Vergessene Milliarden: Unnötige Vermögenswerte auf deutschen Konten
In Deutschland liegen Milliarden Euro auf Bankkonten, deren Besitzer nicht mehr ermittelbar sind. Diese ungenutzten Gelder, oft auf nachrichtenlosen Konten, könnten für soziale Projekte verwendet werden.
Was sind nachrichtenlose Konten?
Nachrichtenlose Konten entstehen häufig, wenn der Inhaber verstirbt und die Vermögenswerte nicht klar geregelt sind. In solchen Fällen können Erben diese Konten übersehen oder es gibt schlichtweg keine Erben. Wenn auf einem Konto über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren keine Aktivität stattfindet, schließen viele Banken das Konto und verbuchen das Geld zu ihren Gunsten. Dennoch bleibt der Anspruch des ursprünglichen Kontoinhabers bestehen, sodass Banken verpflichtet sind, das Geld auszuzahlen, wenn sich jemand meldet.
Die Dimension des Problems
Laut einem Gutachten des Bundesforschungsministeriums sollen bis zu 4,2 Milliarden Euro auf diesen Konten liegen. Schätzungen des Verbandes Deutscher Erbenermittler gehen sogar von bis zu neun Milliarden Euro aus. Diese Summen könnten sinnvoll eingesetzt werden, insbesondere im Kontext sozialer Innovationen.
Fehlende Regelungen in Deutschland
Im Gegensatz zu anderen Ländern, wie Großbritannien, wo es bereits seit 2008 einen Social Impact Fund gibt, fehlt es in Deutschland an klaren Regelungen zum Umgang mit diesen Geldern. Professor Andreas Walter von der Frankfurt School of Finance & Management betont, dass Deutschland hier Nachholbedarf hat.
Vorschläge für die Verwendung der Gelder
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag die Einrichtung eines Fonds für soziale Innovationen vorgesehen, um diese Gelder sinnvoll zu nutzen. Bisher sind jedoch keine konkreten Schritte unternommen worden.
Öffentliche Meinung zu nachrichtenlosen Konten
Eine Umfrage der SOS-Kinderdörfer zeigt, dass eine große Mehrheit der Befragten (86 Prozent) dafür ist, dass ungenutzte Vermögen nach einer angemessenen Frist in einen unabhängigen Sozialfonds fließen. Nur zwei Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass das Geld bei den Banken verbleibt.
Herausforderungen für Banken
Die Deutsche Kreditwirtschaft, die Interessenvertretung der Banken, sieht keinen dringenden Handlungsbedarf und möchte die bestehenden Regelungen beibehalten. Die Banken betonen, dass die Eigentumsrechte ihrer Kunden oberste Priorität haben.
Bedenken hinsichtlich des Verwaltungsaufwands
Rechtswissenschaftler Walter weist darauf hin, dass Banken möglicherweise zusätzlichen Verwaltungsaufwand fürchten. Ein besserer Umgang mit nachrichtenlosen Konten könnte jedoch zu mehr Rechtssicherheit führen, was auch den Banken zugutekäme.
Dokumentation und Transparenz
Eine weitere Herausforderung ist die mangelnde Dokumentation von Konten und Vermögenswerten. Laut der Umfrage haben nur 30 Prozent der Befragten ihre Konten und Depots vollständig dokumentiert und mit ihren Angehörigen besprochen. Dies führt dazu, dass weiterhin viele Konten ungenutzt bleiben.
Zukünftige Schritte
Die schwarz-rote Koalition steht nun vor der Aufgabe, die im Koalitionsvertrag festgehaltenen Pläne zur Verwendung der Gelder umzusetzen. Experten fordern eine klare Strategie, um die ungenutzten Vermögen für soziale Zwecke zu aktivieren.
Die Diskussion um nachrichtenlose Konten und deren Verwendung könnte in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen, insbesondere wenn weitere Umfragen und Studien aufzeigen, wie die öffentliche Meinung zu diesem Thema steht. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Politik auf diese Herausforderungen reagieren wird.