Ein Sommer zwischen EM-Bühne und Vereinsalltag
Für Ben Nink verlief die Sommerpause alles andere als gewöhnlich. Während viele seiner Teamkollegen beim SV Wehen Wiesbaden die Zeit zur Regeneration nutzten, stand der 19-Jährige für die U19-Nationalmannschaft des DFB bei der Europameisterschaft in Wales auf dem Platz. Der straffe Zeitplan mit Spielen im Drei-Tages-Rhythmus forderte den jungen Defensivspieler körperlich und mental, doch die Erfahrung zahlte sich aus: Mit dem Gewinn der Silbermedaille kehrte Nink nach Hessen zurück.
Obwohl das Finale gegen Spanien verloren ging, überwiegt bei dem Nachwuchstalent der Stolz. Die intensive Turnierteilnahme, bei der er in allen fünf Partien zum Einsatz kam, hat ihm neues Selbstvertrauen verliehen. Dieses Momentum möchte er nun nutzen, um beim SVWW den nächsten Karriereschritt zu vollziehen.
Rückkehr mit Ambitionen
Die vergangene Spielzeit war für Nink von Herausforderungen geprägt. Nach seinem Profidebüt im August 2024, das er bereits im Alter von 17 Jahren feierte, bremste ihn eine langwierige Verletzung aus. In der Folge blieb ihm der Durchbruch im Profikader verwehrt. Nun jedoch zeigt sich der Youngster kämpferisch: Er möchte verletzungsfrei bleiben, mehr Einsatzzeit sammeln und beweisen, dass er sportlich einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht hat.
Trainer Daniel Scherning beobachtete die Fortschritte seines Schützlings während der EM genau. Er attestiert Nink eine „breite Brust“ und lobt dessen Fähigkeit, sich auch auf ungewohnten Positionen durchzusetzen. Während Nink beim DFB zumeist auf der linken Seite agierte, sieht er seine Stärken primär auf der rechten Außenbahn, da er dort seinen stärkeren rechten Fuß optimal einsetzen kann.
Kampf um die rechte Außenbahn
Die personelle Situation beim SV Wehen Wiesbaden bietet Nink neue Perspektiven. Durch den Abschied von Rekordspieler Sascha Mockenhaupt ist die rechte Seite in der Defensive vakant. Zwar gilt Neuzugang Philipp Hercher als erster Anwärter auf diese Position, doch Trainer Scherning betont, dass man Nink viel zutraue und er seine Chancen erhalten werde.
Um sich dauerhaft in der 3. Liga zu etablieren, muss der Defensivspezialist jedoch noch an einigen Stellschrauben drehen:
* **Körperliche Härte:** Scherning fordert, dass Nink die physische Intensität der 3. Liga noch stärker in sein Spiel integriert.
* **Offensivdrang:** Als gelernter Verteidiger liegt sein Fokus traditionell auf der Absicherung. Dennoch zeigte er bei der EM bereits Ansätze, sich in das Angriffsspiel einzuschalten, etwa durch die Vorbereitung eines Treffers.
* **Konstanz:** Mit bereits 21 Drittliga-Einsätzen auf dem Konto verfügt er über erste Erfahrungen, die er nun in regelmäßige Spielzeit ummünzen will.
Perspektiven für die neue Saison
Der SV Wehen Wiesbaden setzt auf die Entwicklung des Eigengewächses, das bereits seit der U13 alle Nachwuchsmannschaften des Vereins durchlaufen hat. Scherning lobt insbesondere Ninks Variabilität mit dem Ball, seine Ruhe unter Druck sowie seine Qualitäten im Kopfballspiel. Die Hoffnung im Verein ist groß, dass der Schwung aus dem ereignisreichen Sommer direkt in den Liga-Alltag übertragen werden kann.
Für Nink geht es nun darum, die im Turnier gewonnenen Erfahrungen in die tägliche Trainingsarbeit einzubringen. Die Konkurrenzsituation auf seiner bevorzugten rechten Seite könnte dabei als Katalysator wirken, um die geforderte Härte und offensive Durchschlagskraft zu entwickeln. Sollte ihm dies gelingen, könnte er in der kommenden Spielzeit zu einer festen Größe im Defensivverbund des SVWW reifen.