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Neue Musik von Charli XCX: Sofortmaßnahmen zur Wiederbelebung der Tanzfläche
Kultur · 10.08.2026 10:47

Neue Musik von Charli XCX: Sofortmaßnahmen zur Wiederbelebung der Tanzfläche

Kurz: Charli XCX vollzieht mit ihrem neuen Album „Music, Fashion, Film“ einen überraschenden Stilwechsel und tauscht EDM gegen Rockmusik ein.

Ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit

Nachdem Charli XCX das Jahr 2024 mit ihrem Album „Brat“ und dem dazugehörigen, giftgrünen Pop-Phänomen maßgeblich geprägt hat, schlägt die britische Musikerin nun ein neues Kapitel auf. Die Ära der EDM-lastigen Partymusik scheint für die 1992 geborene Künstlerin beendet. Mit der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Music, Fashion, Film“ vollzieht sie einen bewussten Stilwechsel, der bereits im Eröffnungsstück „Rock Music“ unmissverständlich deklariert wird: Die Tanzfläche sei tot, weshalb nun der Rock Einzug halte.

Dieser Schritt markiert eine deutliche Abkehr von der „Brat“-Attitüde, die sogar in den politischen Diskurs einging, als der Begriff im Zusammenhang mit Kamala Harris als Schlagwort für eine bestimmte, trotzige Lebenshaltung instrumentalisiert wurde. Doch wie ernst ist es der Künstlerin mit dieser musikalischen Neuausrichtung?

Zwischen Selbstinszenierung und künstlerischem Anspruch

Der Imagewechsel ist für Popstars in einer Phase hoher öffentlicher Aufmerksamkeit kein Einzelfall. Ähnlich wie Miley Cyrus mit „Plastic Hearts“ oder Olivia Rodrigo durch ihre Rückbesinnung auf Rock-Vorbilder wie The Cure, scheint auch Charli XCX das Bedürfnis zu haben, ihre künstlerische Facettenreichweite zu unterstreichen. Wer früh in seiner Karriere einen massiven Bekanntheitsgrad erreicht, sieht sich oft mit dem Druck konfrontiert, sich von Kritikern als ernstzunehmende Musikerin jenseits des reinen Star-Status etablieren zu müssen.

Besonders auffällig ist die visuelle Gestaltung des neuen Werks. Das Cover zeigt eine Schwarz-Weiß-Fotografie von John Cale (The Velvet Underground), Marc Jacobs und Martin Scorsese. Diese Platzierung ist ein kalkulierter Schachzug: Einerseits ordnet sie sich in den Kanon dieser Kultfiguren ein, andererseits bleibt sie ihrer distanzierten, leicht desinteressierten Haltung treu. Sie kommentiert den eigenen Wandel mit einer Mischung aus Übermut und Ironie, indem sie betont, dass ihr das Album gefalle, auch wenn das Publikum dies möglicherweise anders sehe.

Musikalische Vielfalt statt roter Faden

Musikalisch präsentiert sich „Music, Fashion, Film“ als ein Werk, das sich nicht in eine einzige Schublade stecken lässt. Die Platte wirkt weniger wie ein geschlossenes Konzeptalbum, sondern vielmehr wie eine Sammlung unterschiedlicher Ansätze:

* **Rock-Elemente:** Tracks wie „Camera“ beginnen sanft, steigern sich jedoch durch den gezielten Einsatz von E-Gitarren und Schlagzeug in eine klassische Rock-Ästhetik.

* **Pop-Wurzeln:** Mit „Wink Wink“ findet sich ein Titel auf der Platte, der nahtlos an ihre frühere, trotzige Pop-Haltung anknüpft.

* **Experimentelle Einflüsse:** Das Album endet mit dem verzerrten, elektronisch angereicherten Stück „No One Lasts Forever“, das Interview-Ausschnitte von David Cronenberg integriert und eine melancholische Vergänglichkeit thematisiert.

Der Kampf um die kulturelle Deutungshoheit

Neben der Musik spielt für Charli XCX die Inszenierung ihres guten Geschmacks eine zentrale Rolle. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Aidan Zamiri für das Musikvideo zu „Camera“, in dem der Schauspieler Vincent Cassel eine ikonische Szene aus dem Film „Hass“ zitiert, unterstreicht ihren Anspruch, im kulturellen Diskurs mitzuspielen.

Dennoch bleibt ein gewisser Widerspruch bestehen: Während sie sich visuell und thematisch auf Größen wie The Velvet Underground bezieht, klingt ihre Musik nur bedingt nach deren Erbe. Dass sie selbst angibt, kaum Musik von anderen zu hören, ist ein ironischer Kommentar, der sie paradoxerweise wieder in die Nähe ihres ursprünglichen „Brat“-Images rückt, das sie eigentlich hinter sich lassen wollte. Ob der Aufstieg in den Rockolymp gelingt, bleibt abzuwarten; die Botschaft des Albums ist jedoch klar: Nichts währt ewig, auch nicht die eigene musikalische Identität.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kirche-st-nicolai-32986204/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/album/warum-charli-xcx-jetzt-rockmusik-macht-accg-201071732.html