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Stromkrise durch Niedrigwasser der Donau - Rumänien sprengt Felsen
Schlagzeilen · 03.08.2026 17:10

Stromkrise durch Niedrigwasser der Donau - Rumänien sprengt Felsen

Kurz: Die Donau führt historisch wenig Wasser. Rumänien greift nun zu Sprengungen, um die Kühlung des AKW Cernavoda zu sichern, während die Energiekrise weite Teile E

Ein Fluss am Limit: Die Energieversorgung unter Druck

Die anhaltende Hitze und der damit verbundene drastische Rückgang des Donaupegels haben in Südosteuropa eine ernsthafte Energiekrise ausgelöst. Da viele Kraftwerke, insbesondere Atomkraftwerke, auf eine kontinuierliche Wasserzufuhr zur Kühlung angewiesen sind, stehen die Betreiber vor massiven Herausforderungen. Rumänien, Ungarn und Serbien sehen sich gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen, um einen kompletten Zusammenbruch der Stromversorgung zu verhindern.

Rumänien: Sprengungen als letztes Mittel

In Rumänien steht das Atomkraftwerk Cernavoda im Zentrum der Bemühungen. Die Anlage, die für die nationale Stromversorgung von entscheidender Bedeutung ist, führt derzeit nur noch etwa zwei Drittel der für diese Jahreszeit üblichen Wassermenge. Um den Zufluss zum Kraftwerk zu optimieren, haben die Behörden bei Izvoarele einen Felsen im Flussbett gesprengt.

Die Strategie dahinter ist komplex: Die durch die Sprengung gelösten Gesteinsmassen sollen mit Lastkähnen an eine andere Stelle verbracht werden, um dort den Wasserstand gezielt zu beeinflussen. Ob diese Maßnahme den gewünschten Effekt erzielt und das Kraftwerk vor einer vollständigen Abschaltung bewahrt, bleibt laut offiziellen Angaben ungewiss. Verteidigungsminister Radu Miruta betonte jedoch, dass die Sprengung neben dem wasserwirtschaftlichen Aspekt auch die Schifffahrt erleichtere. Ein erster Reaktor des Standorts wurde bereits in der Vorwoche präventiv heruntergefahren.

Industrielle Auswirkungen und Sparappelle

Die Energieknappheit bleibt nicht auf den Energiesektor beschränkt. Die rumänische Regierung hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, den Stromverbrauch aktiv zu senken. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind bereits spürbar: Bedeutende Industriebetriebe wie die Autobauer Dacia und Ford haben ihre Produktion vorübergehend eingestellt, um das Stromnetz zu entlasten.

Ungarn: Beispiellose Krise am Standort Paks

Auch in Ungarn spitzt sich die Lage zu. Das einzige Atomkraftwerk des Landes in Paks, das etwa 90 Kilometer südlich von Budapest liegt, steht vor einer möglichen Komplettabschaltung. Nach Angaben von Ministerpräsident Peter Magyar ist derzeit nur noch eine der vier Turbinen in Betrieb. Der Standort Paks deckt nahezu die Hälfte des ungarischen Strombedarfs ab.

Die ungarische Regierung bereitet sich auf den Ernstfall vor: Sollten freiwillige Einsparungen nicht ausreichen, könnten verbindliche Reduzierungen angeordnet werden. Auch eine gezielte Trennung von Großverbrauchern vom Netz wird als Option in Betracht gezogen. Der Pharmakonzern Richter hat bereits reagiert und angekündigt, seinen Stromverbrauch in den kommenden drei Wochen um mehr als 50 Prozent zu drosseln.

Regionale Auswirkungen: Serbien und darüber hinaus

Die Problematik erstreckt sich über die Landesgrenzen hinaus. In Serbien leidet die Energieproduktion unter dem niedrigen Pegelstand, was dazu geführt hat, dass ein bedeutendes Wasserkraftwerk nur noch mit 20 Prozent seiner Kapazität arbeitet. Ministerpräsident Djuro Macut appellierte eindringlich an die Bürger, den Einsatz von energieintensiven Geräten zu minimieren.

Die Situation an der Donau ist symptomatisch für einen breiteren Trend in Europa. Auch andere wichtige Wasserstraßen, wie etwa der Rhein, verzeichnen extrem niedrige Wasserstände. Dies hat dazu geführt, dass auf politischer Ebene, etwa durch das Bundesverkehrsministerium, ein Expertentreffen einberufen wurde, um die Auswirkungen auf die Infrastruktur und die Versorgungssicherheit zu bewerten.

Die kommenden Tage werden entscheidend sein. Sollten die Pegelstände nicht signifikant steigen oder die getroffenen technischen Maßnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen, könnten in den betroffenen Ländern weitere Abschaltungen von Kraftwerken und eine Verschärfung der restriktiven Maßnahmen für die Industrie und Privathaushalte unvermeidlich werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wasser-brucke-fluss-herbst-16403769/ · Foto: Incze Sándor Zoltán
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/rumaenien-donau-100.html