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neuer job: Was macht Baerbock an der Columbia-Universität?
Kultur · 26.08.2026 20:25

neuer job: Was macht Baerbock an der Columbia-Universität?

Kurz: Annalena Baerbock übernimmt eine Professur an der Columbia-Universität in New York. Was hinter dem Titel steckt und warum die Kritik in Deutschland irrt.

Was geschehen ist: Ein neuer beruflicher Lebensabschnitt in New York

Die ehemalige deutsche Außenministerin und Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, schlägt nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik ein neues Kapitel an der renommierten Columbia-Universität in New York auf. Ab dem kommenden Herbst wird sie dort als „Professor of Professional Practice“ an der School of International and Public Affairs (SIPA) tätig sein. Diese Nachricht hat in Deutschland für einiges Aufsehen gesorgt, wobei die Reaktionen teilweise von Unverständnis geprägt waren. Während hierzulande kritische Fragen zur akademischen Qualifikation gestellt wurden, stellt sich die Situation aus der Perspektive des amerikanischen Hochschulsystems deutlich nüchterner dar. Es handelt sich keineswegs um den Beginn einer klassischen wissenschaftlichen Karriere als Politikwissenschaftlerin, sondern um eine spezifische Form der Lehrtätigkeit, die in den USA für erfahrene Führungskräfte aus der Praxis vorgesehen ist. Baerbock wird ihre umfangreiche Erfahrung aus ihren Jahren als Bundestagsabgeordnete, Parteivorsitzende, Außenministerin und UN-Funktionärin in den akademischen Betrieb einbringen, um Studierenden praxisnahe Einblicke in politische Entscheidungsprozesse zu vermitteln. Die Berufung fügt sich nahtlos in die bestehende Struktur der SIPA ein, die regelmäßig hochrangige Akteure aus Diplomatie und Politik für solche Lehraufträge gewinnt.

Die Einzelheiten: Aufgaben und akademische Einordnung

Annalena Baerbock übernimmt an der SIPA zwei zentrale Rollen. Zum einen wird sie als „Professor of Professional Practice“ drei Kurse in ihren spezifischen Fachgebieten unterrichten. Zum anderen fungiert sie als Ko-Direktorin des „Master of Public Administration in Global Leadership“. Bei diesem Programm handelt es sich um eine zehnmonatige Ausbildung, die sich gezielt an Führungskräfte richtet. Die Columbia-Universität unterscheidet bei diesen Stellen strikt zwischen klassischen Forschungsprofessuren und den sogenannten „Practice“-Professuren. Letztere sind zwar reguläre Vollzeitstellen, jedoch keine Tenure-Track-Professuren. Das bedeutet, dass nicht die wissenschaftliche Publikationsleistung oder eine Promotion im Vordergrund steht, sondern die berufliche Expertise. Die Hochschule rekrutiert für diese Positionen gezielt Persönlichkeiten aus Journalismus, Architektur, Ingenieurwesen sowie aus Regierungen und internationalen Organisationen. Baerbocks akademischer Hintergrund, etwa ihr Master in Public International Law von der London School of Economics, ist für diese spezifische Berufung zweitrangig. Entscheidend ist ihre Vita als politische Entscheidungsträgerin. Die Universität sieht in ihr eine Expertin, die vermitteln kann, wie politische Prozesse in der Realität funktionieren – ein Wissen, das durch rein akademische Laufbahnen oft nicht abgedeckt wird. Die Ankündigung der Hochschule erfolgte dabei betont unspektakulär: Baerbock wurde in einer Übersicht neuer Praxisprofessoren gelistet, ohne dass eine gesonderte, große Pressekampagne gestartet wurde.

Hintergrund: Das System der Praxis-Professuren an US-Eliteuniversitäten

Das Modell, das die Columbia-Universität anwendet, ist an amerikanischen Eliteuniversitäten weit verbreitet und keineswegs eine Ausnahmeerscheinung für Annalena Baerbock. Es basiert auf dem Prinzip, dass Studierende von Menschen lernen sollen, die über langjährige praktische Führungserfahrung verfügen. Diese Praxis-Professoren bringen eine Perspektive in den Hörsaal, die über theoretische Modelle hinausgeht. Dass eine solche Berufung in den USA kaum für Schlagzeilen sorgt, liegt an der langen Tradition dieses Modells. Ähnliche Wege wurden bereits von zahlreichen anderen Persönlichkeiten beschritten. So lehrt Victoria Nuland, eine ehemalige US-Botschafterin bei der NATO und eine der ranghöchsten amerikanischen Diplomatinnen, an der SIPA im Bereich der internationalen Diplomatie. Auch der ehemalige Bürgermeister von Philadelphia, Michael Nutter, ist dort als Professor of Professional Practice tätig. Weitere prominente Beispiele aus dem Umfeld der SIPA oder vergleichbarer Institutionen sind die Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa sowie Hillary Clinton. Auch die Harvard University verfolgt diesen Ansatz konsequent. Dort wurde etwa der langjährige Diplomat Nicholas Burns zum Professor of the Practice of Diplomacy and International Relations berufen. Samantha Power, die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen und spätere Leiterin von USAID, erhielt in Harvard eine Professur für Global Leadership and Public Policy. Die Praxis-Professur ist somit ein etabliertes Instrument, um Theorie und gelebte politische Praxis an den Universitäten zu verknüpfen.

