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PV-Wechselrichter: Hoymiles liefert Sicherheitsupdate aus
Technik · 01.09.2026 11:54

PV-Wechselrichter: Hoymiles liefert Sicherheitsupdate aus

Kurz: Der Hersteller Hoymiles reagiert auf Sicherheitslücken in seinen PV-Wechselrichtern und veröffentlicht Firmware-Updates für zahlreiche Modellreihen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Der Hersteller Hoymiles hat auf die Aufdeckung kritischer Sicherheitslücken in seinen Photovoltaik-Wechselrichtern reagiert und entsprechende Firmware-Updates bereitgestellt. Nachdem der Chaos Computer Club (CCC) Anfang Juli dieses Jahres gravierende Schwachstellen im proprietären DTU-Funkprotokoll (Data Transfer Unit) des Unternehmens öffentlich gemacht hatte, stand der Hersteller unter Zugzwang. Die Sicherheitslücken ermöglichten es Angreifern, ohne Authentifizierung auf die Wechselrichter zuzugreifen, was unter anderem das unbefugte Aufspielen fremder Firmware erlaubte. Hoymiles hatte daraufhin für den 30. August 2026 eine Fehlerbehebung angekündigt und dieses Versprechen nun eingelöst. Die bereitgestellten Updates sollen die Kommunikation der Geräte absichern und die bisherigen Einfallstore für unbefugte Zugriffe schließen. Nutzer der betroffenen Wechselrichter-Serien sind nun dazu aufgerufen, die Aktualisierungen zeitnah durchzuführen, um die Integrität ihrer Photovoltaikanlagen zu gewährleisten. Die Maßnahme betrifft eine Vielzahl von Modellen der HM- sowie der HMS- und HMT-Baureihen, die weltweit in zahlreichen Solaranlagen im Einsatz sind. Damit reagiert das Unternehmen auf den erheblichen Druck, der durch die detaillierte Analyse der Sicherheitsforscher entstanden war, und versucht, das Vertrauen der Kunden in die Sicherheit der eingesetzten Hardware wiederherzustellen.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Abläufe

Die Sicherheitslücken betrafen sowohl den 868-MHz-Bereich als auch das 2,4-GHz-Band, in dem die HM-Serien kommunizieren. Nach Angaben des CCC fehlte es den DTU-Implementierungen an einer grundlegenden Verschlüsselung. Ein fataler Fehler bestand darin, dass die Geräte auf bestimmte Broadcast-Pakete reagierten und dabei die letzten acht Stellen der Seriennummer preisgaben, was Angreifern den Zugriff massiv erleichterte. Betroffen sind zahlreiche Modelle: Die HMT-Reihe umfasst die Modelle HMT-2000-4T, HMT-1800-4T und HMT-1600-4T. Bei der HMS-Serie sind die Varianten HMS-2000-4T, HMS-1800-4T, HMS-1600-4T, HMS-1000-2T, HMS-900-2T, HMS-800-2T, HMS-700-2T, HMS-600-2T, HMS-500-1T, HMS-450-1T, HMS-400-1T, HMS-350-1T und HMS-300-1T inkludiert. Auch die HM-Serie ist mit den Modellen HM-1000, HM-1200, HM-1500, HM-800, HM-700, HM-600, HM-400, HM-350 und HM-300 vertreten. Kunden mit einem Hoymiles-Cloud-Account erhalten eine Benachrichtigung in der S-Miles-Home-App, der Installer-App oder über das Web-Portal. Nach der Autorisierung soll das Update innerhalb von zehn Arbeitstagen auf die Anlage aufgespielt werden. Nutzer ohne Cloud-Anbindung müssen sich über ein Formular im Self-Service-Center an den Kundendienst wenden, um Unterstützung bei der Aktualisierung zu erhalten.

Hintergrund – der Weg zur Sicherheitslücke

Die Problematik hat ihren Ursprung in der Art und Weise, wie die Wechselrichter von Hoymiles mit der Außenwelt kommunizieren. Die Geräte nutzen DTU-Einheiten als Brücken, um Daten über Funk zu empfangen und diese anschließend in das lokale WLAN oder das Internet weiterzuleiten. Diese proprietäre Implementierung war nach Einschätzung des Chaos Computer Clubs jedoch mangelhaft konzipiert. Da keine Verschlüsselung der übertragenen Datenpakete stattfand, konnten Dritte die Kommunikation abfangen und manipulieren. Der CCC stufte das Risiko als extrem hoch ein, da die fehlende Authentifizierung es ermöglichte, die Firmware der Wechselrichter vollständig zu ersetzen. Dies hätte theoretisch dazu führen können, dass Angreifer die Kontrolle über die Hardware übernehmen, um etwa die Energieeinspeisung zu beeinflussen oder die Geräte als Teil eines Botnetzes zu missbrauchen. Die Aufdeckung durch die Sicherheitsforscher im Juli legte offen, dass die Sicherheit bei der Entwicklung des Protokolls offenbar vernachlässigt wurde. Das Unternehmen sah sich nach der Veröffentlichung der Details gezwungen, eine zeitnahe Lösung zu erarbeiten, um die angreifbaren Systeme vor potenziellen Missbrauchsszenarien zu schützen.

