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Russlands Antwort auf Starlink floppt: Keiner der 16 neuen Satelliten erreicht geplante Umlaufbahn
Politik · 03.09.2026 11:00

Russlands Antwort auf Starlink floppt: Keiner der 16 neuen Satelliten erreicht geplante Umlaufbahn

Kurz: Russlands ehrgeiziges Projekt Rassvet zur Schaffung eines eigenen Satelliten-Internets erleidet einen massiven Rückschlag: 16 Satelliten verfehlten ihre Umlaufb

Ein schwerwiegender Rückschlag für die russische Raumfahrt

Das russische Vorhaben, mit dem Projekt Rassvet eine eigenständige, leistungsfähige Alternative zum globalen Satelliten-Internet Starlink des US-Unternehmens SpaceX zu etablieren, hat einen herben Dämpfer erhalten. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, ist die jüngste Mission, bei der insgesamt 16 Satelliten des Typs Rassvet-3 in den Weltraum befördert werden sollten, als gescheitert zu betrachten. Die Trägerrakete vom Typ Sojus-2.1b brachte die Fracht zwar in den Orbit, doch die Satelliten selbst konnten die für ihren Betrieb notwendige Zielhöhe nicht erreichen. Dieser Vorfall stellt einen signifikanten technologischen Rückschlag für die Ambitionen Moskaus dar, die eigene digitale Souveränität im Bereich der satellitengestützten Kommunikation zu sichern. Die satellitengestützte Internetversorgung ist für moderne militärische Operationen von entscheidender Bedeutung, weshalb der Ausfall dieser 16 Einheiten nicht nur ein technisches, sondern auch ein strategisches Problem für Russland darstellt. Die geplante Infrastruktur sollte die Abhängigkeit von ausländischen Systemen beenden und die militärische Kommunikationsfähigkeit unter schwierigen Bedingungen gewährleisten.

Technische Details und der aktuelle Status der Satelliten

Die Analyse des US-amerikanischen Thinktanks Institute for the Study of War (ISW), die sich auf Daten des Satelliten-Trackers N2YO stützt, zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Mission. Während die Rassvet-Satelliten für eine stabile Betriebshöhe von 870 Kilometern ausgelegt sind, verharren die meisten der 16 betroffenen Einheiten in einer deutlich niedrigeren Umlaufbahn zwischen 300 und 400 Kilometern. In diesen geringen Höhen ist der Luftwiderstand in den oberen Schichten der Erdatmosphäre signifikant höher, was die Lebensdauer der Satelliten drastisch verkürzt. Die Beobachtungen des ISW bestätigen zudem, dass einige der Satelliten bereits einen unkontrollierten Abstieg eingeleitet haben. Zwei dieser Exemplare befinden sich den Berichten zufolge sogar auf einem direkten Kurs für einen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, was ihren vollständigen Verlust bedeutet. Die Diskrepanz zwischen der geplanten Zielhöhe von 870 Kilometern und der tatsächlichen Position macht einen kommerziellen oder militärischen Betrieb dieser Charge unmöglich. Die technische Ursache für das Verfehlen der Umlaufbahn wird in den vorliegenden Daten nicht detailliert erläutert, doch die Auswirkungen sind für das gesamte Projekt gravierend.

Die Vorgeschichte und der strategische Druck

Das Projekt Rassvet wurde im Juni 2023 mit einem ersten Teststart von drei Satelliten initiiert, gefolgt von drei weiteren Einheiten im Mai 2024. Der enorme Zeitdruck, unter dem das Moskauer Unternehmen Bureau 1440 steht, resultiert maßgeblich aus dem Verlauf des Konflikts in der Ukraine. Anfang 2026 sahen sich russische Truppen mit einer kritischen Situation konfrontiert: Sie waren auf die illegale Nutzung von Starlink-Terminals angewiesen, bis die Ukraine SpaceX dazu bewegte, diesen Zugang für russische Einheiten zu unterbinden. Dieser plötzliche Verlust der Kommunikationsinfrastruktur zwang Russland dazu, die Entwicklung und den Start der Rassvet-Satelliten massiv zu beschleunigen. Ursprünglich war der kommerzielle Betrieb für das Jahr 2027 vorgesehen, mit dem Ziel, bis 2028 ein Netzwerk von über 600 Satelliten im All zu haben. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass die Eile, mit der das Programm vorangetrieben wird, die Zuverlässigkeit und den Erfolg der Missionen gefährdet. Die Dringlichkeit, die durch die Blockade des Starlink-Systems entstand, hat Russland in eine strategische Zwangslage versetzt, aus der es sich nun mühsam zu befreien versucht.

Die Akteure und ihre Rolle im Projekt

Zentraler Akteur hinter dem Rassvet-Projekt ist das Moskauer Unternehmen Bureau 1440, das mit der technischen Umsetzung und dem Betrieb der Satellitenkonstellation betraut ist. Die Trägerraketen, die für den Transport der Hardware in den Weltraum sorgen, stammen aus der Sojus-Baureihe, deren Produktionsstätten laut Berichten des ISW zunehmend in den Fokus ukrainischer Angriffe geraten. Diese Angriffe auf die industrielle Infrastruktur erschweren den Aufbau des Satellitennetzwerks zusätzlich. Auf internationaler Ebene beobachtet das Institute for the Study of War (ISW) die Fortschritte Russlands sehr genau und liefert die Analysen, die den aktuellen Misserfolg dokumentieren. Die russischen Streitkräfte fungieren als primärer Nutzer und Treiber des Projekts, da sie für ihre Operationen in der Ukraine dringend auf eine zuverlässige, von westlichen Anbietern unabhängige Internetverbindung angewiesen sind. Die Interaktion zwischen dem privaten Entwickler Bureau 1440, der staatlichen Raketenproduktion und dem militärischen Bedarf bildet das komplexe Geflecht, in dem sich das Rassvet-Projekt derzeit bewegt.

Einordnung der technologischen Herausforderungen

Einzuordnen ist das Scheitern der zweiten Rassvet-3-Mission als ein schwerer Rückschlag für die russische Raumfahrtindustrie. Experten und Beobachter weisen darauf hin, dass der Aufbau eines funktionierenden Satelliten-Internets weit mehr erfordert als nur den Start einer Handvoll Satelliten. Um eine stabile und flächendeckende Internetverbindung, insbesondere in einem aktiven Konfliktgebiet wie der Ukraine, zu gewährleisten, wären nach Einschätzungen des ISW mindestens 200 Satelliten im Orbit notwendig. Der aktuelle Erfolg ist jedoch gering: Selbst die erste Charge vom 24. März 2026 war lediglich ein Teilerfolg, bei dem nur zwölf der 16 Satelliten ihre Zielhöhe erreichten. Diese zwölf Einheiten ermöglichten den russischen Streitkräften lediglich zwei Zeitfenster von jeweils bis zu 90 Minuten pro Tag für die Kommunikation mit Bodenterminals. Dies verdeutlicht, wie weit Russland noch von einer echten Alternative zu Starlink entfernt ist. Die Kombination aus technologischen Fehlern bei den Starts und der physischen Bedrohung der Produktionskapazitäten durch den Krieg macht das Vorhaben zu einem riskanten Unterfangen.

Offene Fragen und der weitere Ausblick

Obwohl die Berichte den Misserfolg der jüngsten Mission belegen, bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Es ist unklar, welche spezifischen technischen Defekte an der Sojus-2.1b oder den Rassvet-Satelliten selbst zum Verfehlen der Umlaufbahn führten. Auch bleibt offen, wie Bureau 1440 den Zeitplan für den kommerziellen Betrieb im Jahr 2027 angesichts der aktuellen Rückschläge und der zerstörten Satelliten halten will. Ebenso wenig ist bekannt, welche konkreten Gegenmaßnahmen die russische Führung plant, um die Produktionsstätten für die Sojus-Raketen besser gegen Angriffe zu schützen. Die Zukunft des Projekts hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, die Zuverlässigkeit der Trägersysteme und der Satelliten signifikant zu steigern. Ohne eine stabile Erfolgsrate bei den Starts wird das Ziel, bis 2028 über 600 Satelliten im All zu haben, kaum erreichbar sein. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Russland die technologischen Hürden überwinden kann oder ob das Projekt Rassvet unter dem Druck der militärischen Notwendigkeiten und der industriellen Engpässe weiter an Stabilität verliert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/weisse-satellitenschussel-33153/ · Foto: Pixabay
Quelle: https://t3n.de/news/russlands-starlink-floppt-rassvet-satelliten-1761269/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed