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IFA: Xiaomi auf der IFA 2026: Die Allesmacher aus China
Technik · 03.09.2026 11:35

IFA: Xiaomi auf der IFA 2026: Die Allesmacher aus China

Kurz: Xiaomi feiert auf der IFA 2026 eine Premiere mit einem riesigen Messestand, präsentiert E-Autos und zeigt das neue Falt-Smartphone 18 Fold hinter Glas.

Ein neuer Gigant auf dem Berliner Messegelände

Die Internationale Funkausstellung (IFA) 2026 in Berlin verzeichnet in diesem Jahr eine signifikante Veränderung in ihrer Ausstellerlandschaft. Der chinesische Elektronikriese Xiaomi ist erstmals mit einem beeindruckenden, über 3300 Quadratmeter umfassenden Messestand auf dem Berliner Messegelände vertreten. Diese Präsenz markiert einen Wendepunkt für die Messe, die in diesem Jahr einen prominenten Abgang kompensieren muss. Xiaomi nutzt die Gelegenheit, um seine enorme Produktvielfalt einem breiten Publikum vorzustellen. Dabei setzt das Unternehmen auf eine Strategie der umfassenden Vernetzung und zeigt, dass es weit mehr als nur ein Smartphone-Hersteller ist. Die Besucher finden in Halle 6.2 eine nahezu vollständige Palette an Technikprodukten vor, die den Alltag in vielen Bereichen abdecken sollen. Dass ein Unternehmen dieser Größenordnung den Weg nach Berlin findet und dort derart massiv auftritt, unterstreicht die anhaltende Bedeutung der IFA als globale Bühne für Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte. Die schiere Masse an ausgestellten Exponaten verdeutlicht den Anspruch Xiaomis, als einer der führenden Technologiekonzerne weltweit wahrgenommen zu werden.

Das Portfolio: Von der Küche bis zur Straße

Das Spektrum der ausgestellten Produkte ist beeindruckend breit gefächert. Neben den klassischen Mobilgeräten wie Smartphones, Tablets und Wearables, die von den Besuchern direkt vor Ort ausprobiert werden können, liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem Bereich der Haushaltsgeräte. Dazu gehören unter anderem Airfryer, Waschmaschinen, Klimaanlagen, Kühlschränke sowie verschiedene Staubsauger und Saugroboter. Ein Highlight, das besonders die Aufmerksamkeit der Fachbesucher auf sich zieht, ist das Engagement des Unternehmens im Bereich der Elektromobilität. Xiaomi präsentiert stolz seine Automodelle, darunter den SU7 Ultra und den SU7 Max. Auch das Konzeptfahrzeug Vision Gran Turismo, das bereits im Frühjahr auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona für Aufsehen sorgte, hat auf dem Berliner Stand einen prominenten Platz erhalten. Die Zahlen aus dem Heimatmarkt China sind dabei beachtlich: Dort konnte das Unternehmen bereits rund 700.000 Fahrzeuge absetzen. Die Strategie ist klar erkennbar: Xiaomi möchte sich als ganzheitlicher Anbieter positionieren, der vom Smartphone bis zum eigenen Elektroauto das gesamte Ökosystem eines modernen Lebensstils abdeckt.

Die Hardware-Neuheit hinter Glas

Obwohl der Messestand mit hunderten Produkten bestückt ist, hält sich Xiaomi bei echten, bisher unbekannten Messeneuheiten eher zurück. Eine der wenigen Ausnahmen stellt das neue Falt-Smartphone 18 Fold dar. Allerdings ist dieses Gerät für die Besucher lediglich hinter einer Glasvitrine zu betrachten. Das Smartphone orientiert sich in seinem Formfaktor am Samsung Galaxy Z Fold8 und verfügt über ein breites Display. Technisch ist das Gerät besonders interessant, da es mit dem hauseigenen High-End-SoC namens Xring O3 ausgestattet ist. Dieser Zehnkernprozessor soll leistungstechnisch auf Augenhöhe mit den aktuellen Spitzenchips von Branchengrößen wie Apple, Qualcomm, MediaTek und Samsung agieren. Durch die Entwicklung eigener Prozessoren strebt Xiaomi eine größere Unabhängigkeit von externen Zulieferern an. Das Design des 18 Fold zeigt auf der Rückseite eine Triple-Kamera, die in einem horizontalen Balken integriert ist. Auffällig sind zudem die relativ breiten Rahmen um das Hauptdisplay, was das Gerät optisch eher in die Nähe des Google Pixel 11 Pro Fold rückt als an die filigraneren Foldables von Samsung.

Die Verschiebung der Machtverhältnisse

Die Präsenz von Xiaomi auf der IFA 2026 ist untrennbar mit dem Rückzug von Samsung verbunden. Der koreanische Elektronikriese, der über Jahre hinweg den City Cube mit einer riesigen Ausstellungsfläche dominierte, hat seinen großen Publikumsstand auf dem Messegelände aufgegeben. Zwar ist Samsung nicht komplett von der IFA verschwunden – der Konzern bleibt mit dem sogenannten Creator Hub offiziell vertreten –, doch findet die eigentliche Produktpräsentation nun an einem anderen Ort statt. Samsung hat sich in der Berliner Stadtmitte im Humboldt Carré einquartiert. Diese Entscheidung hat jedoch eine wichtige Einschränkung: Die dort gezeigten Produkte richten sich nicht an Endkunden, sondern konzentrieren sich ausschließlich auf B2B-Kunden und Fachbesucher. Diese räumliche Trennung markiert einen strategischen Wandel. Während Xiaomi die Gunst der Stunde nutzt, um sich als neuer Publikumsmagnet auf dem Messegelände zu etablieren, scheint Samsung den Fokus stärker auf exklusive Geschäftskontakte abseits des Trubels der Messehallen zu verlagern. Dies verändert die Dynamik der IFA spürbar.

Einordnung der Strategie

Einzuordnen ist das Auftreten von Xiaomi als eine gezielte Machtdemonstration. Den Berichten zufolge möchte das Unternehmen seine Ambitionen auf dem europäischen Markt untermauern. Dass Xiaomi den Start seiner E-Autos in Deutschland für das kommende Jahr angekündigt hat, ist ein zentraler Bestandteil dieser Expansionsstrategie. Die Präsentation der Fahrzeugmodelle auf der IFA dient dabei als Vorbereitung für den hiesigen Markt. Auch die Entwicklung des eigenen Prozessors Xring O3 ist ein strategisch wichtiger Schritt, um die Abhängigkeit von globalen Chip-Lieferketten zu verringern und die eigene technologische Souveränität zu stärken. Die Wahl des Zeitpunkts für die Vorstellung des 18 Fold scheint zudem kein Zufall zu sein. Es ist davon auszugehen, dass Xiaomi Apple zuvorkommen möchte, das für den 9. September die Präsentation seiner neuen iPhones und voraussichtlich auch eines eigenen Foldables angekündigt hat. Xiaomi positioniert sich somit als Herausforderer, der technologisch auf Augenhöhe mit den etablierten Marktführern agieren will, während er gleichzeitig durch die Breite seines Portfolios eine All-in-One-Lösung für den modernen Haushalt anbietet.

Offene Fragen und kommende Schritte

Trotz der beeindruckenden Präsentation bleiben einige Fragen unbeantwortet. Xiaomi hat sich bisher mit detaillierten technischen Spezifikationen zum neuen 18 Fold zurückgehalten. Es ist unklar, wann genau das Gerät für Endkunden verfügbar sein wird und zu welchem Preis es in den Handel kommt. Ebenso bleibt abzuwarten, wie sich der Start der E-Autos in Deutschland konkret gestalten wird und welche Modelle zuerst auf den Markt kommen sollen. Da das 18 Fold derzeit nur hinter Glas zu sehen ist, konnten bisher keine praktischen Tests zur Performance des Xring O3-Prozessors oder zur Alltagstauglichkeit des Faltmechanismus durchgeführt werden. Es ist jedoch zu erwarten, dass Xiaomi in den kommenden Tagen weitere Details nachreichen wird, um die Aufmerksamkeit der Fachwelt aufrechtzuerhalten. Die IFA 2026 dient hierbei als Startschuss für eine Phase, in der das Unternehmen beweisen muss, dass es nicht nur durch Masse, sondern auch durch die Qualität und Verfügbarkeit seiner High-End-Produkte auf dem hart umkämpften deutschen Markt bestehen kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/bunte-laptop-nahaufnahme-13987250/ · Foto: Dimitris Chatzoulis
Quelle: https://www.heise.de/news/Xiaomi-auf-der-IFA-2026-Die-Allesmacher-aus-China-11439603.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag