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Glasfasermarkt: Telekom vorerst weiter zweiter Sieger
Technik · 03.09.2026 18:25

Glasfasermarkt: Telekom vorerst weiter zweiter Sieger

Kurz: Der Glasfasermarkt in Deutschland wächst, doch die Telekom bleibt hinter ihren Wettbewerbern zurück. Der Breko fordert nun eine klare Kupferabschaltung.

Der aktuelle Stand des Glasfaserausbaus in Deutschland

Der deutsche Glasfasermarkt befindet sich in einer entscheidenden Phase, in der die Dynamik zwischen den verschiedenen Akteuren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Aktuellen Daten zufolge ist der Ausbau weit fortgeschritten: Fast zwei Drittel, konkret 62 Prozent, aller Wohn- und Geschäftseinheiten verfügen bereits über eine Glasfaseranbindung in der Erde. Ein noch präziserer Blick auf den Stand im Juni 2026 zeigt, dass bei knapp 30 Prozent der Gebäude – exakt 29,8 Prozent – der Anschluss bereits vollständig realisiert ist. Trotz dieser beeindruckenden Infrastrukturzahlen bleibt die zentrale Herausforderung der Branche die sogenannte Take-Up-Rate, also die tatsächliche Buchungsquote der Kunden. Die neueste Marktanalyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, die im Auftrag des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko) erstellt wurde, liefert hierzu aufschlussreiche Erkenntnisse. Zwar konnten im vergangenen Zeitraum 1,3 Millionen neue Kunden für Glasfaserzugänge gewonnen werden, doch der prozentuale Zuwachs stagniert auf dem Niveau des Vorjahres. Aktuell entscheiden sich lediglich drei von fünf Haushalten, die theoretisch einen Glasfaseranschluss nutzen könnten, auch tatsächlich für einen entsprechenden Vertrag. Dies verdeutlicht, dass der bloße Ausbau der Infrastruktur noch nicht automatisch zu einer flächendeckenden Nutzung führt.

Diskrepanz zwischen Telekom und Wettbewerbern

Ein wesentlicher Aspekt der aktuellen Marktsituation ist das deutliche Gefälle zwischen dem ehemaligen Monopolisten Deutsche Telekom und den alternativen Wettbewerbern. Die Zahlen des IW Köln belegen eine klare Dominanz der Konkurrenz in Bezug auf die tatsächliche Marktdurchdringung. Während die Telekom auf 2,4 Millionen gebuchte Anschlüsse kommt, verzeichnen die Wettbewerber mit insgesamt 5,5 Millionen gebuchten Verträgen mehr als das Doppelte. Auch bei den Investitionen in die Infrastruktur zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Konkurrenz hat bisher 16,8 Millionen Einheiten mit Lichtwellenleitern erschlossen, wohingegen die Telekom mit 11,9 Millionen Einheiten deutlich zurückbleibt. Diese Daten unterstreichen, dass die Telekom trotz ihrer historischen Marktposition in der aktuellen Ausbauphase eher die Rolle des Herausforderers einnimmt, während die Wettbewerber das Marktwachstum maßgeblich vorantreiben. Die Diskrepanz zwischen den bereits verlegten Leitungen und den tatsächlich abgeschlossenen Verträgen bleibt dabei das zentrale Spannungsfeld, in dem sich die Akteure bewegen, um ihre Marktanteile langfristig zu sichern und die Rentabilität ihrer massiven Investitionen zu gewährleisten.

Politische Zielsetzungen und die Prognose für 2030

Die politische Zielsetzung für das Jahr 2030 ist ambitioniert und dient als Fixpunkt für die gesamte Branche. Die Ökonomen des IW Köln prognostizieren, dass bis zu diesem Zeitpunkt zwischen 84,1 und 89,5 Prozent aller deutschen Haushalte und Unternehmen in die Nähe eines Glasfaseranschlusses kommen werden. Lediglich etwa einer von zehn Haushalten könnte dann noch ohne eine solche Anbindung auskommen. Ein Meilenstein, der für das Jahr 2030 erwartet wird, ist der Moment, in dem die Anzahl der gebuchten Glasfaseranschlüsse die der klassischen DSL-Anschlüsse übersteigt. Diese Prognose ist jedoch eng mit den regulatorischen Rahmenbedingungen verknüpft, die derzeit im Rahmen der Novellierung des Telekommunikationsgesetzes diskutiert werden. Die Branche blickt dabei mit einer Mischung aus Hoffnung und Sorge auf die kommenden gesetzlichen Änderungen. Es geht um nicht weniger als die Weichenstellung für die digitale Infrastruktur der nächsten Jahrzehnte, wobei die Frage der Kupferabschaltung eine zentrale Rolle einnimmt, um den Übergang zur modernen Glasfasertechnologie ökonomisch sinnvoll zu gestalten und die notwendigen Anreize für weitere Investitionen zu setzen.

Die Rolle der Kupferabschaltung und regulatorische Forderungen

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) macht sich stark für eine konsequente Kupferabschaltung, um den Glasfaserausbau voranzutreiben. Die Forderung der Netzbetreiber ist klar: Wenn die Telekom flächendeckend Glasfaser anbietet, sollte die VDSL-Infrastruktur schrittweise vom Netz genommen werden. Dies würde Kunden dazu bewegen, auf die neue Technologie umzusteigen. Eine klare gesetzliche Regelung, die an eine Versorgungsquote von 85 Prozent der Haushalte (Homes passed) geknüpft ist, würde laut einer Befragung unter 128 Netzbetreibern die Investitionsbereitschaft der Mitglieder deutlich erhöhen. Auch ein Verkaufsstopp für DSL-Produkte sowie eine kleinräumige Abschaltstrategie, orientiert an den Kabelverzweigern, werden als wirksame Instrumente angesehen. Die Branche sieht hier einen notwendigen Schritt, um das veraltete Kupfernetz abzulösen. Stephan Albers, der Geschäftsführer des Breko, betont, dass in Regionen mit sehr hoher Ausbauquote, wie etwa in Schleswig-Holstein mit 94 Prozent oder Hamburg mit 92,5 Prozent, der Prozess bereits jetzt eingeleitet werden könnte. Das Ziel einer flächendeckenden Glasfaserversorgung bis 2030 oder 2035 wird von den Akteuren als erreichbar eingestuft, sofern die politischen Rahmenbedingungen, wie etwa der Digital Networks Act, entsprechend gestaltet werden.

Regionale Unterschiede und die Herausforderungen beim Ausbau

Der Glasfaserausbau in Deutschland ist durch ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle gekennzeichnet, das die Planung und Umsetzung erheblich beeinflusst. Während der Norden, insbesondere Schleswig-Holstein und Hamburg, bereits sehr hohe Durchdringungsraten aufweist, stehen andere Regionen noch vor größeren Aufgaben. In den fünf ostdeutschen Flächenländern sowie in Niedersachsen und Hessen liegt der Anteil der erschlossenen Gebäude bei etwa 65 bis 76 Prozent. Besonders in den bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern ist nach wie vor ein erheblicher Aufwand an Vorarbeiten notwendig, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Diese regionalen Unterschiede verdeutlichen, dass eine einheitliche Strategie für das gesamte Bundesgebiet nur schwer umsetzbar ist. Die Akteure müssen sich auf die spezifischen Gegebenheiten vor Ort einstellen, was den Prozess komplex macht. Die Forderung nach einer klaren gesetzlichen Regelung für die Abschaltung des Kupfernetzes wird daher auch als Mittel gesehen, um in den bereits weit ausgebauten Regionen den letzten Schritt zur vollständigen Glasfaser-Migration zu vollziehen.

