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Wie sich die "Klopapier-Krise" am Rohstoffmarkt wiederholt
Schlagzeilen · 11.05.2026 05:40

Wie sich die "Klopapier-Krise" am Rohstoffmarkt wiederholt

Kurz: Die aktuellen Rohstoffpreise steigen aufgrund der geopolitischen Lage im Iran. Ein Blick auf die Auswirkungen und psychologischen Effekte.

Rohstoffmarkt und psychologische Effekte

Die geopolitischen Spannungen im Iran haben weitreichende Folgen für den globalen Rohstoffmarkt. Besonders betroffen sind chemische Produkte, deren Preise aufgrund von Lieferkettenproblemen stark ansteigen. Diese Situation erinnert an die „Klopapier-Krise“ während der Corona-Pandemie, wo Hamsterkäufe und Ängste vor Versorgungsengpässen die Marktbedingungen verschärften.

Lieferkettenprobleme durch geopolitische Ereignisse

Die Schließung der Straße von Hormus hat zu einem signifikanten Anstieg der Kosten für Rohstoffe wie Bitumen geführt, das aus speziellem Rohöl gewonnen wird und für den Straßenbau unerlässlich ist. Unternehmer wie Arnold Mergell von Hobum Oleochemicals berichten von Schwierigkeiten, vertraglich vereinbarte Lieferungen zu erhalten.

Der Einfluss von Angst und Unsicherheit

Die Angst vor Rohstoffengpässen führt dazu, dass Einkäufer bereit sind, höhere Preise zu akzeptieren und größere Mengen zu bestellen, als sie tatsächlich benötigen. Mergell beschreibt, dass diese „Hamsterkäufe“ nicht nur die Preise in die Höhe treiben, sondern auch das Problem der Knappheit selbst verstärken.

Psychologische Effekte im Rohstoffhandel

Experten schätzen, dass bis zu 50% der Preissteigerungen nach einem Schockereignis wie der Schließung der Straße von Hormus psychologisch bedingt sind. Professor Christian Thies von der TU Hamburg spricht von dem „Peitschenhiebeffekt“, bei dem kleine Schwankungen in der Nachfrage am Anfang der Lieferkette zu großen Preisänderungen beim Endverbraucher führen.

Wandel von „just in time“ zu „just in case“

Früher waren Lieferketten darauf ausgelegt, Waren genau dann zu liefern, wenn sie benötigt wurden – das sogenannte „just in time“-Modell. Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten verlagert sich dieser Ansatz jedoch zu „just in case“, was bedeutet, dass Unternehmen ihre Lagerbestände aus Vorsicht erhöhen. Dies führt zu höheren Kosten und bindet Kapital, das anderweitig fehlen könnte.

Vergleich mit der Corona-Pandemie

Die Parallelen zur „Klopapier-Krise“ während der Corona-Pandemie sind deutlich. Damals kam es ebenfalls zu Hamsterkäufen, die die Verfügbarkeit von Produkten stark beeinträchtigten. Ähnliche Verhaltensmuster werden nun im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg beobachtet, was die Volatilität der Rohstoffpreise weiter verstärkt.

Alternativen und Zukunftsperspektiven

Inmitten dieser Herausforderungen sehen Experten auch Chancen. Professor Thies betont die Möglichkeit, neue Technologien und Materialien zu nutzen, um die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu verringern. Unternehmen wie Hobum Oleochemicals setzen bereits auf alternative Rohstoffe wie Sonnenblumen- oder Leinöl, die zwar teurer sind, jedoch als verlässlicher gelten.

Die Rolle von Recycling

Neben der Nutzung neuer Rohstoffe wird auch Recycling als wichtiger Faktor hervorgehoben. Der Drang zur Verlässlichkeit in der Versorgung könnte dazu führen, dass Unternehmen bereit sind, höhere Preise für nachhaltige und verlässliche Produkte zu zahlen.

Schlussfolgerung

Die aktuellen Entwicklungen am Rohstoffmarkt zeigen, wie eng wirtschaftliche Bedingungen mit psychologischen Faktoren verbunden sind. Die Reaktion auf geopolitische Ereignisse führt zu Verhaltensänderungen, die sowohl die Preise als auch die Verfügbarkeit von Rohstoffen beeinflussen. Die nächsten Schritte werden entscheidend sein, um die Stabilität der Lieferketten zu gewährleisten und die Abhängigkeit von unsicheren Rohstoffquellen zu reduzieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/artikel-zeitungen-lesestoff-nahansicht-13081133/ · Foto: Ylanite Koppens
Quelle: https://www.zdfheute.de/wirtschaft/iran-krieg-lieferkettenprobleme-klopapier-krise-rohstoffe-100.html