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Rhein: Wasserretter können Boote kaum noch zu Wasser lassen
Regional · 09.08.2026 17:32

Rhein: Wasserretter können Boote kaum noch zu Wasser lassen

Kurz: Extremer Niedrigwasserstand am Rhein behindert Rettungskräfte massiv: Boote kommen nicht ins Wasser, was zu gefährlichen Zeitverzögerungen bei Einsätzen führt.

Wenn der Rhein zum Hindernis wird

Die anhaltende Trockenheit hat den Rheinpegel auf einen neuen Tiefststand sinken lassen. Was für die Schifffahrt bereits seit Längerem eine wirtschaftliche Belastung darstellt, entwickelt sich für die Rettungskräfte im Kreis Groß-Gerau zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko. Die sogenannten NATO-Rampen, die eigentlich den Zugang zum Fluss ermöglichen sollen, enden derzeit vielerorts im Trockenen.

Rettungseinsätze unter erschwerten Bedingungen

Die Situation stellt die ehrenamtlichen Helfer der DLRG und der Feuerwehr vor enorme Herausforderungen. Da die Betonrampen nicht mehr bis zur Wasserkante reichen, müssen Boote über unebenes Gelände, wie etwa kantige Steine, manövriert werden. Dies birgt nicht nur ein hohes Risiko für Materialschäden an den Anhängern und Rettungsbooten, sondern kostet vor allem wertvolle Zeit.

Laut Niklas Glotzbach, technischem Leiter beim DLRG Kreisverband Groß-Gerau, führen diese Umstände zu einer spürbaren Verzögerung bei der Hilfeleistung. Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht die Problematik: Bei einer Personensuche Ende Juli gelang es den Einsatzkräften zwar, das Boot zu Wasser zu lassen, doch der Rückweg gestaltete sich als logistischer Kraftakt. Die Retter mussten einen Umweg von 40 Minuten in Kauf nehmen, um eine weiter entfernte Rampe im Riedstädter Altrhein zu erreichen.

Stillstand bei der Feuerwehr

Auch die Feuerwehr ist von der Entwicklung stark betroffen. In Trebur kann das neue, für 178.000 Euro angeschaffte Einsatzboot derzeit kaum genutzt werden. Gemeindebrandinspektor Mike Langhammer betont, dass die Einsatzfähigkeit der Wehr unter der fehlenden Übung leidet, da die Boote schlicht nicht in den Rhein gelangen. Die Gemeinde plant daher, die Dringlichkeit der Lage mit einem Brandbrief zu unterstreichen.

Zuständigkeiten als Knackpunkt

Die Frage, wer für die Verlängerung der Rampen zuständig ist, sorgt für politische Spannungen. Die Rampen unterliegen der Verantwortung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Oberrhein. Die Behörde lehnt eine direkte Abhilfe derzeit ab, verweist jedoch darauf, dass Hilfsorganisationen die Rampen in eigener Verantwortung ausbauen könnten, sofern eine entsprechende Absprache erfolgt.

Dieser Vorschlag stößt bei den betroffenen Kommunen auf entschiedene Ablehnung. Mike Langhammer weist darauf hin, dass die Gemeinde weder über die notwendigen Kapazitäten für Bauarbeiten an einer Bundeswasserstraße verfüge, noch die rechtliche Haftung für solche Maßnahmen übernehmen könne. Aus Sicht des Kreisbrandinspektors schieben sich Bund und Land die Verantwortung gegenseitig zu, während vor Ort keine strukturelle Verbesserung eintritt.

Alternative Lösungen kaum praktikabel

Einige Feuerwehren, etwa in Gernsheim oder Biebesheim, weichen auf Häfen aus, um ihre Boote dauerhaft im Wasser zu halten. Für Kommunen wie Trebur, die über keine entsprechende Infrastruktur verfügen, ist dies keine Option. Auch die DLRG sieht das dauerhafte Liegenlassen der Boote kritisch, da diese auch an Badeseen oder dem Main benötigt werden und der Schutz der hochwertigen Funktechnik vor Diebstahl an unbewachten Liegeplätzen nicht gewährleistet werden kann.

Die unterschätzte Gefahr des Rheins

Die Experten warnen davor, die Gefahren des Rheins bei Niedrigwasser zu unterschätzen. Trotz der geringen Wassertiefe bleiben Strömungen und Strudel bestehen. Zudem vergrößert sich die Strandfläche, was dazu führt, dass Personen schneller in die gefährliche Fahrrinne geraten können. Da der Rhein trotz der Einschränkungen eine der wichtigsten europäischen Wasserstraßen bleibt, ist die Einsatzbereitschaft der Rettungsdienste auch bei schwierigen Pegelständen von zentraler Bedeutung für die öffentliche Sicherheit.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nachtansicht-der-strassenszene-in-der-innenstadt-von-hamburg-30716070/ · Foto: Frank Rietsch
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-rhein-wasserretter-koennen-boote-kaum-noch-zu-wasser-lassen-100.html