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Urgestein der Verlasgbranche: Der Vollblutverleger
Kultur · 06.08.2026 16:07

Urgestein der Verlasgbranche: Der Vollblutverleger

Kurz: Der Hildesheimer Verleger W. Georg Olms ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Ein Nachruf auf einen Pionier der deutschen Verlagslandschaft und Araber-Experten

Ein Leben für das wissenschaftliche Buch

Mit dem Tod von Walter Georg Olms verliert die deutsche Verlagsbranche eine ihrer prägenden Gründerfiguren der Nachkriegszeit. Der Hildesheimer Verleger, der den Vornamen Walter in der Öffentlichkeit stets als „W.“ abkürzte, verstarb am 29. Juli im Alter von 99 Jahren. Sein beruflicher Werdegang ist eng mit dem Wiederaufbau und der Etablierung wissenschaftlicher Standards in der deutschen Literaturlandschaft verknüpft.

Der Grundstein für sein Lebenswerk wurde im Jahr 1953 gelegt, als Olms die Buchhandlung seines Vaters in Hildesheim übernahm. Mit unternehmerischem Weitblick wandelte er das Geschäft in ein wissenschaftliches Antiquariat um. Nur fünf Jahre später, 1958, folgte die Gründung des Georg Olms Verlags. Dieser entwickelte sich rasch zu einer festen Größe, insbesondere durch die spezialisierte Herausgabe von Nachdrucken wissenschaftlicher Standardwerke.

Ein breites wissenschaftliches Spektrum

Das Verlagsprogramm unter der Leitung von Olms zeichnete sich durch eine beeindruckende fachliche Breite aus. Zu den Schwerpunkten zählten unter anderem:

* Islamwissenschaften und Archäologie

* Geschichte und Philosophie

* Musik-, Sprach- und Literaturwissenschaften

* Theologie

Auch nach der Übergabe der Geschäftsführung an seinen Sohn Dietrich Olms, der bereits 1991 in das Unternehmen eingetreten war, blieb der Senior dem Betrieb eng verbunden. Ein Arbeitspensum von mindestens 40 Stunden pro Woche war für ihn bis ins hohe Alter die Regel. Erst vor drei Jahren fand ein bedeutender Umbruch statt, als der Verlag an die Nomos Verlagsgesellschaft, ein Tochterunternehmen von C. H. Beck, verkauft wurde. Die Tradition des Hauses lebt in der „Edition Olms“ weiter, die heute von seinem Sohn Manfred in Zürich geführt wird.

Anerkennung im In- und Ausland

Für seine Verdienste um die Wissenschaft und das Verlagswesen erhielt Olms zahlreiche Auszeichnungen. Er wurde unter anderem mit Ehrendoktorwürden der Universitäten Urbino und Frankfurt geehrt und trug den Titel eines Senators der Universität Hildesheim. Diese Ehrungen unterstreichen den Stellenwert, den seine Arbeit in der akademischen Welt genoss.

Leidenschaft für die Zucht asiler Araberpferde

Neben seiner verlegerischen Tätigkeit war Olms als Experte für asile Araberpferde weltweit bekannt. Als Präsident des internationalen Asil Clubs widmete er sich der Zucht dieser Vollblüter, deren Abstammung direkt auf die Wüstenstämme der Arabischen Halbinsel zurückgeht. Sein Fachwissen auf diesem Gebiet verschaffte ihm in Saudi-Arabien hohes Ansehen. Er galt als geschätzter Gast im dortigen Königshaus und war ein stilsicherer Gastgeber für Emire, etwa bei der Frankfurter Buchmesse.

Ein wacher Geist und ein Mann des geschriebenen Wortes

Zeitzeugen beschreiben Olms als disziplinierten und drahtigen Mann, der zeitlebens die Kultur des Briefschreibens pflegte. Korrespondenzen von ihm waren oft mit geschliffenen Gedanken in schriftlicher Form versehen. Eine besondere Verbindung pflegte er zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die er seit 1949 regelmäßig las und sich selbst als deren „treuester Leser“ bezeichnete. Sein Tod markiert das Ende einer Ära für einen Verleger, der über Jahrzehnte hinweg mit bewundernswertem Einsatz die wissenschaftliche Publizistik mitgestaltete.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schloss-herrenhausen-in-hannover-deutschland-38260918/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/verleger-walter-georg-olms-gestorben-201102449.html