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Hitlergruß auf Volksfesten: So wehren sich Kirmesteams gegen Rechtsextreme
Regional · 08.11.2026 17:27

Hitlergruß auf Volksfesten: So wehren sich Kirmesteams gegen Rechtsextreme

Kurz: Kirmesteams im Schwalm-Eder-Kreis setzen ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und trainieren in Workshops den Umgang mit rassistischen Vorfällen auf Volksfesten.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Im Schwalm-Eder-Kreis haben sich Verantwortliche von Kirmesteams zusammengeschlossen, um aktiv gegen rechtsextreme Tendenzen auf Volksfesten vorzugehen. Hintergrund dieser Initiative sind wiederholte Vorfälle, bei denen es zu rassistischen Provokationen, volksverhetzenden Parolen und sogar zur Verwendung verbotener Symbole gekommen war. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, haben sich 29 Personen aus insgesamt zwölf verschiedenen Kirmesteams im Gemeindezentrum von Homberg-Holzhausen versammelt. Ziel des Workshops war es, Strategien zu entwickeln, wie rechtsextreme Unterwanderungsversuche frühzeitig erkannt und konsequent unterbunden werden können. Die Teilnehmer wollen verhindern, dass Kirmesveranstaltungen als Bühne für menschenverachtende Ideologien missbraucht werden. Die Initiative versteht sich dabei als präventive Maßnahme, um die Sicherheit und den friedlichen Charakter der traditionellen Feste zu wahren. Durch den Austausch untereinander und die Unterstützung durch Experten soll ein Bewusstsein geschaffen werden, das es den ehrenamtlichen Organisatoren ermöglicht, bereits im Vorfeld klare Grenzen zu ziehen und im Ernstfall professionell zu reagieren. Es geht darum, das Grundgesetz und demokratische Grundwerte auch im Kontext lokaler Brauchtumspflege fest zu verankern und gegen extremistische Einflüsse zu verteidigen.

Die Einzelheiten der Vorfälle

Die Notwendigkeit für dieses Engagement ergibt sich aus konkreten, dokumentierten Ereignissen des Jahres 2025. Ein besonders prägnanter Fall ereignete sich im Juni 2025 in Neukirchen. Dort nahm ein Kirmeswagen am Umzug teil, der mit einem rassistischen Banner bestückt war. Die darauf abgebildeten Migranten wurden in verunglimpfender Weise als „Räuber“ bezeichnet. Die Teilnehmer auf diesem Wagen traten zudem in einer Weise auf, die als „Talahons“ interpretiert wurde, wobei sie mit Pappmessern hantierten, was in der Öffentlichkeit für deutliche Kritik sorgte. Ein weiterer gravierender Vorfall wurde im September desselben Jahres aus Niedenstein gemeldet. Dort zeigten sechs Besucher während der Kirmes den Hitlergruß. Einer der Beteiligten präsentierte zudem offen Tattoos, die Hakenkreuze und SS-Runen zeigten. In diesem Fall wurde der Staatsschutz eingeschaltet, um die strafrechtlichen Konsequenzen zu prüfen. Obwohl es keine flächendeckenden statistischen Daten über die Häufigkeit solcher Vorfälle in Hessen gibt, verdeutlichen diese Beispiele, dass rechtsextreme Provokationen auf Volksfesten keine bloßen Einzelfälle sind, sondern ein ernstzunehmendes Problem darstellen, das die Veranstalter vor große Herausforderungen stellt und ein entschlossenes Handeln der Gemeinschaft erfordert.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Problematik rechtsextremer Unterwanderung ist im Schwalm-Eder-Kreis kein völlig neues Phänomen, sondern hat eine Vorgeschichte, die bis in die frühen 2000er Jahre zurückreicht. Tom Werner, der im Bereich der Demokratieförderung tätig ist, erinnert daran, dass es bereits damals zu massiven Vorfällen mit einem hohen Gewaltpotenzial kam. Diese richteten sich seinerzeit nicht nur gegen die Besucher der Feste, sondern auch gegen die einschreitenden Polizeikräfte. Über die Jahre hinweg habe sich die Dynamik gewandelt, wobei es neben direkter Gewalt auch immer wieder zu subtileren Provokationen und Bedrohungsszenarien kam, die unterhalb der Schwelle zur physischen Eskalation lagen. In einigen Fällen waren rechtsextreme Jugendliche sogar in Burschenschaften aktiv, wie es zuletzt in Neukirchen beobachtet wurde. Da die Vereinnahmung der Kirmesteams oft schleichend verläuft, wurde bei früheren Vorfällen oft erst im Nachhinein interveniert. In einem berichteten Fall mussten sich die Kirmesverantwortlichen sogar von Mitgliedern trennen, nachdem diese bereits eine rechtsextreme Haltung innerhalb des Teams etabliert hatten. Diese Erfahrung zeigt, wie wichtig es ist, bereits bei der Organisation und der Auswahl der Teilnehmer klare Wertevorstellungen zu kommunizieren, um eine schleichende Radikalisierung von innen heraus von vornherein zu unterbinden.

Die Beteiligten und Akteure

Die Initiative wird maßgeblich durch die Jugendförderung des Landkreises unterstützt. Als zentrale Akteure fungieren der Jugendbildungsreferent Lukas Heil sowie Tom Werner, der für die Demokratieförderung zuständig ist. Beide haben den Workshop organisiert und moderiert, um den Kirmesteams eine professionelle Anleitung zu bieten. Die Teilnehmer selbst sind ehrenamtliche Mitglieder aus zwölf verschiedenen Kirmesteams, die sich in ihrer Freizeit für den Erhalt und die Sicherheit der Volksfeste engagieren. Ein Beispiel für diese engagierte Basis ist Leopold Kaiser, der Vorsitzende des Kirmesteams Malsfeld. Er unterstreicht den Wert des Austauschs zwischen den verschiedenen Gruppen. Neben den zivilgesellschaftlichen Akteuren sind auch Vertreter der Polizei in den Prozess eingebunden, um eine fachliche Expertise bei der Einschätzung von Gefahrenlagen und bei der Erstellung von Alarmierungsketten zu gewährleisten. Diese Zusammenarbeit zwischen den jungen Organisatoren der Feste, den Experten für Demokratiebildung und den Sicherheitsbehörden bildet das Fundament für den angestrebten „sicheren Handlungsrahmen“. Durch die Vernetzung der verschiedenen Teams soll ein Gemeinschaftsgefühl entstehen, das den Einzelnen stärkt und die Widerstandsfähigkeit gegenüber extremistischen Einflüssen erhöht.

Einordnung der Maßnahmen

Einzuordnen ist das Engagement der Kirmesteams als eine Form der „Stärkung der Demokratie an der Basis“, wie Tom Werner betont. Den Berichten zufolge ist der Workshop nicht nur eine Reaktion auf akute Vorfälle, sondern ein notwendiger Schritt, um die strukturelle Integrität der Volksfeste zu bewahren. Die Strategie setzt darauf, dass die Veranstalter selbst zu Akteuren der Prävention werden. Indem klare Regeln für das Verhalten und die politische Einstellung innerhalb der Kirmesteams definiert werden, soll verhindert werden, dass rechtsextreme Kräfte die Feste als Projektionsfläche für ihre Ideologien nutzen können. Die Bedeutung dieser Arbeit liegt darin, dass Kirmesveranstaltungen in ländlichen Regionen oft eine zentrale soziale Funktion erfüllen. Wenn diese Orte durch rassistische Parolen oder rechtsextreme Symbole besetzt werden, leidet das gesellschaftliche Klima erheblich. Die Workshops bieten den Teilnehmern die Möglichkeit, durch das Durchspielen verschiedener Szenarien Sicherheit in der eigenen Urteilsbildung zu gewinnen. Das Ziel ist es, eine Eskalation zu vermeiden, indem man frühzeitig erkennt, wann eine Grenze überschritten wird, und dann geschlossen und mit Unterstützung von außen reagiert.

Offene Fragen und wie es weitergeht

Der Quelltext lässt einige Aspekte offen, die für das Verständnis des Gesamtbildes relevant sein könnten. So wird nicht explizit beantwortet, wie die rechtsextremen Gruppierungen auf die zunehmende Gegenwehr der Kirmesteams reagieren oder ob es bereits zu direkten Drohungen gegen die Organisatoren der Workshops gekommen ist. Auch bleibt unklar, inwiefern andere Landkreise in Hessen ähnliche Strategien verfolgen oder ob der Schwalm-Eder-Kreis hier eine isolierte Vorreiterrolle einnimmt. Ebenso fehlen Informationen darüber, ob es rechtliche Hindernisse bei der Umsetzung von Ausschlusskriterien für Kirmesteilnehmer gibt. Wie es weitergeht, ist hingegen klar definiert: Die Vernetzungsworkshops sind als fortlaufender Prozess angelegt. Nachdem bereits ein zweiter Durchgang stattgefunden hat, ist ein weiterer Termin fest geplant. Die Verantwortlichen setzen darauf, dass die erarbeiteten Alarmierungsketten und Handlungsanweisungen in der kommenden Kirmessaison direkt angewendet werden können. Ziel ist es, für das nächste Jahr eine solide Aufstellung zu erreichen, bei der die Kirmesteams in der Lage sind, bei Extremsituationen professionell Hilfe von außen anzufordern und sich gegenseitig zu stützen, um die Sicherheit für alle Besucher zu garantieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/rathaus-zittau-im-morgenlicht-deutschland-33000553/ · Foto: Niklas Jeromin
Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/hitlergruss-auf-volksfesten-so-wehren-sich-kirmesteams-gegen-rechtsextreme-v1,kirmesteams-gegen-extremismus-100.html