Ein taktischer Volltreffer in Dijon
Bei der vierten Etappe der Tour de France Femmes gelang der Schweizerin Marlen Reusser ein entscheidender Coup. Die amtierende Zeitfahr-Weltmeisterin sicherte sich den Tagessieg auf der 21 Kilometer langen Strecke von Gevrey-Chambertin nach Dijon. Mit einer Zeit von 27 Minuten und 30 Sekunden verwies sie die Konkurrenz auf die Plätze und übernahm damit das begehrte Gelbe Trikot der Gesamtführenden.
Für Reusser ist dieser Erfolg das Ergebnis einer langfristigen Planung. Bereits seit dem Start der Tour in der Schweiz hatte sie das Zeitfahren fest im Visier. „Plan Dijon“ nannte sie ihr Vorhaben, das nach einem Sturz auf der ersten Etappe zwischenzeitlich gefährdet schien. Dass sie nun in Gelb das Feld anführt, bezeichnete die Weltmeisterin als einen großen sportlichen Erfolg.
Herausfordernde Bedingungen auf der Strecke
Das Rennen war jedoch weit mehr als ein reiner Kraftakt gegen die Uhr. Die Fahrerinnen sahen sich mit schwierigen äußeren Bedingungen konfrontiert. Starke Böen und wechselnde Windverhältnisse prägten den Verlauf. Rolf Aldag, Sportlicher Leiter des Teams Canyon/SRAM, betonte im Nachgang, dass die Bedingungen keineswegs für alle Teilnehmerinnen identisch waren. Insbesondere Böen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90 km/h stellten eine erhebliche Herausforderung dar.
Auch die Athletinnen bestätigten die Schwierigkeiten. Antonia Niedermaier, die auf dem 24. Platz landete, beschrieb das Pacing bei Rückenwind und bergab führenden Passagen als äußerst komplex. Für viele Fahrerinnen stand daher nicht nur die Bestzeit im Fokus, sondern auch ein kluges Energiemanagement für die kommenden Tage.
Taktik und Fokus auf die Gesamtwertung
Während Reusser den Tagessieg feierte, nutzten andere Fahrerinnen das Zeitfahren, um Kräfte für die anstehenden Bergetappen zu schonen. Franziska Koch, die als beste Deutsche auf Platz 20 landete, agierte dabei vor allem in ihrer Rolle als Edelhelferin für Demi Vollering. Auch Liane Lippert und Linda Riedmann wählten eine kontrollierte Herangehensweise, um innerhalb des Zeitlimits zu bleiben und ihre Reserven für das Zentralmassiv zu bewahren.
In der Gesamtwertung ergibt sich nun ein spannendes Bild:
* **Marlen Reusser:** Führende im Gesamtklassement.
* **Demi Vollering:** Liegt auf dem zweiten Platz und bleibt die größte Herausforderin.
* **Cedrine Kerbaol:** Folgt auf dem dritten Rang.
Ein herber Rückschlag musste hingegen von der Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévot hingenommen werden. Die Mountainbike-Olympiasiegerin verlor über zwei Minuten auf die Spitze und büßte damit wertvollen Boden in der Gesamtwertung ein.
Ausblick: Das Zentralmassiv wartet
Nach dem Zeitfahren richtet sich der Blick nun auf die fünfte Etappe. Die Strecke zwischen Mâcon und Belleville-en-Beaujolais führt die Fahrerinnen in das Zentralmassiv. Auf einer Distanz von 140 Kilometern warten insgesamt 2.850 Höhenmeter und acht Anstiege auf das Peloton. Besonders der Mont Brouilly, zehn Kilometer vor dem Ziel, dürfte das Feld erneut selektieren.
Für die Gesamtführende Marlen Reusser beginnt damit eine neue Phase des Rennens: Als Trägerin des Gelben Trikots ist sie nun die Gejagte. Da sie über weniger Unterstützung durch ihr Team verfügt als manche Konkurrentin, wird die taktische Disziplin auf der hügeligen Etappe eine entscheidende Rolle spielen. Die Fahrerinnen bereiten sich intensiv auf die bevorstehende Belastung vor, wobei eine gute Regeneration nach dem harten Zeitfahren als Grundvoraussetzung für die kommenden Tage gilt.