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Verlag - Westermann schließt Zwickauer Druckerei - 170 Jobs weg
Schlagzeilen · 28.07.2026 21:52

Verlag - Westermann schließt Zwickauer Druckerei - 170 Jobs weg

Kurz: Das Traditionsunternehmen Westermann schließt seinen Druckstandort in Zwickau. 170 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle aufgrund schwieriger Marktbedingungen.

Ein Einschnitt für den Standort Zwickau

Die Westermann Gruppe hat die Schließung ihres Druckereistandorts in Zwickau angekündigt. Von dieser Entscheidung sind 170 Beschäftigte betroffen. Wie eine Sprecherin des Verlags bestätigte, ist die Einstellung der Produktion für den 31. August vorgesehen. Dieser Schritt markiert das Ende eines langjährigen Industriebetriebs, der tief in der Region verwurzelt war.

Gründe für die Betriebsaufgabe

Als maßgebliche Ursache für die Schließung nannte das Unternehmen anhaltend schwierige Marktbedingungen in Deutschland. Laut dem kaufmännischen Geschäftsführer der Westermann Gruppe, Blümer, habe die Produktion trotz umfangreicher Investitionen in moderne Maschinentechnik ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren. Als zentrale Faktoren wurden die hohen Personal- und Energiekosten innerhalb Deutschlands identifiziert, die im direkten Vergleich mit osteuropäischen Anbietern zu einem deutlichen Nachteil führten.

Zudem leidet die gesamte Branche derzeit unter Überkapazitäten bei gleichzeitig sinkender Nachfrage. Die Kombination aus diesen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen habe zu einem starken Rückgang der Auftragslage geführt, der den Betrieb in Zwickau langfristig nicht mehr tragfähig machte.

Historische Bedeutung der Druckerei

Die Geschichte des Standorts reicht bis in die 1950er Jahre zurück, als der Betrieb als sogenannte Volksdruckerei gegründet wurde. In der Zeit der DDR fungierte das Unternehmen als wichtiger Dienstleister für alle bedeutenden Verlage des Landes. Neben der Produktion hochwertiger Bildbände, die unter anderem in die Sowjetunion exportiert wurden, war der Standort ein fester Bestandteil der Industrielandschaft. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde die Druckerei von der Westermann Gruppe übernommen.

Spezialisierung und Verlagerung

Der Zwickauer Betrieb war zuletzt auf hochwertige Druckerzeugnisse im Vierfarbdruck spezialisiert. Dazu zählten insbesondere Kinder- und Jugendbücher, Fachbücher sowie Reiseführer. Schulbücher, die ein Kerngeschäft des Westermann-Verlags darstellen, wurden in Zwickau hingegen nur in geringem Umfang gefertigt; dieser Schwerpunkt liegt weiterhin am Hauptstandort in Braunschweig. Der gesamte Auftragsbestand des Zwickauer Werks soll nun nach Braunschweig verlagert werden.

Die Verlagsgruppe selbst ist überregional vor allem für das Lernsystem LÜK (Lerne, Übe, Kontrolliere) bekannt. Das markante System mit dem roten Kasten und den weißen Plättchen wurde 1967 von dem Wilhelmshavener Verleger Heinz Vogel entwickelt und nur ein Jahr später in das Portfolio von Westermann integriert.

Unterstützung für die Belegschaft

Für die 170 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Unternehmen Maßnahmen zur Abfederung der sozialen Folgen angekündigt. Den Beschäftigten soll der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten werden. Ziel dieses Modells ist es, die Arbeitnehmer bei der beruflichen Neuorientierung zu unterstützen, Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten und sie aktiv bei der Suche nach neuen Beschäftigungsverhältnissen auf dem Arbeitsmarkt zu begleiten.

Die Schließung in Zwickau verdeutlicht den hohen Anpassungsdruck, dem sich produzierende Unternehmen in Deutschland derzeit gegenübersehen. Während die Verlagsgruppe ihre Kapazitäten am Standort Braunschweig bündelt, bleibt für die Region Zwickau der Verlust eines traditionsreichen Industriebetriebs, der über Jahrzehnte hinweg die Verlagslandschaft mitgeprägt hat.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-person-festhalten-halten-5511633/ · Foto: Mike van Schoonderwalt
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/westermann-schliesst-zwickauer-druckerei-170-jobs-weg-100.html