Die Beteiligten – Institutionen und Verantwortlichkeiten

Zentraler Akteur in diesem Prozess ist der Hersteller Hoymiles, der für die Entwicklung, Produktion und Wartung der Wechselrichter sowie der zugehörigen DTU-Einheiten verantwortlich ist. Das Unternehmen steuert den Update-Prozess über seine Cloud-Infrastruktur und den Kundendienst. Auf der anderen Seite steht der Chaos Computer Club (CCC), der als unabhängige Instanz die Sicherheitslücken aufgedeckt und durch seine Analyse den öffentlichen Druck auf den Hersteller erhöht hat. Die betroffenen Kunden, die ihre Photovoltaikanlagen mit Hoymiles-Technik betreiben, sind die Leidtragenden der Situation. Sie müssen nun aktiv werden, um die Sicherheitsupdates zu autorisieren oder sich bei fehlender Cloud-Anbindung an den Support zu wenden. Zudem spielen Drittanbieter-Projekte wie OpenDTU oder AhoyDTU eine Rolle, die bisher eine alternative Datenkommunikation ermöglichten. Da das Sicherheitsupdate die Kompatibilität mit diesen Lösungen unterbindet, sind auch die Entwickler und Nutzer dieser Open-Source-Projekte indirekt von den Maßnahmen des Herstellers betroffen und sehen sich mit einer veränderten technischen Ausgangslage konfrontiert.

Einordnung – was die Maßnahmen bedeuten

Den Berichten zufolge ist die Veröffentlichung der Firmware-Updates als notwendige Reaktion auf ein erhebliches Sicherheitsrisiko zu werten. Einzuordnen ist das so: Während die Schließung der Sicherheitslücke für die allgemeine IT-Sicherheit der Anlagen essenziell ist, bringt sie für Nutzer von Drittanbieter-Lösungen wie OpenDTU oder AhoyDTU eine erhebliche Einschränkung mit sich. Hoymiles hat explizit darauf hingewiesen, dass die Kommunikation mit solchen Produkten nach dem Update nicht mehr funktioniert. Einzuordnen ist dies als bewusste Entscheidung des Herstellers, die Kontrolle über die Kommunikationsschnittstellen zu verschärfen, möglicherweise um die Sicherheit innerhalb des eigenen Ökosystems besser garantieren zu können. Den Berichten zufolge gibt es derzeit keine Anzeichen für eine Zusammenarbeit mit den Open-Source-Projekten, um deren Funktionalität trotz der neuen Sicherheitsmechanismen zu erhalten. Dies bedeutet für viele Anwender, dass sie sich zwischen der Sicherheit ihrer Anlage und der Nutzung flexiblerer, herstellerunabhängiger Monitoring-Lösungen entscheiden müssen. Die Situation verdeutlicht den klassischen Konflikt zwischen proprietärer Sicherheit und der Offenheit von Systemen, die von der Community weiterentwickelt werden.

Offene Fragen – was der Quelltext nicht klärt

Trotz der bereitgestellten Updates bleiben einige zentrale Fragen für die Anwender unbeantwortet. Der Quelltext lässt offen, wie Besitzer von Wechselrichtern, die nicht online angebunden sind und keine DTU-Anbindung nutzen, das Update überhaupt erhalten sollen. Es wird lediglich spekuliert, dass sich Betroffene einen Dongle bei Bekannten leihen oder ein solches Gerät käuflich erwerben müssen, doch eine offizielle Stellungnahme von Hoymiles dazu steht aus. Das Unternehmen konnte auf eine entsprechende Anfrage unmittelbar keine Antwort geben. Ebenfalls unklar bleibt, ob die Projekte OpenDTU oder AhoyDTU in Zukunft wieder eine Möglichkeit erhalten werden, mit den aktualisierten Geräten zu kommunizieren. Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass Hoymiles an einer offiziellen Schnittstelle oder einer Kooperation arbeitet, die diese beliebten Drittanbieter-Lösungen wieder nutzbar machen könnte. Zudem ist nicht bekannt, wie viele Anlagen tatsächlich von den Sicherheitslücken betroffen waren oder ob es bereits zu realen Angriffen gekommen ist, die den Druck auf den Hersteller möglicherweise noch verstärkt haben könnten. Auch der genaue technische Mechanismus, wie das Update bei Offline-Geräten ohne Dongle-Leihe eingespielt werden könnte, bleibt eine offene Lücke in der Informationslage.

Wie es weitergeht – nächste Schritte

Der Prozess für die betroffenen Kunden ist nun in vollem Gange. Nutzer, die über einen Hoymiles-Cloud-Account verfügen, sollten in den kommenden Tagen ihre S-Miles-Home-App oder das Web-Portal prüfen, um die Upgrade-Benachrichtigung zu autorisieren. Nach der Freigabe hat der Hersteller einen Zeitraum von zehn Arbeitstagen für die Anwendung des Updates auf die jeweilige Anlage veranschlagt. Nutzer, die keine Cloud-Anbindung verwenden, sind angehalten, das Formular im Self-Service-Center auszufüllen, um den Kundendienst zu kontaktieren. Da Hoymiles angekündigt hat, bei der Durchführung des Upgrades behilflich zu sein, bleibt abzuwarten, wie effizient dieser Support bei der großen Anzahl an betroffenen Modellen arbeiten kann. Für die Zukunft bleibt die Entwicklung rund um die Drittanbieter-Produkte zu beobachten. Sollte Hoymiles weitere Informationen zu einer möglichen Lösung für Offline-Geräte oder zur künftigen Interoperabilität mit offenen Datenkommunikations-Projekten liefern, werden diese Informationen nachgereicht. Bis dahin müssen sich Anwender auf die vom Hersteller vorgegebenen, offiziellen Wege beschränken, um ihre Wechselrichter gegen die identifizierten Sicherheitsrisiken abzusichern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/personencodierung-im-laptop-574071/ · Foto: Lukas Blazek
Quelle: https://www.heise.de/news/PV-Wechselrichter-Hoymiles-liefert-Sicherheitsupdate-aus-11436579.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag