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Guterres-Nachfolge: Chilenin Bachelet zieht Kandidatur zurück
Schlagzeilen · 20.09.2026 02:34

Guterres-Nachfolge: Chilenin Bachelet zieht Kandidatur zurück

Kurz: Die chilenische Ex-Präsidentin Michelle Bachelet zieht ihre Kandidatur für den Posten der UN-Generalsekretärin überraschend zurück.

Ein unerwarteter Rückzug im Rennen um die UN-Spitze

Die internationale Diplomatie blickt derzeit gespannt auf die Vereinten Nationen, wo die Suche nach einem Nachfolger für den amtierenden Generalsekretär António Guterres in eine entscheidende Phase eingetreten ist. Am 20. September 2026 wurde bekannt, dass die chilenische Ex-Präsidentin Michelle Bachelet ihre Ambitionen auf den prestigeträchtigen Posten offiziell beendet hat. Die 74-Jährige, die in der Vergangenheit bereits als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte tätig war, informierte die Öffentlichkeit über diesen Schritt mittels einer Mitteilung auf der Plattform Instagram. Ihr Rückzug markiert eine Zäsur im laufenden Auswahlprozess, der von intensiven diplomatischen Manövern und geheimen Abstimmungen geprägt ist. Bachelet, die in ihrer politischen Laufbahn zweimal das Präsidentenamt in Chile bekleidete, galt lange Zeit als eine der profilierten Persönlichkeiten, die für eine Neuausrichtung der Vereinten Nationen hätten stehen können. Ihr Ausscheiden aus dem Bewerberfeld wirft nun neue Fragen über die zukünftige Ausrichtung der Weltorganisation auf, insbesondere im Hinblick auf die geografische Repräsentanz an der Spitze des UN-Sekretariats.

Die Hintergründe und die Rolle der Probeabstimmungen

Obwohl Michelle Bachelet in ihrer offiziellen Erklärung keine spezifischen Gründe für den Abbruch ihrer Kandidatur nannte, lassen Beobachter und diplomatische Quellen keinen Zweifel an den schwierigen Rahmenbedingungen, unter denen ihr Wahlkampf stand. Ein entscheidender Faktor scheint das Abschneiden in den sogenannten Probeabstimmungen innerhalb des UN-Sicherheitsrates gewesen zu sein. Wie die israelische UN-Mission unter Berufung auf interne Sicherheitsratskreise berichtete, landete Bachelet bei der jüngsten dieser geheimen Testwahlen lediglich auf dem vorletzten Platz. Solche Abstimmungen dienen dem Sicherheitsrat dazu, die Unterstützung für die verschiedenen Bewerber auszuloten, bevor eine formelle Entscheidung getroffen wird. Dass Bachelet trotz ihrer hohen internationalen Bekanntheit und ihrer früheren Tätigkeit als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte zwischen 2018 und 2022 keine breitere Zustimmung im Gremium finden konnte, unterstreicht die Komplexität der Personalfindung. Die Dynamik innerhalb des Sicherheitsrates, in dem die fünf ständigen Mitglieder – Russland, China, Frankreich, Großbritannien und die USA – über ein Veto-Recht verfügen, macht jede Kandidatur zu einem hochsensiblen Unterfangen, bei dem fachliche Kompetenz und politisches Kalkül eng miteinander verwoben sind.

Ein politisches Vermächtnis und die Vision für Lateinamerika

In ihrem Rückzugsschreiben betonte Bachelet, dass sie ihre Entscheidung nicht bereue. Sie unterstrich stattdessen, dass ihr Wahlkampf dazu beigetragen habe, ein wichtiges Thema auf die globale Agenda zu setzen: die Überzeugung, dass die nächste Generalsekretärin der Vereinten Nationen eine Frau aus Lateinamerika sein sollte. Mit dieser Forderung hatte Bachelet eine Debatte angestoßen, die weit über ihre eigene Person hinausreicht. Während ihrer Kandidatur hatte sie sich konsequent für die Grundpfeiler des Multilateralismus, die Einhaltung des Völkerrechts, den Schutz der Menschenrechte sowie für Demokratie und ambitionierten Klimaschutz starkgemacht. Diese Themen spiegeln ihre langjährige politische Erfahrung wider, die unter anderem zwei Amtszeiten als Präsidentin Chiles (2006 bis 2010 sowie 2014 bis 2018) umfasst. Besonders ihre Biografie, die durch die Flucht in die DDR während der Pinochet-Diktatur geprägt war, verlieh ihr ein einzigartiges Profil. In Deutschland absolvierte sie ein Medizinstudium und erlernte die deutsche Sprache, was ihre internationale Vernetzung weiter festigte. Auch wenn sie nun nicht mehr im Rennen ist, bleibt ihr Einfluss auf die Debatte über die künftige Besetzung der UN-Spitze unbestritten.