Die Konkurrenz durch Koaxialkabel und Marktdynamiken

Ein oft übersehener Faktor in der Debatte um den Glasfaserausbau ist die Rolle der Koaxialkabel-Netze. Diese bieten im DOCSIS-3.1-Standard ebenfalls Gigabit-Geschwindigkeiten und stellen damit eine ernstzunehmende Konkurrenz für reine Glasfaseranbieter dar. Da Glasfasernetze meist von einem einzigen Anbieter ausgebaut werden, entsteht dort ein De-facto-Monopol, das durch die Kabelnetzbetreiber herausgefordert wird. Wenn diese Anbieter ihre Tarife unter das Niveau der Glasfaseranbieter drücken, könnte dies die Effekte einer VDSL-Abschaltung abschwächen. Die Glasfaserunternehmen fürchten, dass die erhoffte Migration der Kunden ausbleibt, wenn preisgünstige Alternativen über das Kabelnetz verfügbar bleiben. Diese Marktdynamik macht die Kalkulation für Investoren schwierig. Zudem zeigt sich, dass die staatliche Förderung des Glasfaserausbaus hinter den Erwartungen zurückbleibt. Von den bereitgestellten 21 Milliarden Euro des Bundes wurden zwar 18,6 Milliarden bewilligt, jedoch sind erst 7,4 Milliarden Euro tatsächlich ausgezahlt worden. Diese Verzögerungen bei der Mittelabfrage bremsen den Ausbau zusätzlich und werfen Fragen zur Effizienz der staatlichen Förderprogramme auf.

Offene Fragen und regulatorische Unsicherheiten

Trotz der detaillierten Marktanalyse bleiben einige Fragen unbeantwortet, die für die weitere Entwicklung des Marktes von entscheidender Bedeutung sind. So bleibt unklar, wie genau die gesetzlichen Bedingungen für die Endkunden in Häusern ausgestaltet werden sollen, insbesondere im Hinblick auf die Verpflichtung von Eigentümern zum Glasfaserausbau. Auch die genaue Ausgestaltung eines möglichen Endes der Kupferkabel-Telefonnetze sowie die Zukunft der Koaxialkabel-Infrastruktur sind Gegenstand politischer Auseinandersetzungen, für die noch keine endgültigen Lösungen vorliegen. Der Quelltext lässt zudem offen, wie die Bundesregierung auf die Forderung nach einer Beschleunigung der Auszahlungen aus dem Fördertopf reagieren wird. Die Diskrepanz zwischen bewilligten und ausgezahlten Mitteln deutet auf bürokratische Hürden hin, deren Beseitigung jedoch nicht konkret adressiert wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Novellierung des Telekommunikationsgesetzes auf die Investitionsbereitschaft auswirkt und ob die gesetzten Ziele für 2030 ohne eine radikale Änderung der regulatorischen Rahmenbedingungen tatsächlich realisiert werden können.

Ausblick auf die kommenden Schritte und Entscheidungen

Die nächsten Jahre werden entscheidend für das Erreichen der Breitbandziele sein. Die Branche wartet gespannt auf die Novellierung des Telekommunikationsgesetzes, die den Rahmen für die kommenden Jahre abstecken wird. Die Diskussionen um die Kupferabschaltung, die Rechte der Endkunden und die Rolle der Kabelnetzbetreiber werden die politische Agenda bestimmen. Für die Netzbetreiber geht es darum, Planungssicherheit zu gewinnen, um die notwendigen Investitionen in Milliardenhöhe tätigen zu können. Die Forderung nach einer klaren Strategie für die Abschaltung der VDSL-Infrastruktur wird dabei ein zentraler Punkt bleiben. Gleichzeitig müssen die Akteure Wege finden, die Take-Up-Rate zu erhöhen, damit die bereits verlegten Glasfaseranschlüsse auch wirtschaftlich genutzt werden. Die Entwicklung bis 2030 wird zeigen, ob die aktuelle Strategie der Branche und der Politik aufgeht oder ob weitere regulatorische Eingriffe notwendig sein werden, um Deutschland flächendeckend mit moderner Glasfasertechnologie zu versorgen. Die Branche ist bereit, doch die Rahmenbedingungen müssen den Weg für eine effiziente und zügige Umsetzung ebnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/leuchtend-blaue-sim-karte-mit-abnehmbarem-mikrochip-33092906/ · Foto: Pascal 📷
Quelle: https://www.heise.de/news/Glasfasermarkt-Telekom-vorerst-weiter-zweiter-Sieger-11440628.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag