Ein neues Wahrzeichen oder teurer Streitpunkt?
Über der Frankfurter Konstablerwache schwebt seit Kurzem ein großflächiges Netzgebilde der US-Künstlerin Janet Echelman. Das Werk mit dem Titel „A Sky Full of Hope“ soll ab der kommenden Woche auch beleuchtet werden. Doch während die Stadt Frankfurt das Projekt als kulturelle Aufwertung des öffentlichen Raums präsentiert, formiert sich in der lokalen Kreativszene und der Politik massiver Widerstand. Im Zentrum der Kritik stehen die Gesamtkosten von 2,3 Millionen Euro sowie die Art und Weise, wie der Auftrag vergeben wurde.
Intransparenz bei der Auftragsvergabe
Besonders die Entscheidung der Stadt, auf ein öffentliches Ausschreibungsverfahren oder einen künstlerischen Wettbewerb zu verzichten, stößt auf Unverständnis. Die Stadt Frankfurt hat das Kunststoff-Netz für einen Zeitraum von drei Jahren gemietet, wobei sie sich nach Ablauf dieser Frist ein Vorkaufsrecht gesichert hat. Die genauen Mietkosten sowie die Summen für den Aufbau, der durch die Frankfurter Agentur „Atelier Markgraph“ erfolgte, bleiben unter Verschluss. Das Kulturdezernat begründet dies mit dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen.
Diese Intransparenz sorgt für Irritationen. Kritiker, darunter Vertreter der Linkspartei und des Steuerzahlerbundes, hinterfragen die Verwendung der Steuermittel bereits seit Längerem. Auch aus der Kreativwirtschaft kommt deutliche Kritik: Claus Fischer vom Art Directors Club Frankfurt bemängelt, dass die lokale Szene erst sehr spät von dem Projekt erfuhr. Er betont, dass derartige Budgets für viele Akteure der Branche eine enorme Chance dargestellt hätten, hätte man sie in einem transparenten Wettbewerb ausgeschrieben.
Die Debatte um den künstlerischen Wert
Neben den finanziellen Aspekten wird auch die künstlerische Qualität des Werks kontrovers diskutiert. Der Frankfurter Installationskünstler und Städel-Professor Tobias Rehberger äußert sich kritisch zur Einzigartigkeit des Objekts. Da Echelman ähnliche Netzskulpturen bereits in zahlreichen anderen Metropolen wie Mailand, Dubai oder Madrid installiert hat, sieht Rehberger das Werk als austauschbar an. Er vergleicht die Ästhetik mit der Beleuchtung moderner Fahrzeuge und bezeichnet das Projekt als „kitschig“.
Das Kulturdezernat unter Leitung von Ina Hartwig (SPD) hält dagegen. Hartwig betont, dass es sich bei der Frankfurter Installation um ein „adaptiertes Einzelstück“ handele. Die Entscheidung für Echelman sei bewusst aufgrund ihrer internationalen Erfahrung im öffentlichen Raum getroffen worden. Die Finanzierung sei zudem nicht zulasten anderer Bereiche erfolgt, sondern aus Mitteln des Stadtmarketings, die für die Illumination der Stadt vorgesehen waren.
Ein „Störfaktor“ im öffentlichen Raum
Kulturdezernentin Hartwig räumt ein, dass Kunst im öffentlichen Raum zwangsläufig polarisiere. Sie bezeichnet das Werk selbst als einen „Störfaktor“, der jedoch dazu diene, das Stadtbild attraktiver zu gestalten. Die Skulptur ist für eine Laufzeit von drei Jahren geplant, wobei sie aus Sicherheitsgründen – insbesondere aufgrund der Gefahr von herabfallendem Eis – in den Wintermonaten zwischen November und Februar jeweils abgenommen werden soll.
Die offizielle Einweihung des Werks ist für die kommende Woche angesetzt. Ob die Diskussionen um die Kosten und die fehlende Einbindung lokaler Akteure damit verstummen, bleibt abzuwarten. Die Kritik der Kreativszene verdeutlicht jedoch einen Wunsch nach mehr Partizipation bei städtischen Großprojekten, um die lokale Expertise stärker in die Gestaltung des öffentlichen Raums einzubeziehen.