Die Akteure und die Dynamik im Sicherheitsrat

Der Auswahlprozess für das Amt des UN-Generalsekretärs ist ein hochkomplexes Gefüge, an dem zahlreiche Akteure beteiligt sind. Die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrates tragen die Hauptverantwortung für die Vorauswahl. Für eine erfolgreiche Kandidatur ist die Unterstützung von mindestens neun Mitgliedern des Gremiums erforderlich. Dabei spielt die geopolitische Konstellation eine zentrale Rolle. Bachelets Kandidatur wurde prominent unterstützt, unter anderem vom brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva sowie der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum. Diese Unterstützung unterstreicht den Wunsch lateinamerikanischer Staaten, bei der Besetzung der UN-Spitze stärker berücksichtigt zu werden. Neben Bachelet gibt es weitere Bewerberinnen aus der Region, wie etwa die Diplomatin Rebeca Grynspan aus Costa Rica, die derzeit als Favoritin für die Nachfolge Guterres' gehandelt wird. Auch die ecuadorianischen Bewerberinnen María Fernanda Espinosa und Ivonne A-Baki erfüllen das Kriterium, eine Frau aus Lateinamerika zu sein. Die Diskussionen um die Nachfolge werden jedoch von Spannungen begleitet. So stieß etwa der Vorstoß der deutschen Politikerin Annalena Baerbock, die sich für eine Frau an der UN-Spitze einsetzte, auf Kritik seitens der USA und Russlands, was die tiefen Gräben innerhalb des Sicherheitsrates verdeutlicht.

Einordnung der aktuellen Situation

Einzuordnen ist der Rückzug Bachelets als ein Zeichen für die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im UN-Sicherheitsrat. Den Berichten zufolge ist die Suche nach einem Nachfolger für António Guterres, dessen zweite Amtszeit am 31. Dezember 2026 endet, von einer hohen Volatilität geprägt. Dass eine so erfahrene Persönlichkeit wie Bachelet bei den Probeabstimmungen nicht überzeugen konnte, deutet darauf hin, dass die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates möglicherweise nach einem Kandidaten suchen, der weniger polarisiert oder spezifische regionale Interessen besser ausbalanciert. Die Debatte um die Besetzung des Postens ist dabei eng mit der Frage verknüpft, wie die Vereinten Nationen in einer zunehmend fragmentierten Weltordnung agieren sollen. Die Forderung nach einer Frau aus Lateinamerika ist dabei nicht nur eine Frage der Repräsentation, sondern auch ein Ausdruck des Wunsches, die globale Führungsstruktur der UN zu diversifizieren. Dass sich die USA und Russland bei diesem Thema kritisch äußern, zeigt, dass die Wahl des neuen UN-Chefs ein Machtspiel bleibt, bei dem die Interessen der Vetomächte oft schwerer wiegen als breite diplomatische Konsensbildungen.

Offene Fragen und der weitere Fahrplan

Trotz der klaren Nachricht über den Rückzug bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Der Quelltext enthält keine Informationen darüber, ob Bachelet internen Druck verspürt hat oder ob sie zu dem Schluss kam, dass ihre Chancen auf eine Einigung der Vetomächte gegen Null tendierten. Auch bleibt offen, welche konkreten inhaltlichen Differenzen zwischen den verbleibenden sechs Kandidaten bestehen, die über die geografische Herkunft hinausgehen. Ebenso wenig ist bekannt, wie die anderen Kandidaten auf den Rückzug reagieren und ob dies die Dynamik der kommenden Probeabstimmungen verändern wird. Der Fahrplan sieht vor, dass die Entscheidung im September fallen soll. Bis zum 31. Dezember, dem Tag, an dem Guterres aus dem Amt scheidet, muss ein Nachfolger gefunden sein. Der Prozess sieht vor, dass nach einer Einigung im Sicherheitsrat die UN-Vollversammlung über den Personalvorschlag abstimmt. Ob dieser Zeitplan angesichts der aktuellen Differenzen und der Blockadepolitik der ständigen Mitglieder eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich eine tragfähige Mehrheit für eine der verbleibenden Persönlichkeiten abzeichnet oder ob der Prozess in eine längere Phase der Unsicherheit führt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-frau-tisch-fenster-3928118/ · Foto: Andrea Piacquadio
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/un-nachfolge-guterres-bachelet-kandidatur-rueckzug-100.html