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Telekom-Chef Tim Höttges: Mobilfunk von SpaceX soll für Telekom keine Bedrohung sein
Auto · 06.08.2026 15:15

Telekom-Chef Tim Höttges: Mobilfunk von SpaceX soll für Telekom keine Bedrohung sein

Kurz: Telekom-Chef Tim Höttges sieht im Mobilfunk von SpaceX keine Gefahr für das Kerngeschäft. Satelliten seien lediglich eine Ergänzung, kein Ersatz für terrestrisc

Satelliten als Ergänzung, nicht als Ersatz

Die Ankündigung von SpaceX, mit einer Kombination aus Satelliten- und bodengebundener Infrastruktur in den Mobilfunkmarkt einzusteigen, hat in der Branche für Aufsehen gesorgt. Doch bei der Deutschen Telekom gibt man sich gelassen. Konzernchef Tim Höttges betonte nach der jüngsten Quartalszahlenvorlage, dass er in den Plänen von Elon Musks Unternehmen keine existenzielle Bedrohung für das eigene Geschäft sieht. Vielmehr werde die Satelliten-Technologie als sinnvolle Ergänzung wahrgenommen, um Funklöcher in entlegenen Gebieten zu schließen, in denen terrestrische Netze derzeit nicht verfügbar sind.

Technische Hürden für SpaceX

Die Skepsis gegenüber den Ambitionen von SpaceX gründet primär auf physikalischen und infrastrukturellen Gegebenheiten. Während SpaceX-President Gwynne Shotwell den Aufbau eines „echten Mobilfunkdienstes“ in Aussicht stellt, verweisen Experten auf die massive Diskrepanz zwischen den Kapazitäten etablierter Anbieter und dem neuen Herausforderer.

Ein entscheidender Punkt ist die Bandbreite. Während die Telekom allein in den USA über ein Spektrum von 385 MHz verfügt, kann SpaceX derzeit auf lediglich 65 MHz zurückgreifen. Analysten wie David Barden von New Street Research halten den Versuch, mit diesem Bruchteil an Kapazität ein über Jahrzehnte gewachsenes Netz mit insgesamt 1000 MHz Bandbreite zu imitieren, für kaum realisierbar. Zudem kämpft die Satelliten-Technologie mit physikalischen Gesetzen: Da die Signale weite Strecken zurücklegen müssen, nimmt die Signalstärke im Quadrat zur Entfernung ab. Dies führt dazu, dass der Empfang in Gebäuden oft unmöglich ist und die Übertragungsraten derzeit kaum über einfache SMS oder Sprachtelefonie hinausgehen.

Die Rolle der terrestrischen Infrastruktur

SpaceX hat zwar durch den Zukauf von Frequenzlizenzen von Echostar den Grundstein für eine eigene bodengebundene Infrastruktur gelegt, doch der Aufbau eines flächendeckenden Netzes ist kosten- und zeitintensiv. Branchenbeobachter wie Craig Moffett von MoffettNathanson gehen davon aus, dass SpaceX ohne eine MVNO-Partnerschaft (Mobile Virtual Network Operator) mit einem der etablierten Mobilfunkanbieter kaum in der Lage sein wird, innerhalb der nächsten fünf Jahre ein konkurrenzfähiges Angebot für Privatkunden zu etablieren.

Die Telekom verfolgt hier einen pragmatischen Ansatz: Sie hat bereits Vereinbarungen mit SpaceX für die „Direct-to-Device“-Technologie getroffen, sowohl für den US-Markt (Gen 1) als auch für Europa (Gen 2). Damit sichert sich der Konzern den Zugriff auf die Satelliten-Technologie, um die eigene Netzabdeckung dort zu verbessern, wo klassische Mobilfunkmasten nicht wirtschaftlich betreibbar sind.

Marktreaktion und Ausblick

Die Ankündigung von SpaceX, verstärkt in den terrestrischen Markt drängen zu wollen, führte an den Börsen kurzzeitig zu Kursverlusten bei den großen Anbietern wie Verizon, AT&T und T-Mobile US. Die Aktien gaben zwischen 1 und 2,4 Prozent nach, was die Nervosität der Anleger widerspiegelt.

Dennoch bleibt die Telekom bei ihrer Einschätzung: Das eigene terrestrische Netz, das auf einer hohen Dichte an Antennen basiert, bietet eine Kapazität und Zuverlässigkeit, die aus dem All derzeit nicht abgebildet werden kann. Für die Zukunft ist davon auszugehen, dass das Zusammenspiel zwischen terrestrischen Netzen und Satelliten-Lösungen weiter an Bedeutung gewinnen wird, wobei die etablierten Telco-Konzerne die Satellitenbetreiber eher als Partner denn als direkte Konkurrenten sehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/malersiche-fahrt-auf-nebelstrasse-mit-windturbinen-28521626/ · Foto: Arlind D
Quelle: https://www.golem.de/news/telekom-chef-tim-hoettges-mobilfunk-von-spacex-soll-fuer-telekom-keine-bedrohung-sein-2608-211680.html