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Was Napoleon verheimlichte: KI entschlüsselt bisher unlesbare Briefe
Technik · 08.11.2026 16:50

Was Napoleon verheimlichte: KI entschlüsselt bisher unlesbare Briefe

Kurz: Nach 217 Jahren wurde ein geheimer Brief Napoleons entschlüsselt. Ein Entwickler nutzte dafür die KI GPT-6 Astra und knackte den komplexen Code in sechs Stunden

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Ein historisches Rätsel, das über zwei Jahrhunderte lang ungelöst blieb, konnte nun durch den Einsatz moderner Künstlicher Intelligenz geklärt werden. Es geht um ein Schreiben von Napoleon Bonaparte aus dem März 1809, das an den Offizier Auguste de Marmont gerichtet war. Der Brief, der zu einer Zeit verfasst wurde, als ein bewaffneter Konflikt zwischen Frankreich und dem Habsburger Reich unmittelbar bevorstand, war durch ein komplexes Verschlüsselungssystem gesichert. Napoleon wollte sicherstellen, dass der Inhalt im Falle eines Abfangens durch feindliche Truppen geheim blieb. Über 217 Jahre hinweg blieb der Text für Historiker und Kryptografen ein unlesbares Dokument, da der ursprüngliche Entschlüsselungsschlüssel über die Jahrhunderte verloren gegangen war. Nun hat der Entwickler Carter Church, der bei der Cybersecurity-Firma SentinelOne tätig ist, mithilfe des KI-Modells GPT-6 Astra den Code gebrochen. Nach einer Rechenzeit von sechs Stunden lieferte die KI eine lesbare Übersetzung, die Licht auf die strategischen Truppenbewegungen Napoleons im damaligen Dalmatien wirft.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Fakten

Der fragliche Brief umfasst insgesamt etwa 1300 einzelne Zeichen, die sich aus einem Repertoire von 155 unterschiedlichen Symbolen zusammensetzen. Dieses System ist äußerst komplex, da es nicht nur aus einfachen Buchstaben besteht, sondern auch zweistellige Zahlen sowie vollkommen frei erfundene Symbole enthält. Historisch gesehen wurde der Brief von Napoleon über seinen Stiefsohn Eugene an Auguste de Marmont übermittelt, dessen Truppen damals in Dalmatien stationiert waren – einem Gebiet, das heute zu Kroatien gehört. Carter Church, der zuvor keine fachspezifischen Erfahrungen im Bereich der Kryptografie gesammelt hatte, nutzte für diesen Erfolg das Modell GPT-6 Astra von OpenAI. Die KI musste dabei nicht bei Null beginnen, da menschliche Experten in den vorangegangenen Jahrzehnten bereits 33 der verwendeten Symbole identifizieren konnten. Der Inhalt des Schreibens ist nun bekannt: Napoleon informierte Marmont über die Standorte seiner Armeeeinheiten. Dazu zählten unter anderem 40.000 bayerische Soldaten, die sich in der Nähe von München oder Passau befanden, sowie ein Elitekorps, das in Augsburg stationiert war.

Hintergrund – Die Geschichte der Verschlüsselung

Die Entstehung dieses Briefes fällt in eine hochgradig instabile Phase der europäischen Geschichte. Napoleon Bonaparte befand sich im Frühjahr 1809 in einer prekären militärischen Lage, da die Spannungen mit dem Habsburger Reich eskalierten. Die Verschlüsselung war eine notwendige Sicherheitsmaßnahme, um die strategische Planung vor den Augen des Gegners zu verbergen. Es wird davon ausgegangen, dass Auguste de Marmont den Brief seinerzeit erfolgreich lesen konnte, da er über den entsprechenden Schlüssel verfügte. Mit dem Verschwinden dieses Schlüssels im Laufe der Geschichte wurde der Brief zu einem unlösbaren Rätsel für die Nachwelt. Über Jahrzehnte hinweg versuchten Experten, die Symbole zu deuten. Dass die KI nun erfolgreich war, liegt an der Kombination aus moderner Rechenleistung und statistischen Methoden. Die KI wurde gezielt mit zeitgenössischer französischer Literatur und anderen Briefen von Marmont trainiert, um ein Verständnis für die Sprache und den Schreibstil der Epoche zu entwickeln. Dies ermöglichte es dem Modell, die kryptografischen Muster innerhalb des Textes zu erkennen und die Bedeutung der Symbole zu erschließen.

