Was geschehen ist – die Kernmeldung
In Frankfurt am Main hat sich ein gesellschaftliches Modell etabliert, das gezielt gegen die zunehmende Vereinsamung in städtischen Räumen vorgeht. Der Verein „Freunde alter Menschen“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch die Vermittlung von persönlichen Besuchspartnerschaften eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen. Dabei werden ältere Menschen, die häufig isoliert in ihren Wohnungen leben, mit jüngeren Ehrenamtlichen zusammengebracht. Die Initiative, die ursprünglich in Berlin ihren Ursprung hat, betreibt in Frankfurt eine aktive Zweigstelle. Das Ziel ist es, nicht nur die Einsamkeit der Senioren zu lindern, sondern auch einen lebendigen Austausch zwischen verschiedenen Lebenswelten zu ermöglichen. Dass dieses Konzept erfolgreich ist, zeigen die zahlreichen bestehenden Tandems, bei denen sich über die Zeit echte zwischenmenschliche Freundschaften entwickelt haben. Die Begegnungen finden dabei in einem privaten, ungezwungenen Rahmen statt, wobei die Freiwilligen den Senioren als Gesprächspartner und Begleiter im Alltag zur Seite stehen. Dieses Engagement wurde bereits mit dem „Frankfurter Bürgerpreis im Ehrenamt“ gewürdigt, was die gesellschaftliche Relevanz der Arbeit unterstreicht.
Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte
Der Verein „Freunde alter Menschen“ betreut in Frankfurt aktuell 93 sogenannte „alte Freunde“, also Senioren, die sich eine Besuchspartnerschaft wünschen. Insgesamt konnten die Gründerinnen Cleo Matzken und Sophie Krausch bereits 110 solcher Paare erfolgreich zusammenführen. Die beiden Frankfurterinnen, die den Standort im Jahr 2020 ins Leben riefen, sind beide Anfang 30 und führen die Arbeit ehrenamtlich aus. Ein konkretes Beispiel für den Erfolg dieser Vermittlung ist die Freundschaft zwischen der 87-jährigen Maria Schindel und der 38-jährigen Béatrice Frank-Ebker. Die beiden Frauen treffen sich seit anderthalb Jahren regelmäßig. Maria Schindel lebt seit 58 Jahren in Frankfurt und hat nach dem Tod ihres Ehemannes und dem Verlust ihres sozialen Umfelds nach neuen Kontakten gesucht. Die Treffen der beiden Frauen sind vielfältig: Sie besuchen gemeinsam das Kino, gehen in Cafés, besuchen Konzerte oder nehmen an Aqua-Fitness-Kursen teil. Der Verein, der neben Frankfurt auch in Hamburg und Köln vertreten ist, nutzt eine digitale Plattform, die ähnlich wie eine Dating-App funktioniert, um Freiwillige und Senioren basierend auf Interessen und Wohnort zusammenzubringen. Derzeit warten 23 der 93 registrierten Senioren in Frankfurt noch auf eine passende Begleitung.
Hintergrund – Die Entstehung und der Verlauf
Die Gründung der Frankfurter Zweigstelle im Jahr 2020 durch Matzken und Krausch war eine direkte Reaktion auf die Beobachtung, dass soziale Isolation in einer Großstadt wie Frankfurt besonders stark ausgeprägt ist. Die Gründerinnen, die sich seit ihrer Schulzeit kennen, sahen in ihrem eigenen Umfeld – insbesondere durch die Erfahrungen der Großmutter von Cleo Matzken – wie schwierig es für ältere, weniger mobile Menschen ist, am städtischen Leben teilzuhaben. Viele der Senioren sind an ihre Wohnungen gebunden und im Stadtbild kaum noch präsent. Die Initiative versteht sich als Antwort auf diese Anonymität der Großstadt. Während auf dem Land soziale Strukturen oft noch enger geknüpft sind, fühlen sich viele Senioren in Frankfurt isoliert. Die Arbeit des Vereins basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und der persönlichen Eignung. Über die Jahre hinweg hat sich das Netzwerk stetig vergrößert, was durch die Auszeichnung mit dem Frankfurter Bürgerpreis vor zwei Jahren auch öffentlich honoriert wurde. Das Modell hat sich von einem kleinen Projekt zu einer festen Größe in der Frankfurter Vereinslandschaft entwickelt, die sowohl bei den Senioren als auch bei den jungen Ehrenamtlichen auf wachsende Resonanz stößt.
