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Betrugsverdacht bei Aufnahmeprüfung: KI-Überwachung versagt bei Test an Universität
Technik · 04.08.2026 08:31

Betrugsverdacht bei Aufnahmeprüfung: KI-Überwachung versagt bei Test an Universität

Kurz: Nach massiven Unregelmäßigkeiten bei Online-Aufnahmeprüfungen an der UNAM müssen 58.000 Bewerber erneut antreten. KI-Überwachung konnte Betrug nicht verhindern.

Massenhafte Wiederholungsprüfung nach Betrugsverdacht

Die Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) sieht sich mit einem schwerwiegenden Vorfall bei ihrem jüngsten Aufnahmeverfahren konfrontiert. Nachdem die Prüfungen zwischen Ende Mai und Anfang Juni erstmals vollständig online durchgeführt wurden, haben die Ergebnisse eine Welle der Skepsis ausgelöst. Rund 58.000 Bewerber sind nun dazu verpflichtet, ihre Eignungsprüfung in einer Präsenzveranstaltung zu wiederholen, um die Integrität des Auswahlprozesses zu gewährleisten.

Statistische Auffälligkeiten als Indikator

Der Entscheidung vorausgegangen war eine Analyse der Prüfungsergebnisse, die signifikant von den Werten der Vorjahre abwichen. Während im Zeitraum von 2021 bis 2025 lediglich 3,5 Prozent der Teilnehmer 100 oder mehr Punkte in dem 120 Fragen umfassenden Multiple-Choice-Test erzielten, lag dieser Anteil im aktuellen Durchgang bei 16,3 Prozent. Noch drastischer stellt sich die Situation bei den Spitzenergebnissen dar: Erreichten zuvor nur 0,9 Prozent der Prüflinge 110 oder mehr Punkte, kletterte dieser Wert nun auf 5,5 Prozent.

Der Rektor der Universität äußerte sich entschuldigend gegenüber denjenigen Bewerbern, die den Test redlich absolviert haben. Dennoch betonte die Hochschulleitung, dass die Durchführung einer Kontrollprüfung unumgänglich sei, um die Chancengleichheit für alle Studienanwärter zu wahren.

Versagen der technischen Sicherheitsvorkehrungen

Die Universität hatte für die Online-Prüfung ein mehrstufiges Sicherheitssystem implementiert. Zum Einsatz kamen der Lockdown-Browser von Respondus, der den Zugriff auf externe Anwendungen, Webseiten sowie Kopier- und Druckfunktionen unterbindet, sowie die KI-Plattform EdTest.ia von Territorium Life. Letztere sollte mittels Webcams und Algorithmen auffälliges Verhalten wie die Nutzung von Mobiltelefonen, Ohrhörern oder das Verlassen des Sichtfeldes erkennen. Zusätzlich wurde pro 150 Prüflinge eine menschliche Aufsichtsperson eingesetzt.

Obwohl durch diese Maßnahmen rund zwei Prozent der Tests aufgrund von Fehlverhalten annulliert wurden, erwies sich das System insgesamt als unzureichend. Der KI-Experte Raul Rojas schätzt auf Basis statistischer Modelle, dass nahezu die Hälfte der Teilnehmer bei der Online-Prüfung getäuscht haben könnte.

Methoden der Täuschung

Berichten zufolge kursierten bereits im Vorfeld der Prüfung Tipps in Online-Netzwerken, wie die Überwachungssysteme gezielt umgangen werden können. Zu den genannten Methoden zählten:

* Die Platzierung von Monitoren außerhalb des Kamerabereichs, um externe Unterstützung, etwa durch ChatGPT, nutzen zu können.

* Das Verstecken von Ohrhörern unter dem Haar, um Hinweise von Dritten zu erhalten.

* Die Beauftragung externer Personen, die den Test anstelle der Bewerber absolvierten.

Da es sich bei den Prüfungsaufgaben ausschließlich um Multiple-Choice-Fragen handelte, konnten klassische Indikatoren wie KI-generierte Textmuster nicht zur Identifizierung der Betrugsversuche herangezogen werden.

Konsequenzen und Ausblick

Auf Empfehlung einer Expertenkommission der UNAM wurde die Präsenzprüfung als obligatorischer Schritt festgelegt. Diese Regelung betrifft nicht nur alle Personen, die in diesem Jahr einen Studienplatz erhalten haben, sondern auch jene, die seit 2021 die erforderliche Mindestpunktzahl in den Prüfungen erreichten. Die Maßnahme verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen Bildungseinrichtungen bei der Umstellung auf digitale Prüfungsformate stehen, wenn Sicherheitsmechanismen mit der Kreativität der Täuschungsversuche nicht Schritt halten können.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/studentenprotest-am-jantar-mantar-neu-delhi-38727112/ · Foto: Shantum Singh
Quelle: https://www.golem.de/news/betrugsverdacht-bei-aufnahmepruefung-ki-ueberwachung-versagt-bei-test-an-der-universitaet-2608-211562.html