Die Beteiligten: Institutionen und Akteure im Umfeld

Im Zentrum der Personalie steht die Columbia-Universität mit ihrer School of International and Public Affairs (SIPA). Diese Fakultät hat sich darauf spezialisiert, Studierende auf Führungspositionen in Regierungen, internationalen Organisationen oder global agierenden Unternehmen vorzubereiten. Die Entscheidungsträger der Universität setzen dabei auf ein Lehrkonzept, das den Austausch zwischen erfahrenen Praktikern und dem akademischen Nachwuchs in den Mittelpunkt stellt. Annalena Baerbock agiert in diesem Gefüge als eine von vielen Expertinnen, die ihr Wissen weitergeben. Neben der Universität selbst sind auch die Studierenden des Masterprogramms in Global Leadership direkt betroffen; sie bilden die Zielgruppe, die von der Expertise der ehemaligen Außenministerin profitieren soll. In Deutschland wurde die Nachricht kontrovers diskutiert, wobei die Kritik oft von einer Unkenntnis des amerikanischen Universitätssystems zeugte. Kritiker hinterfragten, wie eine Person ohne Promotion und klassische Forschungspublikationen eine Professur erhalten könne. Diese Debatte steht jedoch in einem deutlichen Kontrast zur Wahrnehmung in den USA, wo die Personalie in der öffentlichen Berichterstattung bisher kaum Resonanz erzeugte, da sie als regulärer Vorgang innerhalb des akademischen Personalkonzepts der Columbia-Universität betrachtet wird.

Einordnung: Warum die Kritik in Deutschland ins Leere läuft

Einzuordnen ist die Berufung von Annalena Baerbock als ein klassisches Beispiel für den Austausch zwischen Politik und Wissenschaft im US-amerikanischen Kontext. Den Berichten zufolge ist die deutsche Kritik, die sich an fehlenden akademischen Titeln wie einer Promotion festmacht, ein Missverständnis der amerikanischen Hochschulstrukturen. In den USA wird die „Professor of Professional Practice“-Stelle explizit für Menschen geschaffen, die ihre Qualifikation durch Taten und Entscheidungen in der realen Welt erworben haben. Die Universität zahlt Baerbock nicht dafür, dass sie als Wissenschaftlerin forscht, sondern dafür, dass sie als Politikerin gehandelt hat. Es geht um die Vermittlung von Erfahrungswissen, nicht um die Produktion von Forschungsartikeln. Die Tatsache, dass die Columbia-Universität die Personalie nicht in einer großen, exklusiven Meldung präsentierte, sondern im Rahmen einer allgemeinen Übersicht, unterstreicht den routinemäßigen Charakter dieser Berufung. Die Aufregung in Deutschland spiegelt somit eher eine unterschiedliche Erwartungshaltung an den Begriff „Professor“ wider, der im deutschen Sprachraum traditionell eng mit einer wissenschaftlichen Promotion und einer Habilitation oder äquivalenten Forschungsleistungen verknüpft ist. In den USA hingegen ist der Titel an der SIPA eine Funktionsbezeichnung für erfahrene Experten aus der Praxis.

Offene Fragen: Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl die Rahmenbedingungen der neuen Tätigkeit von Annalena Baerbock an der Columbia-Universität durch den Quelltext klar umrissen sind, bleiben einige Details offen. Es wird beispielsweise nicht spezifiziert, welche inhaltlichen Schwerpunkte die drei Kurse haben werden, die Baerbock im Rahmen ihrer Professur unterrichten soll. Auch über die genaue Dauer ihres Engagements an der SIPA gibt der Text keine Auskunft, außer dass sie ab dem Herbst beginnt. Zudem bleibt unklar, ob Baerbock neben ihrer Lehrtätigkeit und der Ko-Direktion des Masterprogramms weitere Verpflichtungen in den USA oder international eingehen wird. Der Text erwähnt zwar die bisherigen Stationen ihrer Karriere, lässt jedoch offen, ob sie in Zukunft weitere politische oder beratende Mandate anstrebt oder ob die Professur als ihr alleiniger beruflicher Fokus für die kommenden Jahre geplant ist. Auch zu den finanziellen Rahmenbedingungen oder den spezifischen vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Universität und der ehemaligen Außenministerin finden sich im Quelltext keine Informationen. Ebenso wird nicht näher beleuchtet, wie die Studierenden der Columbia-Universität auf die Neubesetzung reagieren oder welche konkreten Erwartungen die Fakultätsleitung an die Ko-Direktorin des Masterprogramms stellt, über die allgemeine Zielsetzung des Programms hinaus.

Wie es weitergeht: Der Zeitplan für den Start

Die berufliche Neuausrichtung von Annalena Baerbock an der Columbia-Universität ist für den kommenden Herbst terminiert. Zu diesem Zeitpunkt wird sie ihre Arbeit an der School of International and Public Affairs offiziell aufnehmen. Die Vorbereitungen für die Lehrtätigkeit sowie die Übernahme der Ko-Direktion des „Master of Public Administration in Global Leadership“ laufen im Rahmen der universitären Planung. Da es sich um eine Vollzeitstelle handelt, ist davon auszugehen, dass Baerbock ihren Lebensmittelpunkt für die Dauer dieser Tätigkeit nach New York verlagert. Weitere Schritte, etwa die konkrete Ausgestaltung der Lehrpläne für ihre drei Kurse oder die Abstimmung mit ihrem Ko-Direktor im Masterprogramm, erfolgen im internen Prozess der Universität. Da die Berufung bereits feststeht und in die Übersicht der neuen Praxisprofessoren aufgenommen wurde, sind keine weiteren administrativen Hürden oder Berufungsverfahren mehr zu erwarten. Der Fokus liegt nun auf dem Beginn des akademischen Semesters, in dem die neue Professorin ihre Arbeit mit den Studierenden aufnehmen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-landschaft-himmel-wahrzeichen-27689353/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/was-macht-annalena-baerbock-an-der-columbia-201161785.html