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Schwarz-Digits-Geschäftsführerin zu Digitaler Souveränität: „Die IT-Abteilung will in der Regel nichts ändern”
Technik · 02.08.2026 11:00

Schwarz-Digits-Geschäftsführerin zu Digitaler Souveränität: „Die IT-Abteilung will in der Regel nichts ändern”

Kurz: Claudia Alsdorf von Schwarz Digits spricht über digitale Souveränität, die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern und warum IT-Abteilungen oft Innovationsbremsen s

Digitale Souveränität als strategischer Wettbewerbsvorteil

Die Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft von einer Handvoll US-amerikanischer Cloud-Anbieter ist ein zentrales Thema der aktuellen IT-Strategie. Laut Claudia Alsdorf, Geschäftsführerin Business Development bei Schwarz Digits, werden derzeit etwa 70 Prozent der europäischen Cloud-Infrastruktur von drei großen US-Konzernen kontrolliert. Diese Marktmacht führt dazu, dass europäische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bei Preisgestaltungen oder technologischen Entscheidungen oft wenig Verhandlungsspielraum haben.

Digitale Souveränität bedeutet in diesem Kontext nicht die vollständige Abkehr von US-Technologie. Vielmehr geht es um die Handlungsfähigkeit: Unternehmen und Staaten müssen in der Lage sein, bei Bedarf den Anbieter zu wechseln, ohne ihre Geschäftsprozesse zu gefährden. Alsdorf betont, dass Souveränität bedeutet, stets einen „Plan B“ zu haben und die Kontrolle über die eigenen Daten nicht an externe Akteure abzugeben.

Die Gefahr des „Souveränitäts-Washings“

Ein kritischer Punkt in der Debatte ist das sogenannte „Souveränitäts-Washing“. Dabei werben US-Anbieter damit, dass ihre Rechenzentren in Europa stehen. Alsdorf warnt jedoch davor, dass dies allein nicht ausreicht. Solange die Datenverarbeitung – etwa für Wartungszwecke oder Telemetrie – zwangsläufig über US-Server läuft, bleibt die Abhängigkeit bestehen. Aufgrund des US-Cloud-Acts können US-Behörden unter bestimmten Umständen Zugriff auf Daten erzwingen oder Dienste abschalten. Ein europäischer Standort der Server schützt somit nicht automatisch vor einem potenziellen „Kill-Switch“.

Herausforderungen im öffentlichen Sektor

Besonders die öffentliche Verwaltung in Deutschland steht vor großen Hürden. Zwar gibt es mittlerweile ein politisches Bekenntnis zur digitalen Souveränität, doch die Umsetzung scheitert oft an der Komplexität. Laut Alsdorf reicht es nicht aus, lediglich Cloud-Infrastruktur auszuschreiben. Kommunen und Länder benötigen direkt einsetzbare, gebündelte Anwendungen. Da die öffentliche Hand oft nicht über die Kapazitäten verfügt, diese Anwendungen selbst auf einer Cloud-Plattform zu implementieren, bedarf es hier stärkerer Unterstützung durch Partnernetzwerke und spezialisierte Lösungen.

Warum IT-Abteilungen oft zögern

Bei der strategischen Neuausrichtung der IT-Landschaft stößt das Management häufig auf internen Widerstand. Alsdorf beobachtet, dass IT-Abteilungen in der Regel dazu neigen, bestehende Systeme beizubehalten, da Veränderungen mit hohem Aufwand und Risiken verbunden sind. Sie rät Unternehmen daher dazu, IT-Entscheidungen nicht allein der IT-Abteilung zu überlassen, sondern als strategische Unternehmensentscheidung zu treffen.

Der Wechsel zu souveränen Lösungen sollte dabei nicht aus Angst oder unter akutem Leidensdruck geschehen, da dies zu kurzfristigen und oft ineffizienten Entscheidungen führt. Stattdessen empfiehlt sie eine langfristige Roadmap über einen Zeitraum von ein bis zehn Jahren. Ein sofortiger Komplettumzug funktionierender Systeme sei meist zu kostspielig und instabil.

Ausblick: Kooperation statt Abschottung

Für die Zukunft sieht Alsdorf eine globale Kooperation als essenziell an. Ein komplettes Abschotten von den USA hält sie für den falschen Weg. Stattdessen plädiert sie für das Prinzip „global denken, lokal handeln“. Europa müsse sich als souveräner Akteur positionieren, der technologische Unabhängigkeit als Wettbewerbsvorteil begreift. Das Zeitfenster, um die Marktanteile im Bereich souveräner Cloud-Lösungen in Europa zu sondieren, schätzt sie auf die kommenden zwölf bis 24 Monate.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-eines-computerbildschirms-mit-codeanzeige-33607952/ · Foto: Simon Petereit
Quelle: https://t3n.de/news/schwarz-digits-digitale-souveraenitaet-1755780/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed