Ein historischer Börsenauftakt in China
Der chinesische Halbleitersektor hat ein bemerkenswertes Signal gesetzt: Der Speicherhersteller CXMT hat einen Börsengang vollzogen, der selbst optimistische Prognosen in den Schatten stellt. Bereits am ersten Handelstag verzeichnete die Aktie ein Plus von 466 Prozent. Dieser massive Zuwachs markiert den bedeutendsten Börsengang innerhalb der Volksrepublik seit dem Jahr 2010.
Die Begeisterung der Investoren war so groß, dass das Unternehmen kurzzeitig sogar den Tech-Giganten Tencent als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Chinas ablöste. Mit einer aktuellen Bewertung von rund 3,7 Billionen Yuan – umgerechnet etwa 480 Milliarden Euro – hat sich CXMT schlagartig in die erste Reihe der globalen Tech-Player katapultiert.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Der Erfolg an der Börse kam für viele Marktbeobachter überraschend. Dennoch deuten Experten des japanischen Finanzdienstleisters Nomura Holdings auf weiteres Potenzial hin. Mit einem ausgegebenen Kursziel von 116 Yuan, verglichen mit einem Ausgabepreis von 8,66 Yuan, bleibt die Stimmung optimistisch. Ein wesentlicher Treiber für diese Einschätzung ist die Erwartung, dass die CXMT-Aktie in absehbarer Zeit in wichtige Indexfonds aufgenommen wird, was den institutionellen Kaufdruck weiter erhöhen dürfte.
Sollte das Kursziel von Nomura erreicht werden, würde die Marktkapitalisierung auf etwa 8,76 Billionen Yuan (rund 1,14 Billionen Euro) ansteigen. Damit würde das Unternehmen rechnerisch den US-Konkurrenten Micron überholen, der aktuell mit etwa 914 Milliarden Euro bewertet wird.
Umsatz und Marge im Branchenvergleich
Trotz der euphorischen Bewertung mahnen Analysten zur Differenzierung zwischen Marktwert und operativer Leistung. Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete CXMT einen Umsatz von 50,8 Milliarden Yuan (6,6 Milliarden Euro). Im Vergleich dazu erzielte Micron im gleichen Zeitraum einen Umsatz von 18,8 Milliarden US-Dollar (ca. 16,5 Milliarden Euro) allein im DRAM-Segment. Zudem weist CXMT derzeit eine geringere Marge auf, was die Frage aufwirft, ob die aktuelle Bewertung fundamental bereits vollständig gedeckt ist.
Strategische Expansion und Kapazitätsausbau
Das durch den Börsengang eingenommene Kapital in Höhe von 58 Milliarden Yuan (rund 7,5 Milliarden Euro) ist fest verplant. CXMT beabsichtigt, diese Mittel gezielt in den Ausbau der Fertigungskapazitäten sowie in die Forschung und Entwicklung zu investieren. Das Ziel ist ambitioniert: Bis Ende 2026 soll die Produktion auf 350.000 Wafer Starts pro Monat (Wpm) gesteigert werden.
Damit würde der Abstand zum weltweit drittgrößten Speicherhersteller Micron, der aktuell auf 385.000 Wpm kommt, auf unter zehn Prozent schrumpfen. Allerdings bleibt der Wettbewerb dynamisch, da auch Micron seine Kapazitäten kontinuierlich erweitert.
Wettbewerbsumfeld und technologische Herausforderungen
Der chinesische Markt für Speicherchips befindet sich in einer Phase intensiver Konsolidierung und Expansion. Neben CXMT drängen weitere Akteure in den Bereich der DRAM-Fertigung. So plant der Flash-Speicher-Spezialist YMTC den Einstieg in dieses Segment. Zudem gibt es Berichte über Bestrebungen von Huawei, eine eigene Produktion für High Bandwidth Memory (HBM) aufzubauen.
Der Hintergrund für diese Bemühungen ist die verschärfte geopolitische Lage: Die USA haben den Export von HBM-Technologie in die Volksrepublik Ende 2025 weitgehend untersagt. Obwohl auch CXMT bereits HBM produziert, scheint die Kapazität derzeit nicht auszureichen, um den massiven Bedarf von Huawei für KI-Beschleuniger wie den Ascend 950 (g+) vollständig zu decken. Die kommenden Monate werden zeigen, ob CXMT durch die frischen Investitionen in der Lage ist, diese technologische Lücke zu schließen und sich als ernsthafte Alternative zu westlichen Speicherherstellern zu etablieren.