Digitale Optimierung statt teurem Heizungstausch
Der Austausch fossiler Heizsysteme gegen klimafreundliche Alternativen ist oft mit hohen Investitionen verbunden, die insbesondere für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern eine finanzielle Hürde darstellen. Viele bestehende Anlagen in Bestandsgebäuden sind zudem suboptimal auf den tatsächlichen Wärmebedarf eingestellt. Hier setzt das hessische Start-up cosy.green an: Anstatt die Hardware komplett zu ersetzen, wird die vorhandene Öl- oder Gasheizung durch eine digitale Steuerungslösung optimiert.
Vernetzung als Schlüssel zur Effizienz
Herkömmliche Heizsysteme arbeiten oft in isolierten Komponenten: Kessel, Pumpen und Thermostate kommunizieren kaum miteinander. Bestehende Smart-Home-Lösungen beschränken sich zudem meist auf einzelne Wohnungen, ohne den Heizkessel oder das Gebäude als Ganzes einzubeziehen.
Das System von cosy.green verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz:
* **Zentrale Steuerung:** Eine Einheit im Heizungsraum vernetzt alle Komponenten.
* **Smarte Thermostate:** Diese regeln die Temperatur in den einzelnen Wohnräumen.
* **KI-Algorithmen:** Ein zentraler Algorithmus verarbeitet Nutzerdaten, Wettervorhersagen und Thermostat-Informationen in Echtzeit, um die Heizleistung präzise anzupassen.
Praxisbeispiel: Pilotprojekt in Langenselbold
Die Stadtverwaltung von Langenselbold nutzt diese Technologie bereits seit einem halben Jahr in zwei städtischen Wohngebäuden. Das Modell basiert auf einem Jahresabo, dessen Kosten auf die Mieter umgelegt werden. Laut der Klimaschutzmanagerin Annika Bein hat sich diese Investition bereits nach sechs Monaten amortisiert. Die Mieter profitierten sogar von einer Rückzahlung in Höhe von etwa 45 Euro pro Wohneinheit. Zudem konnten in den beiden Gebäuden insgesamt sieben Tonnen CO2 eingespart werden – eine Menge, für deren Bindung rechnerisch 560 Buchen ein Jahr lang wachsen müssten.
Komfortgewinn und Einsparpotenziale
Neben der reinen Energieeffizienz betont Oliver Völksch von der Verbraucherzentrale Hessen den Komfortgewinn für die Bewohner. Über eine App können Nutzer ihre Raumtemperaturen individuell steuern. Wird ein Raum tagsüber nicht genutzt, lässt sich die Heizung senken und kurz vor der Rückkehr wieder hochfahren. Intelligente Thermostate erkennen zudem geöffnete Fenster und schließen die Ventile automatisch.
Die bisherigen Vertragspartner des Unternehmens konnten ihren Energieverbrauch nach Unternehmensangaben um durchschnittlich 25 bis 29 Prozent senken. Für die kommende Heizperiode strebt das Start-up eine Einsparquote von über 30 Prozent an.
Hintergrund und Ausblick
Das Geschäftsmodell von Gründer Alexander Hirsch und seinem Team basiert auf einer Leistungsgarantie: Werden die vereinbarten Einsparziele nicht erreicht, haben Kunden ein Rücktrittsrecht von ihrem Zehn-Jahresvertrag.
Die Relevanz solcher Lösungen dürfte vor dem Hintergrund der für Anfang 2027 prognostizierten Erhöhung des CO2-Preises weiter steigen. Während das Start-up aktuell bereits 5.000 Wohneinheiten unter Vertrag hat, sind die langfristigen Ziele ambitioniert: Gegen Ende des Jahrzehnts plant das Unternehmen eine Expansion nach Großbritannien und Frankreich, um auch dort zur Reduktion des CO2-Ausstoßes beizutragen.