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Auktion in Ahrenshoop: Am Leuchtfeuer der Künstler
Kultur · 27.07.2026 10:27

Auktion in Ahrenshoop: Am Leuchtfeuer der Künstler

Kurz: Die 52. Ahrenshooper Kunstauktion präsentiert eine hochkarätige Auswahl an Werken, die die bewegte Geschichte der berühmten Künstlerkolonie an der Ostsee widers

Ein Treffpunkt für Kunstschaffende an der Ostsee

Das Ostseebad Ahrenshoop blickt auf eine über hundertjährige Tradition als Rückzugsort für Kreative zurück. Die dortige sommerliche Kunstauktion, die mittlerweile zum 52. Mal stattfindet, fungiert als Spiegel dieser langen künstlerischen Entwicklung. In der Strandhalle kommen rund 200 Lose unter den Hammer, die die besondere Atmosphäre von Wind, Wellen und der weiten Boddenlandschaft einfangen.

Hans Brass: Vom Suchenden zum Auktions-Highlight

Ein besonderes Augenmerk der diesjährigen Auktion liegt auf dem Werk von Hans Brass. Der Maler, der 1920 von Berlin in die Region zog, ist mit seinem Gemälde „Leuchtturm Darßer Ort“ aus dem Jahr 1931 vertreten. Das Werk ist auf 12.000 bis 16.000 Euro taxiert.

Brass, der zeitlebens stilistisch zwischen Kubismus, Konstruktivismus und abstraktem Expressionismus pendelte, hatte es im Kunstbetrieb lange schwer. Während er in der NS-Zeit als Avantgardist verfemt war, galt er in der DDR als formalistisch. Erst eine umfangreiche Schenkung seines Nachlasses an das Ahrenshooper Kunstmuseum und eine dortige Einzelausstellung im Frühjahr 2026 haben seine Bedeutung für die Region erneut in den Fokus gerückt. In Ahrenshoop bleibt er zudem als Mitbegründer der „Bunten Stube“ in Erinnerung.

Hochkarätige Lose: Segal und Marcks

Neben Brass finden sich weitere bedeutende Positionen im Auktionsangebot:

* **Arthur Segal:** Sein 1912 entstandenes Gemälde „Felsen am Meere“ ist ebenfalls mit 12.000 bis 16.000 Euro bewertet. Segal, der durch die Malerin Dora Koch-Stetter mit der Künstlerkolonie verbunden war, schuf das Werk kurz nach einem Aufenthalt in Frankreich.

* **Gerhard Marcks:** Die Bronzeplastik „Sich niedertuende Kuh“ (1949) wird auf 12.000 bis 15.000 Euro geschätzt. Marcks lebte zwischen 1929 und 1946 im Ortsteil Niehagen. Vergleichbare Stücke aus dieser Gussserie erzielten in der Vergangenheit beachtliche Preise auf dem Kunstmarkt.

Tierdarstellungen und historische Einblicke

Für Sammler mit einem Interesse an Tierfiguren bietet die Auktion einen „Reiher“ aus Bronze von Wilhelm Krieger an. Der Bildhauer, der sich auf Fauna spezialisiert hatte, war während der NS-Zeit in der Großen Deutschen Kunstausstellung vertreten. Die stilisierte Figur wird auf 3.600 bis 4.800 Euro geschätzt.

Die historische Verbindung zur Künstlerkolonie wird zudem durch Paul Müller-Kaempff, den Gründervater der Kolonie, unterstrichen. Seine „Winterliche Landschaft bei Ahrenshoop“ von 1905 ist mit 11.000 bis 14.000 Euro gelistet. Einen privaten Einblick in das Leben der damaligen Zeit gewährt zudem ein Interieurbild seiner Ehefrau Else Müller-Kaempff, das das „Musikzimmer Ahrenshoop“ zeigt.

Die Beständigkeit des Wandels

Die Auktion unterstreicht den Charakter von Ahrenshoop als Ort des steten Wandels. Neben den großen Ölgemälden umfasst das Angebot zahlreiche Grafiken, darunter Blätter von Lyonel Feininger. Seine minimalistischen Darstellungen, wie die „Meereslandschaft mit Schiff am Horizont“, verdeutlichen die anhaltende Faszination der Künstler für die norddeutsche Küstenlandschaft. Die Veranstaltung am 1. August bietet somit nicht nur eine Handelsplattform, sondern dokumentiert auch die wechselvolle Historie einer der bedeutendsten Künstlerkolonien Deutschlands.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kirche-st-salvatoris-30796119/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/ahrenshooper-kunstauktion-2026-accg-201055333.html