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Wie die London City Lionesses alle Grenzen verschieben
Sport · 13.08.2026 23:29

Wie die London City Lionesses alle Grenzen verschieben

Kurz: Die London City Lionesses mischen mit dem Geld der Milliardärin Michele Kang den Frauenfußball auf und locken Weltstars wie Alexia Putellas an.

Ein neues Kapitel im englischen Frauenfußball

Die Fußballwelt der Frauen erlebt derzeit eine beispiellose Verschiebung ihrer Machtverhältnisse, angeführt von einem Klub, der erst vor wenigen Jahren aus dem Schatten eines Traditionsvereins trat. Die London City Lionesses, ein Verein, der am 13. Mai 2019 aus dem Frauenfußballteam des FC Millwall hervorging, hat sich in kürzester Zeit zu einem globalen Schwergewicht entwickelt. Während viele Vereine in Europa noch mit den finanziellen Herausforderungen der Professionalisierung kämpfen, hat der Klub aus dem Stadtbezirk Bromley durch die Unterstützung einer finanzstarken Investorin eine völlig neue Dimension erreicht. Am 4. September steht der mit Spannung erwartete Saisonauftakt in der Women’s Super League (WSL) gegen Manchester United an, bei dem das Publikum erstmals die geballte Ladung der neuen Star-Einkäufe in einem Pflichtspiel erleben kann. Mit Ticketpreisen von 16 Pfund für Erwachsene und der Hälfte für Kinder bleibt der Klub trotz seiner astronomischen Gehaltsstrukturen für die Fans zugänglich, was einen interessanten Kontrast zum exklusiven Kader bildet.

Die finanzielle Schlagkraft hinter dem Erfolg

Im Zentrum dieser Entwicklung steht Michele Kang, eine in den USA lebende Milliardärin, die ihr Vermögen durch ein Unternehmen im Gesundheitssektor generierte. Vor drei Jahren rettete sie die London City Lionesses kurz vor der drohenden Insolvenz und hat seitdem eine Vision umgesetzt, die den Frauenfußball grundlegend neu definieren soll. Kang agiert dabei über ihre Sportgruppe Kynisca, zu der neben den Lionesses auch der französische Spitzenklub Olympique Lyon und der US-amerikanische Verein Washington Spirit gehören. Die finanzielle Ausstattung des Londoner Klubs ist bemerkenswert: Berichten zufolge sollen viele Spielerinnen Jahresgehälter von rund 500.000 Euro beziehen. Die absolute Spitze markiert die Verpflichtung der zweimaligen Weltfußballerin Alexia Putellas, die nach 14 Jahren beim FC Barcelona den Wechsel nach London wagte. Ihr geschätztes Jahresgehalt von 1,7 Millionen Euro gilt als Rekordwert im Frauenfußball. Diese Summen werfen Fragen zur Nachhaltigkeit auf, da in England strenge Regeln gelten, die Gehälter auf maximal 80 Prozent der Einnahmen begrenzen. Es wird vermutet, dass Kang die Kosten geschickt über ihr Multi-Club-Netzwerk verteilt.

Eine Weltauswahl an der Themse

Der Kader, den der spanische Trainer Eder Maestre zusammengestellt hat, gleicht einer Weltauswahl. Neben der bereits erwähnten Alexia Putellas und der Verteidigerin Mapi León finden sich zahlreiche weitere hochkarätige Namen im Aufgebot. Die englische Nationaltorhüterin Mary Earps steht ebenso unter Vertrag wie die japanische Weltmeisterin Saki Kumagai. Das Mittelfeld wird durch die französische Weltklassespielerin Grace Geyoro und die niederländische Auswahlspielerin Danielle van de Donk verstärkt. Auch in der Offensive setzt der Klub auf internationale Klasse: Die Schwedin Kosovare Asllani sowie die Französinnen Delphine Cascarino und Kadidiatou Diani bilden ein beeindruckendes Ensemble. Mit Nicole Anyomi, die von Eintracht Frankfurt nach London wechselte, hat zudem eine der derzeit besten deutschen Nationalspielerinnen den Weg in die englische Hauptstadt gefunden. Dieser Transfer, bei dem Anyomi angeblich zu einer der bestbezahlten deutschen Spielerinnen im Ausland aufstieg, unterstreicht die enorme Anziehungskraft, die das Projekt London City Lionesses mittlerweile auf Top-Talente aus der Bundesliga ausübt.

Die Auswirkungen auf die deutsche Bundesliga

Die finanzielle Übermacht der Engländerinnen bleibt in Deutschland nicht ohne Folgen. Verantwortliche der Bundesliga, wie Katharina Kiel von Eintracht Frankfurt, warnen bereits davor, dass selbst der FC Bayern München nicht mehr alle Leistungsträgerinnen halten kann, da die Gehaltsunterschiede zu groß geworden sind. Auch bei Werder Bremen spürt man den Druck: Trainerin Friederike „Fritzy“ Kromp äußerte sich besorgt über die Überhitzung des Transfermarktes, auf dem mittlerweile sogar englische Zweitligisten höhere Summen zahlen können als gestandene Bundesligisten. Beim FC Bayern München räumte Sportdirektorin Bianca Rech offen ein, dass man sich im aktuellen Wettbewerb um Top-Spielerinnen hinten anstellen müsse. Die Sorge ist groß, dass weitere deutsche Nationalspielerinnen, wie etwa Franziska Kett oder Klara Bühl, aufgrund der attraktiven Bedingungen in England bald nicht mehr in der Bundesliga zu halten sein könnten. Die Entwicklung zeigt, dass die finanzielle Kluft zwischen der WSL und der deutschen Liga immer weiter auseinandergeht.

Einordnung der neuen Strukturen

Einzuordnen ist das Projekt der London City Lionesses als ein radikaler Bruch mit traditionellen Vereinsstrukturen im Frauenfußball. Während die meisten Top-Klubs in Europa an die Infrastruktur und die Marke eines großen Männervereins gekoppelt sind, verfolgen die Lionesses einen unabhängigen Weg. Die Strategie von Michele Kang, durch Multi-Club-Ownership Synergien zwischen Lyon, Washington und London zu schaffen, zielt darauf ab, eine globale Marke zu etablieren. Den Berichten zufolge ist dies eine bewusste Entscheidung, um den größten Fußballmarken auf der Insel sportlich und finanziell die Stirn zu bieten. Die hohen Investitionen in Spielerinnengehälter und die baldige Fertigstellung eines eigenen Trainingsgeländes im Südosten Londons signalisieren, dass es sich hierbei nicht um ein kurzfristiges Engagement handelt, sondern um den Aufbau einer langfristigen sportlichen Dominanz. Die Kritik an der Gehaltspolitik und die Frage nach der Einhaltung der Nachhaltigkeitsregeln begleiten diesen Prozess jedoch als ständige Begleiter.

Offene Fragen zur Zukunft

Trotz der klaren sportlichen Ambitionen bleiben einige Aspekte des Projekts London City Lionesses ungeklärt. Der Quelltext lässt offen, wie genau die finanzielle Lastenverteilung zwischen den drei Klubs von Michele Kang in der Praxis funktioniert, um die englischen Nachhaltigkeitsregeln einzuhalten. Ebenso bleibt unklar, wie der Verein langfristig ohne die Einnahmen aus einem großen Männer-Fan-Netzwerk eine organische Fanbasis aufbauen will, die über die bloße Anziehungskraft der Stars hinausgeht. Auch die Auswirkungen auf die Wettbewerbsintegrität der WSL werden in der Fachwelt diskutiert, doch konkrete Sanktionen oder regulatorische Anpassungen durch den englischen Verband sind bisher nicht benannt worden. Ob das Modell der „Weltauswahl“ auch sportlich zu Titeln führt, muss sich erst in der kommenden Saison beweisen, da große Namen allein noch keine eingespielte Mannschaft garantieren. Die langfristige Stabilität des Projekts bei einem potenziellen Rückzug der Investorin bleibt ebenfalls eine zentrale Unbekannte.

Der Weg in die neue Saison

Die unmittelbare Zukunft der London City Lionesses ist eng mit der Vorbereitung auf die neue Spielzeit verknüpft. Nach dem Testspiel gegen den Champions-League-Rekordsieger Olympique Lyon am 29. August in Frankreich richtet sich der Fokus voll auf den Ligastart am 4. September. Für die Bundesliga-Klubs hingegen beginnt der Alltag mit dem Supercup zwischen dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg am 15. August in Ingolstadt, gefolgt vom Saisonauftakt der Bundesliga bei Union Berlin am 21. August. Während sich die deutschen Vereine weiterhin mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie sie ihre besten Spielerinnen in einem überhitzten Markt halten können, werden die Lionesses genau beobachten, wie ihre teuren Neuzugänge in der englischen Liga performen. Die sportliche Entwicklung der kommenden Monate wird zeigen, ob die massiven Investitionen in London tatsächlich den erhofften Erfolg bringen oder ob die sportliche Konkurrenz in England, wie etwa Manchester United, den Herausforderer in die Schranken weisen kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/feld-dunkel-stadion-football-15867405/ · Foto: Monnivhoir Aymar Kouamé
Quelle: https://www.sportschau.de/fussball/mehr-frauenfussball/die-london-city-lionesses-verschieben-alle-grenzen,london-city-lionesses-mischen-frauenfussball-auf-100.html