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Studie mit 5.000 Schülern: So stark beeinflussen Instagram und Tiktok die Schulnoten
Technik · 03.08.2026 17:00

Studie mit 5.000 Schülern: So stark beeinflussen Instagram und Tiktok die Schulnoten

Kurz: Eine neue Studie mit über 5.000 Schülern zeigt: Wer früh Social-Media-Accounts nutzt, schneidet in der Schule messbar schlechter ab. Welche Gründe dahintersteck

Früher Start in soziale Netzwerke korreliert mit schwächeren Noten

Eltern stehen oft vor der Frage, ab welchem Alter ein eigenes Smartphone und der Zugang zu sozialen Netzwerken wie TikTok oder Instagram sinnvoll sind. Die Sorge, dass die digitale Ablenkung zulasten der schulischen Leistungen geht, ist weit verbreitet. Eine aktuelle, im Fachblatt *Nature Human Behaviour* veröffentlichte Untersuchung der University of Milano-Bicocca stützt diese Befürchtung nun mit einer groß angelegten Datenbasis.

Das Forschungsteam um Marco Gui analysierte die Daten von über 5.000 Schülerinnen und Schülern. Dabei stand eine zentrale Frage im Fokus: Hat das Alter, in dem ein erstes Social-Media-Konto erstellt wurde, einen messbaren Einfluss auf den späteren schulischen Erfolg? Die Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt – jene, die bereits vor der neunten Klasse in sozialen Medien aktiv waren, und jene, die erst ab der neunten Klasse, also im Alter von etwa 14 oder 15 Jahren, einen Account anlegten.

Deutliche Leistungsunterschiede in Kernfächern

Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein klares Bild. Schülerinnen und Schüler, die bereits in der sechsten, siebten oder achten Klasse soziale Medien nutzten, erbrachten in späteren Leistungstests in Mathematik, der Muttersprache Italienisch sowie in weiteren Fächern im Durchschnitt schlechtere Ergebnisse als ihre Altersgenossen, die mit der Anmeldung länger gewartet hatten. Zudem stellten die Forschenden fest, dass die Gruppe der frühen Nutzer häufiger Klassen wiederholen musste.

Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet das Fach Englisch. Hier zeigten sich keine Leistungsunterschiede zwischen den Gruppen. Die Studienautoren vermuten, dass die allgegenwärtige Präsenz englischsprachiger Inhalte auf Plattformen wie Instagram oder TikTok den Jugendlichen dabei hilft, die Sprache informell zu erwerben, was den negativen Einfluss der Mediennutzung in diesem speziellen Bereich ausgleichen könnte.

Ursachenforschung: Ablenkung und kognitive Last

Obwohl die Studie einen ursächlichen Zusammenhang nahelegt – wobei Faktoren wie das Bildungsniveau der Eltern und der sozioökonomische Hintergrund der Familien bereits herausgerechnet wurden –, sind die genauen Mechanismen noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Die Forschenden diskutieren mehrere plausible Erklärungsansätze:

* **Ablenkung:** Die ständige Verfügbarkeit von Inhalten und Benachrichtigungen unterbricht Lernphasen und verkürzt die Zeitspannen, in denen sich Jugendliche konzentriert einer Aufgabe widmen können.

* **Zeitmanagement:** Die Zeit, die in sozialen Netzwerken verbracht wird, steht nicht mehr für das Lernen oder die Hausaufgaben zur Verfügung.

* **Kognitive Überlastung:** Die enorme Informationsdichte der Plattformen könnte das Arbeitsgedächtnis überfordern, was die Aufnahme von Lernstoff erschwert.

Experten wie Christian Montag, Professor für Kognitions- und Neurowissenschaften, betonen besonders den Effekt der ständigen Unterbrechungen durch Push-Benachrichtigungen, die das tiefe Konzentrationsvermögen nachhaltig beeinträchtigen können.

Politische Konsequenzen und internationale Debatten

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse treffen auf eine hitzige politische Debatte. Weltweit wird diskutiert, ob der Zugang zu sozialen Netzwerken für Minderjährige gesetzlich eingeschränkt werden sollte. Frankreich nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und plant ein Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren. Auch in Deutschland, Spanien, Österreich und Griechenland gibt es Bestrebungen, ähnliche Altersgrenzen festzulegen.

Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, bewertet die Studie als methodisch fundiert und warnt vor der Tragweite der Ergebnisse. Er weist darauf hin, dass der Leistungsunterschied zwischen den Gruppen in der achten oder zehnten Klasse bereits einem halben Schuljahr entspreche – ein Wert, den er als dramatisch einstuft. Er hält die Ergebnisse für direkt auf andere westliche Länder übertragbar.

Bildung statt reiner Verbote

Nicht alle Experten sehen in einem generellen Verbot den Königsweg. María Paz Prendes Espinosa, Professorin für Bildungstechnologie an der University of Murcia, gibt zu bedenken, dass Technologie ein fester Bestandteil der heutigen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen sei. Ein bloßes Verbot löse die damit verbundenen Probleme nicht. Stattdessen plädiert sie für eine gezielte Schulung der jungen Menschen. Ziel müsse es sein, eine Medienkompetenz zu fördern, die es den Jugendlichen ermöglicht, den Umgang mit digitalen Werkzeugen in ihrem realen Alltag souverän zu beherrschen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fashion-mode-freunde-schule-6217826/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://t3n.de/news/social-media-kinder-schulnoten-1756078/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed