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Rätsel am Sternenhimmel: Software liefert Nachweise, die kein Teleskop zeigen kann
Technik · 30.07.2026 14:55

Rätsel am Sternenhimmel: Software liefert Nachweise, die kein Teleskop zeigen kann

Kurz: Ein jahrzehntealtes Rätsel um den Riesenstern Beteigeuze ist gelöst: Moderne Software macht einen verborgenen Begleitstern sichtbar, den kein Teleskop direkt ze

Ein verborgener Begleiter im gleißenden Licht

Der rote Überriese Beteigeuze fasziniert Astronomen seit Generationen. Lange Zeit gab es lediglich theoretische Vermutungen über einen möglichen Begleitstern, der den massiven Himmelskörper umkreist. Nun scheint dieses Rätsel gelöst: Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des französischen Astronomen Miguel Montargès vom Observatoire de Paris konnte die Existenz eines Begleiters visuell belegen. Die Entdeckung markiert einen Meilenstein, da der Begleiter aufgrund der enormen Leuchtkraft des Hauptsterns mit herkömmlichen optischen Methoden bisher nicht direkt abbildbar war.

Die Herausforderung für die Forscher glich dem Versuch, ein winziges Glühwürmchen zu fotografieren, das unmittelbar neben einem hochleistungsfähigen Leuchtturm fliegt. Um dieses Hindernis zu überwinden, nutzte das Team das SPHERE-Instrument am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile.

Algorithmen als neues Auge der Astronomie

Der entscheidende Durchbruch gelang nicht durch eine neue Linse, sondern durch extrem aufwendige Datenverarbeitung. Über Monate hinweg rechneten Algorithmen das blendende Licht von Beteigeuze aus den Rohdaten heraus. Dabei kamen komplexe Verfahren zur Mustererkennung und Rauschunterdrückung zum Einsatz, um optische Aberrationen der Erdatmosphäre sowie das astronomische Störsignal des Hauptsterns zu eliminieren.

Die Auswertungen zeigen, dass der Begleiter, der den Namen „Siwarha“ erhielt, eine Masse von etwa 2,6 bis 3,1 Sonnenmassen aufweist. Es handelt sich um einen Hauptreihenstern, der sich noch am Anfang seines stellaren Lebenszyklus befindet. Der Name Siwarha, was übersetzt „ihr Armreif“ bedeutet, nimmt Bezug auf die arabische Herkunft des Namens Beteigeuze („die Hand der Riesin“). Die astronomische Konstellation erinnert dabei an ein Schmuckstück, das eng an der Hand des Riesensterns kreist.

Indizienkette und wissenschaftliche Einordnung

Die Entdeckung stützt sich auf eine Reihe von Beobachtungen, die in den vergangenen Jahren zusammengetragen wurden:

* **Interferometrische Aufnahmen:** Im Juli 2025 lokalisierte Steve B. Howell vom Ames Research Center der Nasa den Begleiter mit dem Gemini-North-Teleskop an einer exakt vorherberechneten Position.

* **Ultraviolette Spektralanalyse:** Anfang 2026 wies die Astrophysikerin Andrea Dupree mittels Hubble-Daten eine Bugwelle in der Atmosphäre von Beteigeuze nach, die genau der Umlaufbahn des Begleiters folgt.

* **Historische Verdunkelung:** Die massiven Helligkeitsschwankungen von Beteigeuze in den Jahren 2019 und 2020, die damals Spekulationen über eine bevorstehende Supernova auslösten, werden heute auf Staubauswürfe zurückgeführt. Der Begleiter Siwarha ist zwar für physikalische Bugwellen verantwortlich, löste diese historischen Schwankungen jedoch nicht aus.

Die Grenzen der digitalen Bildgebung

Obwohl die Ergebnisse beeindruckend sind, bleibt ein Rest an wissenschaftlicher Vorsicht. Da die Bilder auf statistischen Wahrscheinlichkeitsmodellen basieren, müssen Beobachter darauf vertrauen, dass die Algorithmen keine Artefakte als Himmelskörper interpretieren. Ein endgültiger, physikalisch unanfechtbarer Beweis der gravitativen Bindung wird erst erwartet, wenn Siwarha auf der gegenüberliegenden Seite seiner Umlaufbahn erneut fotografiert werden kann – ein Ereignis, das für 2027 prognostiziert wird.

Diese Beobachtungskampagne verdeutlicht einen Wandel in der modernen Astronomie: Die reine Hardwareleistung von Großteleskopen tritt zunehmend in den Hintergrund, während die Software zur Datenverarbeitung zum entscheidenden Faktor wird. Sie ermöglicht es, physikalische Grenzen zu verschieben und Details sichtbar zu machen, die für das menschliche Auge oder klassische Optiken für immer verborgen geblieben wären.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-eines-computerbildschirms-mit-codeanzeige-34803999/ · Foto: Daniil Komov
Quelle: https://t3n.de/news/beteigeuze-begleitstern-software-entdeckung-1755456/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed