Was geschehen ist – die Kernmeldung zur Berliner Senatskrise
Unmittelbar vor der anstehenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 zeichnet sich ein historisch einmaliges Bild der politischen Stimmung ab. Wie eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag der ARD belegt, befindet sich die Zufriedenheit der Berlinerinnen und Berliner mit der Arbeit ihres Senats auf einem absoluten Tiefpunkt. Lediglich jeder fünfte Wahlberechtigte, also 20 Prozent der Befragten, äußert sich positiv zur Regierungsarbeit der amtierenden Koalition aus CDU und SPD. Damit rangiert die Berliner Landesregierung im bundesweiten Vergleich auf dem letzten Platz. Kein anderes Bundesland verzeichnete vor einer anstehenden Wahl jemals derart schlechte Zustimmungswerte. Die Erhebung verdeutlicht eine tiefgreifende Entfremdung zwischen der Bevölkerung und der politischen Führung der Hauptstadt, die kurz vor dem Urnengang eine Zäsur für das politische Berlin darstellt. Die Stimmung ist geprägt von einer weit verbreiteten Skepsis gegenüber dem Regierungshandeln, was sich in der massiven Ablehnung von 77 Prozent der Befragten widerspiegelt, die mit der Arbeit der Koalition „weniger“ oder „gar nicht“ zufrieden sind.
Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und die Stimmung in der Bevölkerung
Die Daten von Infratest Dimap liefern ein detailliertes Bild der politischen Lage. Während 20 Prozent der Befragten mit dem Senat zufrieden oder sehr zufrieden sind, verweigern 77 Prozent der Befragten der Regierung ihr Vertrauen. Zum Vergleich: Die Vorgängerregierung aus SPD, Grünen und Linken hatte im Februar 2023 bereits einen niedrigen Wert von 24 Prozent erreicht, der nun noch einmal unterboten wurde. Im bundesweiten Vergleich schneiden andere Bundesländer deutlich besser ab; so erreichten Regierungen in Sachsen-Anhalt 31 Prozent, in Thüringen 39 Prozent und in Bremen 41 Prozent Zustimmung. Die höchsten Werte in vergleichbaren Vorwahlphasen wurden in Schleswig-Holstein mit 75 Prozent und Hamburg mit 61 Prozent gemessen. Auch bei den eigenen Anhängern der Regierungsparteien ist die Unzufriedenheit groß: 56 Prozent der CDU-Anhänger und 72 Prozent der SPD-Anhänger bewerten die Senatsarbeit negativ. Bei den Oppositionsparteien sind die Werte noch drastischer: Grüne (82 Prozent), Linke (83 Prozent) und AfD (96 Prozent) lehnen die Arbeit des Senats nahezu geschlossen ab. Die Befragung wurde unter 1.171 wahlberechtigten Personen in Berlin durchgeführt.
Hintergrund – Der Weg in die politische Unzufriedenheit
Die aktuelle Stimmung ist nicht isoliert zu betrachten, sondern steht in der Kontinuität einer Entwicklung, die bereits bei der letzten Wahl zum Abgeordnetenhaus im Februar 2023 ihren Anfang nahm. Damals war die Zufriedenheit mit der rot-rot-grünen Vorgängerregierung bereits auf den damals außergewöhnlich niedrigen Wert von 24 Prozent gesunken. Die aktuelle Umfrage zeigt nun, dass die Hoffnung auf eine Trendwende durch den Regierungswechsel zur CDU-SPD-Koalition bei einer breiten Mehrheit der Berliner Bevölkerung nicht erfüllt wurde. Vielmehr hat sich die Unzufriedenheit weiter verschärft und einen neuen Tiefpunkt erreicht, der seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2001 vor Wahlen in Berlin nicht mehr gemessen wurde. Die wirtschaftliche Lage der Stadt wird von den Bürgern heute zudem deutlich kritischer bewertet als noch vor drei Jahren. Diese negative Grundstimmung zieht sich durch alle politischen Lager, wobei insbesondere die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Entwicklung als „weniger gut“ oder „schlecht“ mit 75 Prozent der Befragten einen besorgniserregenden Höchststand markiert. Dies stellt eine Verschlechterung um zwölf Prozentpunkte gegenüber dem Februar 2023 dar.
Die Beteiligten – Spitzenkandidaten und ihre Wahrnehmung
Der Wahlkampf 2026 ist laut der Erhebung nicht von einer hohen Popularität der Spitzenkandidierenden geprägt. Bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der politischen Arbeit führt Elif Eralp von der Linken mit 27 Prozent Zustimmung. Dahinter folgen der CDU-Kandidat Stefan Evers mit 21 Prozent und der SPD-Politiker Steffen Krach mit 20 Prozent. Werner Graf von den Grünen und die AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker kommen jeweils auf 11 Prozent. Ein zentrales Problem für die Akteure ist jedoch der hohe Grad an Unbekanntheit: Viele Befragte konnten keine Angaben machen oder kannten die Kandidaten schlicht nicht. Besonders auffällig ist dies bei Werner Graf (66 Prozent Unbekanntheitsgrad) und Kristin Brinker (60 Prozent). Auch bei Steffen Krach und Stefan Evers gaben jeweils 46 Prozent der Befragten an, die Person nicht ausreichend einschätzen zu können. Selbst bei der vergleichsweise bestplatzierten Elif Eralp lag dieser Wert noch bei 43 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Spitzenkandidaten es bisher kaum geschafft haben, eine breite öffentliche Resonanz oder eine persönliche Bindung zur Wählerschaft aufzubauen.
Einordnung – Was die Zahlen für Berlin bedeuten
Einzuordnen ist das Ergebnis als ein deutliches Warnsignal für die politische Kultur in der Hauptstadt. Die Tatsache, dass die Berliner Landesregierung bundesweit die unbeliebteste vor einer Wahl ist, deutet auf eine strukturelle Krise des Vertrauens hin. Den Berichten zufolge ist die Unzufriedenheit nicht nur ein Ausdruck tagespolitischer Debatten, sondern spiegelt eine tiefe Sorge um die wirtschaftliche Situation der Metropole wider. Dass sowohl die Anhänger der Regierungsparteien als auch die der Opposition in großer Zahl die wirtschaftliche Lage als schlecht einstufen, unterstreicht, dass die Kritik über parteipolitische Grenzen hinweg konsensfähig ist. Die schlechte Bewertung der wirtschaftlichen Lage durch 75 Prozent der Befragten – ein Anstieg um zwölf Prozentpunkte seit 2023 – zeigt, dass die wirtschaftspolitischen Maßnahmen des Senats bei den Bürgern nicht die erhoffte Wirkung entfalten. Die Umfrageergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Wähler den Parteien derzeit kaum zutrauen, die drängenden Probleme der Stadt, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich, effektiv anzugehen.
Offene Fragen – Was die Daten nicht beantworten
Obwohl die Umfrage von Infratest Dimap ein umfassendes Bild der Unzufriedenheit liefert, bleiben für den Beobachter einige Fragen offen. Der Quelltext gibt keinen Aufschluss darüber, welche spezifischen politischen Entscheidungen oder Ereignisse der letzten Monate den größten Anteil an der massiven Unzufriedenheit haben. Es bleibt unklar, ob die Kritik primär an der Person des Regierenden Bürgermeisters, an der Koalitionsstruktur oder an konkreten Sachthemen wie Wohnungsbau, Verkehrspolitik oder Bildung festgemacht wird. Zudem beantwortet die Erhebung nicht, wie sich die hohe Unbekanntheit der Spitzenkandidaten auf das tatsächliche Wahlverhalten auswirken wird. Es bleibt offen, ob die Wähler am Wahltag eher aus Protest gegen den Senat stimmen oder ob die Unkenntnis über die Köpfe zu einer höheren Nichtwählerquote führen könnte. Auch der Zusammenhang zwischen der schlechten wirtschaftlichen Bewertung und der konkreten Wahrnehmung der Senatsarbeit wird in den vorliegenden Daten nicht weiter kausal aufgeschlüsselt, was Spielraum für verschiedene Interpretationen der Wählerintention lässt.