Die Beteiligten – Personen und Institutionen
Im Zentrum stehen die beiden Gründerinnen Cleo Matzken und Sophie Krausch, die das Projekt in Frankfurt leiten und die Vermittlungsprozesse steuern. Sie führen die essenziellen Vorgespräche, um sicherzustellen, dass die Chemie zwischen den Besuchspaaren stimmt. Auf der Seite der Senioren steht Maria Schindel als Beispiel für eine Teilnehmerin, die durch die Vermittlung neue Lebensfreude gewonnen hat. Sie betont die Bedeutung der Flexibilität im Alter. Auf der Seite der jungen Generation steht Béatrice Frank-Ebker, die durch das Engagement eine neue Perspektive auf das Altern gewinnt. Der Verein selbst ist Teil eines größeren Netzwerks mit Standorten in Berlin, Hamburg und Köln. Ergänzend dazu liefert das Statistische Landesamt Hessen Daten zur demografischen Situation, die das Ausmaß der Einsamkeit unter den über 65-Jährigen in Frankfurt belegen. Zudem stützt sich die Argumentation des Vereins auf Erkenntnisse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), das die Einsamkeit auch bei der jungen Generation (21 bis 30 Jahre) thematisiert hat. Diese breite Einbindung von Institutionen und Einzelpersonen verdeutlicht, dass das Problem der Einsamkeit kein rein altersgebundenes Phänomen ist.
Einordnung – Was bedeutet das?
Einzuordnen ist das Projekt als ein notwendiges Korrektiv zu einer zunehmend anonymen Stadtgesellschaft. Den Berichten zufolge ist die Einsamkeit unter Menschen über 75 Jahren am höchsten, was durch das „Einsamkeitsbarometer 2024“ gestützt wird. Der Verein leistet hierbei nicht nur soziale Arbeit, sondern übernimmt eine wichtige Brückenfunktion für den demokratischen Diskurs. Die Gründerinnen betonen, dass der Austausch mit Zeitzeugen, die den Zweiten Weltkrieg oder die DDR erlebt haben, für die heutige Generation von unschätzbarem Wert ist. Es geht um den Transfer von Lebenserfahrung und historischem Wissen. Gleichzeitig profitieren die jungen Menschen von der Unterstützung bei der Sinnstiftung ihres ehrenamtlichen Engagements. Die Tatsache, dass sich auch junge Menschen einsam fühlen – laut BiB gut ein Fünftel der 21- bis 30-Jährigen –, zeigt, dass der Verein eine Anlaufstelle für beide Seiten bietet. Es handelt sich um ein gegenseitiges Geben und Nehmen, bei dem der Altersunterschied nicht als Barriere, sondern als Bereicherung wahrgenommen wird. Die „Dating-App“-Methodik zur Vermittlung ist dabei ein pragmatisches Werkzeug, um die Hürden des Kennenlernens so niedrig wie möglich zu halten.
Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet
Obwohl der Quelltext detaillierte Einblicke in die Arbeit des Vereins gibt, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. Es wird nicht explizit dargelegt, wie sich der Verein finanziert, um die Infrastruktur – etwa die App oder die Organisation der Vorgespräche – langfristig aufrechtzuerhalten. Ebenso fehlen Informationen darüber, wie das Auswahlverfahren für die Freiwilligen genau aussieht, abgesehen von der Erwähnung der Vorgespräche. Es bleibt offen, welche rechtlichen Rahmenbedingungen für die ehrenamtlichen Helfer gelten, wenn sie mit den Senioren in deren Privatwohnungen interagieren. Auch die Frage, ob es eine maximale Dauer für die Besuchspartnerschaften gibt oder ob diese zeitlich unbegrenzt angelegt sind, wird im Text nicht weiter ausgeführt. Zudem wird nicht spezifiziert, wie viele der 93 „alten Freunde“ derzeit in einer Warteschleife stecken, die über die genannten 23 Personen hinausgeht, oder ob es eine Altersbegrenzung für die Freiwilligen nach oben hin gibt. Die langfristige Skalierbarkeit des Modells auf andere Stadtteile oder gar andere Bundesländer wird zwar als Ziel angedeutet, aber nicht konkret mit Zeitplänen unterlegt.
Wie es weitergeht – Ausblick und Termine
Die Suche nach neuen Freiwilligen ist ein kontinuierlicher Prozess. Da aktuell 23 der 93 „alten Freunde“ auf einen Besuchspartner warten, bleibt der Verein auf stetigen Zuwachs an ehrenamtlich Engagierten angewiesen. Sophie Krausch betont, dass sich jeder bewerben kann, der Interesse, Geduld, Empathie und Zuverlässigkeit mitbringt. Die Arbeit des Vereins wird in den kommenden Monaten fortgesetzt, wobei die App als zentrales Instrument der Vermittlung weiter genutzt wird. Es gibt keine spezifischen Stichtage für das Projekt, da die Arbeit auf einer langfristigen Basis angelegt ist. Die Gründerinnen planen, das Konzept der „Besuchspartnerschaften“ weiter zu etablieren und durch die Gewinnung neuer Freiwilliger die Warteliste abzuarbeiten. Die Öffentlichkeitsarbeit, wie sie etwa durch Medienberichte in hr4 geschieht, dient dazu, die Bekanntheit des Vereins zu steigern und weitere Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. Die Entwicklung der bestehenden Paare, wie das von Schindel und Frank-Ebker, dient dabei als Vorbild für zukünftige Teilnehmer, um das Vertrauen in das Vermittlungsmodell weiter zu stärken und die Hemmschwelle für eine Kontaktaufnahme zu senken.