Ein Verband unter Druck
Der südkoreanische Fußballverband (KFA) sieht sich derzeit mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert, die das Ansehen des Sports im Land massiv beschädigen. In einer offiziellen Stellungnahme hat der Verband eingeräumt, sich in einer „desolaten Situation“ zu befinden. Die KFA-Führung entschuldigte sich in aller Form bei der Öffentlichkeit für die jüngsten Ereignisse, die für erhebliche Unruhe gesorgt haben. Man wolle die aktuelle Kritik nun als Anlass nehmen, um eine grundlegende Erneuerung der Verbandsstrukturen einzuleiten.
Vorwürfe um Schiedsrichter-Bestechung
Im Zentrum der Kritik stehen Berichte über sexuelle Dienstleistungen, die der Verband ausländischen Schiedsrichtern finanziert haben soll. Wie aus Unterlagen einer staatlichen Prüfung und entsprechenden Kreditkartenabrechnungen hervorgeht, sollen diese Vorfälle den Zeitraum zwischen 2011 und 2012 betreffen. Insgesamt stehen mindestens sieben Länderspiele im Fokus der Ermittlungen.
Ein besonders brisanter Fall betrifft das WM-Qualifikationsspiel gegen Kuwait im Februar 2012. Damals soll der Verband zwei japanischen Schiedsrichterassistenten den Besuch eines Massagesalons bezahlt haben, in dem sexuelle Dienstleistungen angeboten wurden. Südkorea gewann die Partie mit 2:0 und sicherte sich damit den Einzug in die nächste Qualifikationsrunde. Bisher gibt es jedoch keine Beweise dafür, dass die Schiedsrichter aufgrund dieser Zuwendungen aktiv einseitige Entscheidungen zugunsten der südkoreanischen Nationalmannschaft getroffen haben. Der KFA betont zudem, dass die Vorgänge über ein Jahrzehnt zurückliegen und viele aktuelle Mitglieder des Verbandes keine Kenntnis von diesen Praktiken gehabt hätten.
Razzia und Unregelmäßigkeiten bei der Trainerauswahl
Neben den historischen Bestechungsvorwürfen belasten aktuelle Ermittlungen den Verband. Am Donnerstag führten Polizeikräfte eine Razzia in den Räumlichkeiten des KFA durch. Im Fokus der Behörden steht unter anderem der Ernennungsprozess für den ehemaligen Nationaltrainer Hong Myung-bo. Es besteht der Verdacht, dass hochrangige Funktionäre unzulässig in die Personalentscheidung eingegriffen haben könnten, ohne dabei die regulären Bewerbungsprozesse einzuhalten.
Hong Myung-bo, der bereits bei der Weltmeisterschaft 2014 als Trainer tätig war, wurde 2024 überraschend erneut für das Amt berufen. Seine zweite Amtszeit war jedoch von sportlichem Misserfolg geprägt. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden der „Roten Teufel“ in der Gruppenphase der diesjährigen Weltmeisterschaft in Amerika stand Hong massiv in der Kritik. Infolge des frühen WM-Aus trat er von seinem Posten als Nationaltrainer zurück.
Hintergrund und Ausblick
Die Kombination aus den aufgedeckten Praktiken der Vergangenheit und den aktuellen Zweifeln an der Integrität der Verbandsführung hat den KFA in eine existenzielle Krise gestürzt. Während der Verband eine „grundlegende Erneuerung“ verspricht, zeigen die polizeilichen Ermittlungen, dass die Aufarbeitung der internen Abläufe erst am Anfang steht. Die öffentliche Empörung über die fragwürdige Besetzung des Trainerpostens sowie die moralischen Verfehlungen bei der Betreuung internationaler Unparteiischer setzen die Verantwortlichen unter enormen Handlungsdruck.