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Anduril arbeitet an autonomen Kampf-VTOL „Thunder“ für bodennahe Einsätze
Technik · 28.07.2026 08:42

Anduril arbeitet an autonomen Kampf-VTOL „Thunder“ für bodennahe Einsätze

Kurz: Das US-Unternehmen Anduril entwickelt mit „Thunder“ ein autonomes Kipprotor-Flugzeug, das bemannte Kampfhubschrauber in gefährlichen Tiefflugeinsätzen unterstüt

Ein neues Konzept für den Luftkampf in Bodennähe

Das US-amerikanische Rüstungsunternehmen Anduril hat mit „Thunder“ ein neues unbemanntes Luftfahrzeug vorgestellt, das speziell für den Einsatz in extrem gefährlichen Umgebungen konzipiert wurde. Das Unternehmen klassifiziert den Flugapparat als „autonomen Kampfhubschrauber der Klasse 5“. Das primäre Einsatzszenario liegt in der Unterstützung bemannter Kampf- und Angriffsluftfahrzeuge, wobei Thunder als sogenannter „Loyal Wingman“ fungiert.

Der bodennahe Luftraum gilt auf modernen Schlachtfeldern als besonders risikoreich. Durch die zunehmende Verbreitung von Loitering Munition, verschiedenen Drohnentypen und kostengünstigen Luftverteidigungssystemen ist dieser Bereich laut Anduril einer der „tödlichsten Orte“ für bemannte Einheiten. Hier soll das neue System für Entlastung und Schutz sorgen.

Technische Basis: Kipprotor-Technologie

Die Konstruktion von Thunder basiert auf dem klassischen VTOL-Prinzip (Vertical Take-Off and Landing), was den senkrechten Start und die Landung auf begrenztem Raum ermöglicht. Um die Effizienz im Flug zu steigern, setzt das Gerät auf ein Kipprotorsystem. Nach dem Start werden die Rotoren geschwenkt, wodurch das Flugzeug in den Horizontalflug übergeht und den Auftrieb der Tragflächen nutzt. Diese Technik, die in Zusammenarbeit mit dem eVTOL-Hersteller Archer Aviation angepasst wurde, erlaubt eine höhere Reichweite und längere Einsatzzeiten im Vergleich zu herkömmlichen Helikoptern.

Für den Antrieb nutzt Thunder zwei Hybrid-Elektroantriebe. Eine Besonderheit ist das System der variablen Rotordrehzahl, das Anduril als „Optimum-Speed Tiltrotor“ (OSTR) bezeichnet. Die Leistung wird dabei dynamisch an die jeweilige Flugsituation angepasst, was nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch die Geräuschsignatur des Fluggeräts minimieren soll. Genaue Daten zu Reichweite oder Höchstgeschwindigkeit wurden bislang nicht veröffentlicht.

Autonomie durch Lattice-Software

Die Leistungsfähigkeit von Thunder im Einsatz wird maßgeblich durch die Software-Plattform „Lattice“ bestimmt. Diese vom Pentagon mit 20 Milliarden US-Dollar unterstützte Lösung ermöglicht die autonome Steuerung und Koordination. Das System soll in der Lage sein, komplexe Aufgaben wie Formationsflüge, die Missionsplanung und die direkte Luftunterstützung für bemannte Einheiten zu übernehmen. Ein wesentlicher Vorteil von Lattice ist die Fähigkeit, auch unter erschwerten Bedingungen – etwa bei gestörten GPS-Signalen oder fehlender Kommunikationsverbindung – autonom zu operieren.

Vielseitige Bewaffnung und Logistik

Das System ist modular aufgebaut, was eine Anpassung an unterschiedliche Missionsprofile erlaubt. Der Haupt- und Bugbereich kann mit diversen Nutzlasten bestückt werden, darunter:

* Präzisionsmunition

* Drohnenabwehrsysteme

* Elektronische Kampfführungssysteme

* Frachtkapazitäten

* Verschiedene Raketentypen (bis zu 76 70-mm-Raketen oder zehn Luft-Boden-Raketen)

In Bezug auf die Logistik bietet das Kipprotor-Konzept den Vorteil, dass Thunder unabhängig von festen Landebahnen operieren kann. Für den Transport in entfernte Einsatzgebiete lässt sich das Fluggerät zudem in einem Standard-Seecontainer verstauen, was die Verlegung per Land- oder Seeweg vereinfacht.

Ausblick auf die nächsten Schritte

Anduril verfolgt einen ambitionierten Zeitplan für die Entwicklung des Systems. Der Erstflug von Thunder ist für das Jahr 2027 geplant. Bis dahin dürfte die weitere Integration der Sensorik und der autonomen Software-Algorithmen im Fokus stehen, um die Überlebensfähigkeit bemannter Einheiten in den als kritisch eingestuften bodennahen Zonen zu erhöhen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-technologie-virtuelle-realitat-vr-headset-8721322/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://www.heise.de/news/Anduril-arbeitet-an-autonomen-Kampf-VTOL-Thunder-fuer-bodennahe-Einsaetze-11379712.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag