Erste Bestandsaufnahme nach drei Monaten
Im Dezember 2025 startete Australien ein ambitioniertes Projekt: Ein gesetzliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Ziel war es, den Zugang zu Plattformen wie TikTok oder Instagram für diese Altersgruppe zu unterbinden. Drei Monate nach Inkrafttreten hat die Regierung nun erste Ergebnisse einer Umfrage unter rund 1.000 Betroffenen und deren Eltern vorgelegt. Die Daten zeichnen ein Bild, das bisher wenig Anlass für die Annahme eines Erfolgs bietet.
Die Mehrheit bleibt digital aktiv
Das primäre Ziel, Minderjährige aus den sozialen Netzwerken fernzuhalten, wurde bisher verfehlt. Die Umfrage unter 10- bis 15-Jährigen zeigt, dass ein Großteil der Jugendlichen weiterhin über eigene Accounts verfügt. Während vor dem Verbot etwa jeder zweite Jugendliche in dieser Altersgruppe einen Account besaß, sank dieser Wert danach nur leicht auf etwa vier von zehn. Betrachtet man die monatliche Nutzung – unabhängig von einem eigenen Account – ist der Rückgang noch marginaler: Die Nutzungsrate fiel lediglich von 85,9 Prozent auf 81,5 Prozent.
Lückenhafte Kontrollen durch Plattformbetreiber
Ein entscheidender Faktor für das Ausbleiben der gewünschten Wirkung ist die Umsetzung der Altersprüfung durch die Plattformen selbst. Viele Jugendliche gaben an, bisher gar nicht kontrolliert worden zu sein. Andere umgingen die Hürden erfolgreich, indem sie falsche Altersangaben machten oder das System das Alter falsch einschätzte. Die zuständige Aufsichtsbehörde, der eSafety Commissioner, hat bereits bei großen Anbietern wie YouTube, Meta und TikTok interveniert und mit Sanktionen gedroht, da die flächendeckende Altersprüfung bislang nicht konsequent erfolgt.
Ausweichbewegungen in andere digitale Räume
Die Daten deuten darauf hin, dass Jugendliche bei erschwertem Zugang zu sozialen Medien schlicht auf andere digitale Angebote ausweichen. Die tägliche Nutzung von Messengern und Videospielen ist leicht angestiegen. Dies unterstreicht das Bedürfnis junger Menschen nach digitalem Austausch und Unterhaltung. Experten warnen jedoch, dass auch diese Alternativen nicht risikofrei sind; Themen wie Mobbing, manipulative Spieldesigns oder der Kontakt mit Fremden bleiben bestehen. In der Folge fordern einige Fachleute bereits, Altersbeschränkungen auf nahezu alle potenziell riskanten Online-Dienste auszuweiten.
Kreative Umgehungsstrategien
Die Umfrage gewährt zudem Einblicke in die Methoden, mit denen Minderjährige die Sperren umgehen. Neben der Nutzung von VPN-Diensten oder der Eröffnung neuer Accounts nach Sperrungen greifen einige Jugendliche auch auf die Unterstützung ihrer Eltern zurück oder nutzen Hilfsmittel wie Make-up, um Alterskontrollen zu täuschen. Diese Befunde legen nahe, dass das Verbot bei einem Teil der Zielgruppe auf mangelnde Akzeptanz stößt, was den Widerstand gegen die Regulierungen weiter befeuern könnte.
Psychische Gesundheit und offene Fragen
Die australische Regierung hatte gehofft, durch das Verbot das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der jungen Generation zu verbessern. Die aktuelle Erhebung zeigt jedoch keine Veränderungen in diesem Bereich. Die drei Grundannahmen des Projekts – konsequente Umsetzung durch Plattformen, Akzeptanz durch Familien und eine Hinwendung zu förderlichen Offline-Aktivitäten – konnten in den ersten drei Monaten nicht bestätigt werden.
Die Aufsichtsbehörde bewertet die Ergebnisse offiziell als „Momentaufnahme“ und betont den Wert der Daten für langfristige Beobachtungen. Während Kritiker das Modell als gescheitert betrachten, hält die Behörde am Prinzip der Hoffnung fest und sieht in den Zahlen erste Signale für einen möglichen Wandel. Angesichts der geplanten EU-Pläne für ein ähnliches Modell wird die weitere Entwicklung in Australien international mit großem Interesse verfolgt.