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Pro Bahn: Bahn-Manager haben Ministerium immer ausgetrickst
Schlagzeilen · 10.08.2026 08:20

Pro Bahn: Bahn-Manager haben Ministerium immer ausgetrickst

Kurz: Verkehrsminister Bilger will Boni für Bahn-Manager an Pünktlichkeit knüpfen. Der Fahrgastverband Pro Bahn warnt vor Tricksereien und fordert strengere Kriterien

Neue Vorgaben für Vorstandsvergütungen

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) plant eine grundlegende Reform der Bonuszahlungen für das Management der Deutschen Bahn. Künftig sollen finanzielle Anreize für Führungskräfte des Staatskonzerns direkt an das Erreichen konkreter Pünktlichkeitsziele gekoppelt werden. Ziel ist es, den Druck auf die Konzernführung zu erhöhen, um die anhaltenden Probleme im Schienenverkehr in den Griff zu bekommen. Bis zum Jahr 2029 wurde mit dem Unternehmen eine Zielmarke von 70 Prozent Pünktlichkeit vereinbart.

Kritik an bisherigen Messmethoden

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt den Vorstoß des Ministers grundsätzlich, mahnt jedoch zur Vorsicht bei der Ausgestaltung. Der Bundesvorsitzende Lukas Iffländer warnt eindringlich davor, dass sich das Verkehrsministerium erneut von den Bahn-Managern „austricksen“ lassen könnte. In der Vergangenheit seien die Kriterien für die Erfolgsbewertung so gewählt worden, dass sie den tatsächlichen Zustand des Schienennetzes und die Erfahrungen der Reisenden verzerrt darstellten.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die aktuelle Definition von Verspätungen. Bisher gelten Züge erst ab einer Abweichung von sechs Minuten als unpünktlich. Pro Bahn fordert eine Anpassung an Schweizer Standards, bei denen bereits eine Verspätung von drei Minuten in die Statistik einfließt. Zudem kritisiert der Verband, dass ausgefallene Züge in der bisherigen Berechnung nicht als unpünktlich gewertet wurden. Dies habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass Halte gezielt ausgelassen wurden, um die Pünktlichkeitsquote auf der Rückfahrt künstlich zu schönen.

Forderung nach Transparenz und externer Beratung

Um eine realistische Bewertung der Bahnsituation zu gewährleisten, drängt Iffländer darauf, dass das Ministerium bei der Gestaltung der neuen Bonusmodelle auf externe Expertise setzt. Er empfiehlt, Berater hinzuzuziehen, die nicht bereits in die vorherigen, aus Sicht des Verbandes lückenhaften Bonusregelungen involviert waren. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Vergütungssysteme tatsächlich Anreize für eine Verbesserung der Infrastruktur und des Betriebs setzen.

Die Kritik richtet sich auch auf die Vergangenheit: So habe der ehemalige Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hohe Boni erhalten, obwohl bereits absehbar war, dass das Schienennetz grundlegende Sanierungen benötigt. Der Verband appelliert daher an Minister Bilger, den Dialog mit der Branche und den Fahrgastverbänden zu intensivieren, um eine praxisnahe und ehrliche Erfolgsmessung zu etablieren.

Die Herausforderung für das Ministerium

Der Druck auf das Verkehrsministerium wächst, da die Deutsche Bahn trotz umfangreicher Werbekampagnen und Versprechen eines „Neustarts“ weiterhin mit massiven Verspätungen kämpft. Während der Staatsbetrieb nach zusätzlichen finanziellen Mitteln in Milliardenhöhe ruft, steht die politische Führung vor der Aufgabe, die Effizienz der Mittelverwendung durch ein geändertes Anreizsystem für die Führungsebene zu steigern. Ob die neuen Vorgaben ausreichen, um eine nachhaltige Wende im Bahnverkehr herbeizuführen, bleibt abzuwarten. Die kommenden Schritte des Ministeriums bei der konkreten Ausgestaltung der Zielvereinbarungen werden nun entscheidend dafür sein, ob die angekündigten Konsequenzen für das Management mehr als nur ein symbolischer Akt bleiben.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-in-der-schwarzen-anzugjacke-und-in-den-blauen-jeans-die-auf-der-weissen-stuhl-lesezeitung-sitzen-6000105/ · Foto: Ono Kosuki
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/pro-bahn-puenktlichkeit-bilger-100.html