit bekannten und Kollegen denunzierten, um sich selbst zu retten. Diese Vorfälle hinterließen tiefe zwischenmenschliche Narben.

Filmische Zeugnisse einer unruhigen Zeit

Kurator Ehsan Khoshbakht hat für die Retrospektive in Locarno über 40 Werke ausgewählt, die ein breites Spektrum abdecken – von bekannten Klassikern bis hin zu selten gezeigten Filmen. Die Auswahl verdeutlicht, dass die betroffenen Regisseure und Autoren keineswegs bloße Propaganda betrieben, sondern sich kritisch mit der amerikanischen Realität auseinandersetzten, ohne dabei den Glauben an die demokratischen Grundwerte aufzugeben.

Zu den gezeigten Werken gehören:

* **Shakedown (1950):** Ein Film noir über den Missbrauch von Macht und skrupelloses Erfolgsstreben im Journalismus.

* **The Sound of Fury (1950):** Ein Meisterwerk von Cy Endfield, das soziale Klassenunterschiede und Neid thematisiert.

* **The Prowler (1951):** Ein beklemmender Kriminalfilm von Joseph Losey, der die psychologische Abgründigkeit menschlichen Handelns auslotet.

Aktuelle Brisanz und historische Parallelen

Die Festivalleitung in Locarno betont, dass die Thematik der schwarzen Listen keineswegs nur historisches Interesse weckt. Die Angriffe auf die künstlerische Freiheit und die freie Meinungsäußerung werden als beklemmend aktuell wahrgenommen. Beobachter ziehen Parallelen zur heutigen politischen Rhetorik in den USA, in der Begriffe wie „Kommunisten“ erneut zur Diskreditierung politischer Gegner genutzt werden. Die Wiederkehr einer Sprache, die an die McCarthy-Ära erinnert, lässt die alten Wunden in der amerikanischen Gesellschaft wieder aufbrechen.

Die Retrospektive bietet neben den Filmvorführungen auch einen begleitenden Podcast sowie eine englischsprachige Publikation an, die tiefere Einblicke in dieses Kapitel der Filmgeschichte gewähren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/charmante-baseler-architektur-am-fluss-im-sommer-31716405/ · Foto: Ramon Karolan
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/retrospektive-in-locarno-hollywood-waehrend-der-kommunistenjagd-201090626.html