Die Beteiligten – Personen und Institutionen

Die Entschlüsselung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen menschlichem Einfallsreichtum und technologischer Leistungsfähigkeit. Carter Church, ein KI-Ingenieur bei der Cybersecurity-Firma SentinelOne, zeichnet für die Durchführung des Projekts verantwortlich. Er stützte sich bei seinem Vorhaben auf die Architektur von GPT-6 Astra, einem Sprachmodell von OpenAI. Eine wesentliche Inspirationsquelle für Church war ein anderer Entwickler namens Carter Leffen. Dieser hatte zuvor bereits erfolgreich eine Botschaft entziffert, die mit der legendären deutschen Enigma-Chiffriermaschine verschlüsselt worden war. Die historische Figur Napoleon Bonaparte sowie sein Stiefsohn Eugene und der Offizier Auguste de Marmont bilden den historischen Rahmen des Geschehens. Während die menschlichen Kryptografen der letzten Jahrzehnte die Vorarbeit leisteten, indem sie 33 Zeichen entschlüsselten, fungierte die KI als das Werkzeug, das die verbleibenden Lücken im System schließen konnte. Die Institutionen und Personen, die den Brief über Jahrhunderte verwahrten, werden im Quelltext zwar nicht explizit benannt, bilden jedoch die notwendige Grundlage für den Erhalt des Dokuments.

Einordnung – Die Methode der KI

Den Berichten zufolge ist die Entschlüsselung ein bemerkenswertes Beispiel für die Anwendung von KI-gestützter Statistik auf historische Daten. Das Modell GPT-6 Astra nutzte ein Verfahren, das als „simulierte Abkühlung“ bekannt ist. Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei dem durch ständiges „Trial and Error“ verschiedene Lösungsmöglichkeiten durchgespielt werden. Einzuordnen ist das so, dass die KI die gefundenen Kandidaten kontinuierlich mit statistischen Daten zur Häufigkeit von Buchstaben in der französischen Sprache jener Zeit abglich. Ein entscheidender Durchbruch gelang, als das System erkannte, dass es sich nicht um eine einfache Substitution handelte. Einige der Symbole standen nicht für einzelne Buchstaben, sondern repräsentierten ganze Worte. Ohne die statistische Fütterung mit zeitgenössischen Texten wäre die KI vermutlich an den frei erfundenen Symbolen gescheitert. Die Methode zeigt, dass KI-Systeme heute in der Lage sind, komplexe Muster in Daten zu erkennen, die für das menschliche Auge aufgrund ihrer schieren Komplexität und der fehlenden Referenzpunkte kaum zu durchdringen sind.

Offene Fragen – Was bleibt ungeklärt

Obwohl der Inhalt des Briefes nun weitgehend entschlüsselt ist, bleiben einige Fragen offen, die der Quelltext nicht beantwortet. Es wird beispielsweise nicht explizit dargelegt, wie genau die KI mit den „frei erfundenen Symbolen“ umging, die über die 33 bereits bekannten Zeichen hinausgingen. Ebenso bleibt unklar, ob der Brief noch weitere, bisher unentdeckte Nuancen oder versteckte Anweisungen enthält, die über die bloße Nennung der Truppenstandorte hinausgehen. Der Quelltext erwähnt zwar, dass die KI sechs Stunden lang rechnete, gibt jedoch keine Auskunft darüber, wie hoch die Fehlerrate bei der Übersetzung war oder ob es Passagen gibt, bei denen die KI lediglich Vermutungen anstellte. Auch die genaue Herkunft des Briefes vor der Entschlüsselung – also wo genau er über die Jahrhunderte aufbewahrt wurde – bleibt ein Detail, das im vorliegenden Text nicht weiter ausgeführt wird. Die Lücke zwischen der historischen Bedeutung der Truppenbewegungen und der tatsächlichen militärischen Auswirkung auf den Ausgang des Konflikts bleibt ebenfalls eine Frage, die eher Historiker als Informatiker beantworten müssten.

Wie es weitergeht

Nach dem Erfolg von Carter Church mit GPT-6 Astra stellt sich die Frage, welche historischen Dokumente als Nächstes einer solchen Analyse unterzogen werden könnten. Der Quelltext nennt keine konkreten Termine für weitere Projekte oder geplante Veröffentlichungen von Church. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Methode der „simulierten Abkühlung“ in Kombination mit großen Sprachmodellen nun vermehrt in der historischen Forschung Anwendung finden wird. Da der Entwickler selbst keine kryptografische Ausbildung hatte, zeigt dieses Beispiel, dass die Hürden für die Entschlüsselung historischer Geheimnisse durch den Einsatz von KI deutlich gesunken sind. Zukünftige Schritte könnten darin bestehen, weitere verschlüsselte Dokumente aus der napoleonischen Ära oder anderen Epochen mit ähnlichen Algorithmen zu untersuchen. Ob es weitere Briefe aus dem Umfeld von Marmont gibt, die auf eine ähnliche Entschlüsselung warten, bleibt abzuwarten. Die technologische Basis ist jedenfalls gelegt, und der Erfolg bei diesem Brief könnte den Weg für eine digitale Aufarbeitung zahlreicher bisher unlesbarer historischer Archive ebnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/futuristische-benutzeroberflache-auf-einem-laptop-mit-neon-tastatur-38117127/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://t3n.de/news/napoleon-brief-ki-entschluesselt-geheimcode-astra-1766406/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed