Ein herber Rückschlag in Ägypten
Die Hoffnungen der Füchse Berlin auf einen großen Erfolg bei der diesjährigen Handball-Klub-Weltmeisterschaft haben sich zerschlagen. Nur wenige Tage nach der schmerzhaften Niederlage gegen den ungarischen Spitzenklub Veszprém mussten die Berliner in ihrem abschließenden Gruppenspiel eine weitere Enttäuschung hinnehmen. Vor den Toren Kairos unterlag der Handball-Bundesligist dem ägyptischen Gastgeber Al-Ahly SC mit 27:30. Das Ergebnis nach einer ausgeglichenen, aber fehleranfälligen ersten Halbzeit, in der die Berliner bereits mit 14:16 zurücklagen, besiegelt das Aus im Kampf um die vorderen Plätze. Für die Mannschaft von Trainer Jaron Siewert bedeutet dies, dass der Traum vom Titel oder einer Medaille ausgeträumt ist. Statt in die Finalrunde einzuziehen, findet sich das Team nun in der Platzierungsrunde wieder. Am kommenden Donnerstag wird Berlin gegen den brasilianischen Vertreter E.C. Pinheiros antreten, um zumindest den fünften Platz im Turnier zu sichern. Für einen Verein mit den Ambitionen der Füchse ist dieser Ausgang der Gruppenphase eine deutliche Enttäuschung, zumal das Team mit hohen Erwartungen in das Turnier gestartet war.
Die spielerischen Details der Niederlage
Der Spielverlauf gegen Al-Ahly SC offenbarte die aktuellen Probleme der Berliner Mannschaft deutlich. Bereits in der Anfangsphase geriet das Team durch eine hohe Fehlerquote im Angriff in Rückstand. Nach knapp vier Minuten leuchtete ein 2:5 auf der Anzeigetafel, was den Druck auf die Gäste früh erhöhte. Zwar gelang es den Berlinern zwischendurch, den Spielstand kurzzeitig zu drehen, doch die Führung hatte keinen Bestand. Matthes Langhoff präsentierte sich als bester Werfer der Füchse und erzielte acht Treffer, gefolgt von Aymeric Zaepfel, der sieben Tore beisteuerte. Dennoch blieb das Angriffsspiel über weite Strecken Stückwerk. Die Defensive der Berliner erwies sich als zu anfällig, was den Ägyptern ermöglichte, immer wieder durch große Lücken zu einfachen Toren zu gelangen. Keeper Lasse Ludwig war in vielen Situationen machtlos. Besonders schwer wog das Fehlen von Welthandballer Mathias Gidsel, der das gesamte Spiel über nur auf der Bank saß. Ohne ihren Leistungsträger fanden die Berliner gegen die robuste Abwehr der Gastgeber kaum Lösungen, was letztlich in einer verdienten Niederlage mündete.
Der schwierige Weg durch die Gruppenphase
Die Niederlage gegen Al-Ahly SC ist das Resultat einer insgesamt schwierigen Turnierwoche für die Berliner. Die Ausgangslage war bereits durch die vorangegangene 33:34-Pleite gegen Veszprém belastet. Diese knappe Niederlage gegen die Ungarn hatte den Druck vor dem letzten Gruppenspiel massiv erhöht. Die Mannschaft wirkte in den entscheidenden Momenten des Turniers nicht gefestigt genug, um den hohen Anforderungen der Klub-WM gerecht zu werden. Sowohl gegen Veszprém als auch gegen Al-Ahly SC zeigten sich ähnliche Muster: Eine hohe Fehlerquote in der Offensive und eine Defensive, die zu viele einfache Gegentore zuließ. Die Entscheidung, Mathias Gidsel gegen den ägyptischen Gastgeber komplett zu schonen, verdeutlichte zudem die personelle Abhängigkeit oder vielleicht auch eine taktische Vorsichtsmaßnahme, die jedoch sportlich nicht aufgegangen ist. Die Berliner mussten zusehen, wie ihr Rückstand nach dem Seitenwechsel auf fünf Tore anwuchs, ein Polster, das die Gastgeber bis zum Ende souverän verwalteten, auch wenn Berlin zwischenzeitlich noch einmal auf einen Treffer verkürzen konnte.
Die Akteure und ihre Rollen
Im Zentrum des Geschehens stand bei dieser Partie vor allem das Fehlen von Mathias Gidsel. Der Welthandballer, der normalerweise als Taktgeber und entscheidender Faktor im Spiel der Füchse fungiert, nahm während der gesamten 60 Minuten lediglich auf der Bank Platz. Dies zwang das übrige Team dazu, Verantwortung zu übernehmen, was jedoch nur bedingt gelang. Matthes Langhoff und Aymeric Zaepfel trugen zwar die Hauptlast in der Offensive, konnten das Fehlen des Stars jedoch nicht vollständig kompensieren. Auf der Gegenseite agierte Al-Ahly SC als geschlossene Einheit, die von der lautstarken Unterstützung des heimischen Publikums vor den Toren Kairos profitierte. Die physische Präsenz der ägyptischen Spieler stellte die Berliner Abwehr vor Probleme, die über die gesamte Spieldauer nicht gelöst werden konnten. Keeper Lasse Ludwig versuchte zwar, den Rückstand durch Paraden in Grenzen zu halten, war jedoch aufgrund der löchrigen Defensive oft auf sich allein gestellt. Die sportliche Leitung der Füchse steht nun vor der Aufgabe, die Gründe für diese schwache Turnierleistung aufzuarbeiten.
Einordnung und offene Fragen
Einzuordnen ist das Abschneiden der Füchse als deutlicher Rückschlag für die internationalen Ambitionen des Vereins. Den Berichten zufolge war die Mannschaft mit dem Ziel angereist, ein gewichtiges Wort bei der Vergabe der vorderen Plätze mitzureden. Dass man nun nur noch um den fünften Rang spielt, entspricht nicht dem eigenen Anspruch. Die hohe Fehlerquote in der Schlussphase, die bereits in der Partie gegen Veszprém zu beobachten war, deutet auf eine mangelnde mentale Stabilität in Drucksituationen hin. Dennoch bleiben einige Fragen offen: Warum wurde Mathias Gidsel gegen Al-Ahly SC komplett geschont, obwohl es um den Einzug in die nächste Runde ging? Gab es eine Verletzung, die im Vorfeld nicht kommuniziert wurde, oder war dies eine rein taktische Entscheidung des Trainers? Zudem stellt sich die Frage, wie die Mannschaft die physische Belastung und die taktische Einstellung gegen die robusten Gegner in den kommenden Wochen in der Bundesliga aufarbeiten will. Es ist unklar, welche personellen Konsequenzen oder taktischen Anpassungen Trainer Jaron Siewert für das letzte Spiel gegen E.C. Pinheiros plant, um den enttäuschenden fünften Platz noch zu sichern.